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So klingt der Tod

Ein gewaltiges Musik-Erlebnis hatten die Zuhörer des Oratoriums The Dream of Gerontius von Edward Elgar in der Weilburger Schlosskirche.
Weilburg. 

Das Oratorium The Dream of Gerontius des englischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934) war bewusst als Sonderkonzert der Veranstaltungsserie „Alte Musik im Weilburger Schloss“ angekündigt worden. Und zweifellos gehörte die Aufführung in der ausverkauften Schlosskirche zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten anlässlich des 300. Jubiläums des Gotteshauses, das neben der Frauenkirche in Dresden zu den größten und schönsten barocken protestantischen Sakralbauten Deutschlands zählt. Auch musikalisch gab es einen Brückenschlag in die sächsische Elbmetropole, denn neben der Kantorei der Schlosskirche Weilburg wirkte auch der Chor der Frauenkirche Dresden an dem Konzert mit.

Bereits am Allerseelentag hatten sich beide Chöre in Dresden in der gefüllten Frauenkirche zum gemeinsamen Singen unter der Leitung des Frauenkirchen-Kantors Matthias Grünert getroffen, um das spätromantische Werk des englischen Meisters in der gleichen Besetzung wie in Weilburg zu singen.

Gerade für den Monat November, in dem besonders der Toten gedacht wird, ist dieses Oratorium wie geschaffen. Kantorin Doris Hagel, die in der Schlosskirche das spannungsgeladene Werk vorstellte, trifft im Programmheft genau die Intention des Textes von Cardinal John Henry Newman, in dem es um einen sterbenden alten Mann namens Gerontius geht, der die letzten Dinge und das Hinübergehen in ein anderes Reich, das Jenseits, erlebt. „Uns allen steht der Weg bevor, wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Ein Bekenntnis zum Tod, der unausweichlich auf alle zukommt.

Charakteristisch für die Kompositionsform des Oratoriums ist die dramatische Vertonung einer erzählten Handlung. Dazu gehört auch die Verwendung von immer wiederkehrenden Leitmotiven. Das Orchester wurde in expressiver Weise eingesetzt, hier von der „Frankfurter Kapelle“ mit der Stammbesetzung des Frankfurter Museumsorchesters und vielen qualifizierten jungen Studenten. Der Chor der Frauenkirche Dresden bildete mit der Kantorei der Schlosskirche eine starke musizierende Gemeinschaft, die nicht nur die doppelchörigen Teile glänzend meisterte, sondern auch jederzeit den vielen polyphonen Strukturen (Doppelfuge des Dämonenchors im zweiten Teil) gerecht wurde. Insofern ein ausgeprägter Klangapparat, der unter dem Konzertmeister Dimiter Ivanov mit dem Chor eine klangliche Einheit bildete und die Dramatik des Geschehens bildhaft darstellte.

Gänsehaut

Kardinal Newmans Poem umfasste ursprünglich sieben Teile, in denen vier dramatische Personen eingesetzt sind. Wieder hatte Doris Hagel hinsichtlich der Vokalsolisten eine glückliche Hand. Die Seele des Gerontius übernahm der weltbekannte Tenor Markus Schäfer, der in Weilburg schon häufiger gastierte. Mit ausdrucksstarker Eleganz beherrschte er seinen Gesangspart mit Stil und Format. Klaus Mertens war in der Priesterrolle erneut als ein in jeder Hinsicht souveräner Bass mit einem stets angenehmen Timbre, während sich die Mezzosopranistin Anna Haas im zweiten, wesentlich umfangreicheren Teil mit einer prächtig geführten klangschönen Stimme in der Gestalt des Engels in die Herzen der begeisterten Zuhörer sang. Sie schloss übrigens ihr Diplom mit „summa cum laude“ und arbeitet laufend mit dem Dresdner Kreuzchor und den Leipziger Thomanern zusammen.

Am Ende des Kirchenjahres stellte mit dieser grandiosen Aufführung Doris Hagel eine imposante Trauermusik dar, die auch zu einem klingenden Vermächtnis für den Engländer Edward Elgar wurde. Gänsehautgefühl bekamen die Zuhörer zum Schluss beim Gesang der „Engelschöre“ . Nach einer Weile der Stille kam brausender Beifall auf, der allen Mitwirkenden galt.

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