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Sommertour: Im vergessenen Kalkwerk

Von Umgestürzte Bäume, Windbruch, mit Efeu umrankte Stämme, ein paar Trampelpfade durchziehen das Gelände. Es hat fast den Eindruck eines verwunschenen Eckchens. Es ist ein Platz mitten in einem ehemaligen Steinbruch.
Mitten im ehemaligen Kalksteinbruch. Harald Ristau erläutert mit Hilfe des vergrößerten Briefkopfs von 1897 das Aussehen der Abbaustätte. Die Natur hat sich den verlassenen Bruch zurückerobert.	Fotos: Laubach (3) Mitten im ehemaligen Kalksteinbruch. Harald Ristau erläutert mit Hilfe des vergrößerten Briefkopfs von 1897 das Aussehen der Abbaustätte. Die Natur hat sich den verlassenen Bruch zurückerobert. Fotos: Laubach (3)
Villmar/Runkel. 

Das Wirken und Werken von Menschenhand lässt sich hier und da noch an den steilen Wänden ablesen. Das sieht nicht sehr natürlich aus, auch wenn die Natur die einst scharfen Kanten gebrochen hat. Harald Ristau hat die Teilnehmer der ersten NNP-Sommertour über den schmalen Lahnhöhenweg an diese Stelle zwischen Arfurt, Seelbach und Aumenau geführt. Die Lahn fließt nicht weit entfernt und dazwischen liegen noch die Gleise der Bahn.

"Auerberg" ist die Gemarkungsbezeichnung. "Auerberg", so nannte sich auch das Kalkwerk mit dazugehörigem Steinbruch, der sich an dieser Stelle befand. Kalkstein, das ist ein sehr harter Stein, zumindest wenn er in Steeden oder auch in Hahnstätten gebrochen wird. Der Kalkstein aus dem "Auerberg" ist anders, er fühlt sich eher kreidig an, ist deutlich weicher als das, was an vielen anderen Stellen in der Nähe gebrochen wird oder wurde.

Und zwischen dem Gestein sind, zumindest nahe der Oberfläche und an den Bruchkanten, erdige Einschlüsse, die sich farblich deutlich absetzen. Die Quellen über das Kalksteinwerk "Auerberg" sind dürftig. "Wir haben einige Einträge in der Schulchronik", macht Ristau deutlich. Sie datieren von 1895 und 1897, als der Lehrer vermerkt, dass das Kalkwerk zahlreichen Männern aus dem Dorf Arbeit und Brot gewährt und im späteren Eintrag geht es um einen zweiten Ofen, der gebaut wurde.

Wie das Werk einmal ausgesehen hat, vermittelt der Kopf eines Briefes von 1897. Zwei Schornsteine, das bedeutet zwei Öfen. Ristau schätzt die Höhe der Schornsteine und die Breite der Gebäude mit den Öfen auf jeweils etwa 24 Meter. Davon ist nichts mehr zu sehen. "Es gibt noch ein paar Schutthaufen, unter denen sich Ziegelsteine der Gebäude befinden", sagt Ristau auf dem Weg. Aber um sie ans Tageslicht zu fördern, wäre es notwendig, die Erde zu beseitigen, den Bodenbewuchs zu entfernen.

Deutlich erkennbar ist noch eine Unterführung der Bahngleise. Ein recht schmaler, gemauerter Gang, der auch auf dem Briefkopf von 1897 zu sehen ist. Es war ein Transportweg. Das Kalkwerk hatte nicht nur ein eigenes Zubringergleis, sondern konnte auch die Lahn als Transportweg nutzen, dazu gab es am Fluss eine Verladestelle. Aber der Wasserweg wurde deutlich weniger in Anspruch genommen als der stetig zur Verfügung stehende Weg über die Schienen.

Das Kalkwerk ist untrennbar mit der Lahntalbahn verbunden, die sich seit 1862/63 entlang des Flusses schlängelt. Der Arfurter Bahnhof, einzigartig in seiner Wellblechbauweise, ist quasi das letzte sichtbare Überbleibsel des Kalkwerks und sollte ursprünglich einmal die Bezeichnung "Personenhaltestelle Auerberg" führen. Wo er sich befindet, verlief die Grenze zwischen Arfurt und Seelbach.

Nach Angaben von Ristau führten einige Grenzänderungen dazu, dass er allein auf Arfurter Gemarkung steht (was die Seelbacher am Standort des Bahnhofs an Fläche abgaben, erhielten sie an einer anderen Stelle von Arfurt zurück). Initiator der "Personenhaltestelle" war das Kalkwerk mit den beiden Dörfern. 6000 Mark zahlte das Werk an die Eisenbahn, jeweils 1000 Mark die beiden Orte für den Bahnhof, der 1897 genehmigt wurde.

Die Zufahrt zum Bahnhof folgt dem Lauf des Seelbachs von der Landstraße, die Seelbach und Arfurt miteinander verbindet. Am Seelbach liegt Heimanns Mühle, wobei die Mühle heute ein teilsaniertes Gebäude ist, das in einigen Jahren ganz zugewachsen sein wird – sofern es nicht wieder genutzt wird. Heimanns Mühle ist ein Ort der Farbenproduktion. Davon zeugen noch die Reste der alten Trocknungskammer, die sogar noch einige Blicke auf die Farben gewährt, die an dem Standort hergestellt wurden.

Farbenherstellung

Heimanns Mühle, erste Station der Sommertour unter Leitung von Ristau, ist Zeugnis aus einer Zeit, in der Farben noch auf mineralischer Grundlage hergestellt wurden. Dazu wurde in der Nähe Ocker im Tagebau wie auch im Schachtbetrieb abgebaut. Untrennbar ist die Farbenproduktion mit dem Namen Dr. Fritz Muck verbunden, der die Mühle 1859 übernahm, eine total verpfuschte Produktion vorfand und sie komplett umbaute. Im März 1861 war der Umbau beendet. 600 bis 700 Kilogramm an Erdfarben wurden dabei nach Angaben von Ristau täglich hergestellt. Eine breite Farbpalette war möglich, besonders bekannt war das "Arfurter Grün".

Muck hielt es nicht lange in der Region (er wohnte in Arfurt, wo sich auch das Labor befand) und siedelte ins Ruhrgebiet über. Sein Name ist untrennbar mit der Steinkohlen-Chemie verbunden, als deren Begründer er gilt. Auch die Farbenproduktion in Heimanns Mühle war nicht mehr von langer Dauer. "Die nassauischen Farbenmühlen zog es ins Ruhrgebiet", erläuterte Ristau, der sich im Zusammenhang mit dem Seelbacher Ortsjubiläum 2004 intensiv mit der Geschichte des Dorfes befasst hat.

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