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Besonderes Testament: So setzt Künstler Klaus Panzner sich ein Denkmal für die Ewigkeit

Von Eine Stele würdigt ein kreatives Leben: Zwischen Kurhaus und Amthof-Galerie erinnert sie jetzt an Klaus Panzner. Seine Arbeit wirkt nach, denn er hatte in seinem Testament verfügt, junge Künstler zu unterstützen.
Der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel und die Limburger Galeristin Kirsten Zabel-Leutheuser enthüllen die Stele vor dem Kurhaus, die nun an Klaus Panzner erinnert. Foto: Petra Hackert Der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel und die Limburger Galeristin Kirsten Zabel-Leutheuser enthüllen die Stele vor dem Kurhaus, die nun an Klaus Panzner erinnert.
Bad Camberg. 

Bad Camberg ist um ein Denkmal reicher. Eine Stele vor dem Kurhaus; das Bild zeigt Klaus Panzner, der im vergangenen Jahr gestorben ist. Vielen Limburgern ist er noch gut in Erinnerung als der Mann, der gemeinsam mit seiner Frau Olvido in der Altstadt am Fischmarkt sein Haus saniert und mit Leben gefüllt hat. Später zog er nach Bad Camberg – in die Kernstadt. Damit schloss sich ein Kreis, denn nach Schwickershausen hatte es seine Familie, die ursprünglich aus Dresden stammte, anfangs verschlagen. Er starb in Grafrath in Bayern. In der Nähe wohnte seine Schwester.

Knapp skizzierte Stationen eines Lebens, doch zum Schaffen gehört viel mehr. Wer erinnert sich noch an den Mann, der vor dem Untertorturm saß und diesen Blickwinkel der Altstadt skizzierte? Nicht nur den. Ein Baukran, der mit Blick vom Bungert Richtung Kirche über das Gelände ragt, kennzeichnet einen Blickwinkel, der so gar nicht touristisch ist. „Er hat nicht nur die schönen Stellen festgehalten“, sagt Elke Stillger. Die Bad Camberger Künstlerin gehört zu denen, die sich bei der Enthüllung der Stele ihre Gedanken machten. Und die wissen, dass „Ojo“ (spanisch für „das Auge“), so Klaus Panzners Künstlername, einen ganz besonderen Blick für das Wesentliche hatte.

Die Nachricht von seinem Tod im vergangenen Jahr machte viele betroffen. Im weiten Umkreis hatte er unzählige Orte verewigt. Seine handkolorierten Radierungen in meist kleinen Formaten kennt fast jeder. Mehr als vier Jahrzehnte hielt er die Region fest. Seine Technik: Über einen Spiegel übertrug er die Motive, auf die er blickte, mit der Radiernadel auf eine Metallplatte. Dies sorgte bei Passanten oft für Verwunderung, und gerne kam er mit ihnen ins Gespräch.

Die Arbeitsweise funktioniert so: Eine Metallplatte (Kupfer oder Zink) wird auf beiden Seiten mit einem säurebeständigen Lack überzogen. Dort, wo anschließend die Radiernadel das Metall freilegt, entstehen im Säurebad geätzte Linien. Tiefe und Stärke sind abhängig von der Einwirkzeit. Durch das Abdecken verschiedener Partien kann der Künstler die Linienstärke beeinflussen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird der Schutzlack entfernt, die Platte gereinigt. Man hat quasi ein Negativ des späteren Bildes, das über die Kupferdruckpresse gedruckt wird. In kleinen Auflagen – so machte es Klaus Panzner. Und er kolorierte seine Bilder, was den besonderen Eindruck ausmacht. Aber auch schwarz-weiß sind sie etwas Besonderes.

Zeitsprung: In Ordnern, Kisten und kleinen Kartons liegen diese Bilder jetzt in einem Raum im Bad Camberger Bauhof-Gebäude. Der Vorsitzende der Amthof-Galerie, Klausjürgen Herrmann, und ein Helfer sind dabei, sie zu sortieren. Ein Nachlass von über 3000 Motiven, sagt Herrmann. Und: „Klaus Panzner hat immer differenzierte Abzüge gemacht, also gibt es das Motiv hier mindestens noch zweimal unkoloriert. Wir haben es mit 6000 bis 9000 Arbeiten zu tun.“

Nachwuchsförderung

Sie alle werden sortiert, katalogisiert, abfotografiert – und später auch verkauft. Denn Klaus Panzner hat verfügt, junge Künstler zu unterstützen. Das geschieht vornehmlich über Barmittel, die er zur Verfügung hatte, den Verkauf seiner Wohnung in Bad Camberg und die Bilder. 120 000 Euro liegen jetzt auf dem Tisch, hinzu kommen die Erlöse der Arbeiten. „Er hat verfügt, dass wir jedes Jahr einen oder zwei junge Künstler mit 5000 Euro fördern“, erklärt Herrmann. Das bereitet er jetzt vor.

Doch noch mehr: In Limburg hatte Panzner lange Zeit mit Kirsten Zabel-Leutheuser zusammengearbeitet.

 

 

Die Galeristin würdigte beim Enthüllen der Stele einen besonderen Menschen. Einen Freund, der bescheiden, begnadet, manchmal auch etwas schwierig und oft introvertiert sein Umfeld bereichert habe. „Herzlich konnte er mit einem lachen und dann wieder sofort in seine Unnahbarkeit zurückkehren“, erinnert sie sich. Schwer habe ihn nach 16 Jahren Ehe die Trennung von seiner Frau getroffen. „Er schloss mit seiner Arbeit als Künstler ab, vernichtete seine Malmaterialien und übte auch nicht mehr den Beruf des Restaurators aus.“

Bilderbuch der Region

Erst langsam habe er sich wieder für seine Kunst geöffnet und den Weg zu den Menschen gefunden. Übrigens: „Diese über viele Jahre hergestellten Radierungen sind gleichzusetzen mit einem Bilderbuch. Umbauphasen der Häuser und Plätze wurden in diesen festgehalten, und manchmal ist es gar nicht so einfach, festzustellen, wo er denn gerade gesessen und die jeweilige Radierung gefertigt hat. Auch Mülltonnen räumte er einen Stellenwert ein.“

 

 

 

 

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