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Regierungspräsidium äußert sich: St.-Vincenz-Krankenhaus: Fragen bleiben offen

Wie es zu den Unregelmäßigkeiten in der Sterilisationsabteilung des St.-Vincenz-Krankenhauses kommen konnte, bleibt womöglich offen. Das Regierungspräsidium (RP) Gießen teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, die Klinik habe die Vorgänge nicht vollständig aufklären können.
Symbolbild Symbolbild
Limburg. 

Bei den angekündigten neuerlichen Überprüfungen der Zentralen Sterilisation des St-Vincenz-Krankenhauses wird es nur um die aktuelle Situation gehen. Die Frage, wie es zu den Unregelmäßigkeiten gekommen ist, sei zwar vom Regierungspräsidium gestellt worden, aber „das St.-Vincenz-Krankenhaus konnte die Unregelmäßigkeiten nicht vollständig klären“, teilte RP-Sprecher Thorsten Haas mit.

„Das ist ja ein Klopper. Reicht dem RP diese Aussage der Klinik – wenn sie so getätigt worden sein sollte – tatsächlich aus?“, fragt der Weilburger Rechtsanwalt Burkhardt Kirchhoff. Er hatte öffentlich gemacht, dass es bei der Sterilisation von Operationsbesteck im Limburger Krankenhaus mindestens zwischen 2012 und 2016 zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Sowohl ein Gutachten des Krankenhaushygienikers Hans-Martin Seipp als auch eine Untersuchung durch das Regierungspräsidium, beides im Jahr 2016, hatten mehrere Mängel aufgezeigt. Kirchhoff hatte gefordert, nicht nur sicherzustellen, dass die Mängel behoben worden sind, sondern auch aufzuklären, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Dies könne nur durch unabhängige Experten geschehen, das RP als beteiligte Partei halte er dafür für ungeeignet.

Regelmäßige Kontrollen

Die Behörde wird nichtsdestoweniger auf Wunsch des Verwaltungsrats des Krankenhauses ein weiteres Mal die Sterilisationsabteilung unter die Lupe nehmen. Den genauen Termin werde man der Klinik nicht mitteilen.

Grundsätzlich würden die Aufbereitungsabteilungen in Krankenhäusern alle drei bis vier Jahre begangen. Wenn dabei Mängel auffielen, sei je nach Brisanz eine erneute Überprüfung innerhalb eines Jahres vorgesehen, teilt das Regierungspräsidium mit. Zwischen 2011 und 2016 sei die Aufbereitungsabteilung des Limburger Krankenhauses fünf Mal kontrolliert worden: Je einmal in 2011, 2012 und 2015 und zweimal im Jahr 2016. Defizite seien erst im Jahr 2016 aufgefallen – und mittlerweile fristgerecht behoben worden.

Damit müsse befürchtet werden, dass das RP „schlampig oder fachlich unzureichend“ geprüft habe, sagt Rechtsanwalt Kirchhoff. „Das RP hat nach eigener Ansicht kontrolliert, die von Gutachter Seipp, der Facharzt für Hygiene ist, im Jahr 2016 aufgelisteten erheblichen Mängel offensichtlich aber nicht gesehen.“ Seipp habe unter anderem Verträge über die Zusammenarbeit der Kliniken bei der Aufbereitung der Operationsutensilien kritisiert und berichtet, dass an Instrumenten Verschmutzungen mit Blut, Eiter oder sonstigen menschlichen Rückständen aufgefallen seien.

Vom Regierungspräsidium erwarte er, dass es sich hinterfrage, ob seine Kontrollen in der Vergangenheit ausreichend gewesen seien, sagt Kirchhoff. „Es ist inaktzeptabel, wenn eine Klinikleitung nach der Mängelliste Seipps den Menschen Aufklärung in Form einer Überprüfung durch das Regierungspräsidium verspricht.“ Solange der Einsatz eines unbefangenen Hygieneexperten abgelehnt werde, könne es nicht um schonungslose Aufklärung gehen, sondern allenfalls um schnelle Schadensbegrenzung gehen. Die Limburger Staatsanwaltschaft hat sich zwischenzeitlich des Themas ebenfalls angenommen und ermittelt gegen unbekannt.

Großer Aufgabenbereich

Seit Oktober 2016 sind nach Auskunft der Behörde zwei Personen für die Umsetzung des Medizinproduktegesetzes – das auch den Betrieb der Sterilisationsabteilungen in Krankenhäusern, Zahnarzt- und Arztpraxen regelt – zuständig. Zu ihrem Einsatzgebiet gehören nach Auskunft des RP 36 Krankenhäuser und rund 1530 Praxen. Sie hätten einen Abschluss einer technischen oder medizintechnischen Hochschule oder Fachhochschule und würden regelmäßig im Bereich des Medizinprodukterechts fortgebildet. In ihren Arbeitsbereich fallen neben der Kontrolle der Aufbereitung von medizinischem Besteck auch die Überwachung der Herstellung und des Einsatzes von Medizinprodukten.

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Kommentar: Es bleibt ein fader Beigeschmack

Und das soll jetzt alles gewesen sein? Das Regierungspräsidium bittet das St.-Vincenz-Krankenhaus um Aufklärung, was in den vergangenen Jahren schief gelaufen ist und konstatiert, dass es keine befriedigende Antwort gegeben hat.

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Diese Zahlen machten ein generelles Problem in Deutschland deutlich, sagt Kirchhoff: „Mit dieser Personalausstattung ist eine lückenlose und effektive Kontrolle der Kliniken oder Praxen und sonstigen Einrichtungen aus meiner Sicht nicht im Ansatz möglich.“ Den einzelnen Mitarbeitern sei aber überhaupt kein Vorwurf zu machen, verantwortlich sei die Politik, die nichts Geeignetes gegen dieses „Kontrolldefizit“ unternehme, obwohl dafür genügend Geld im System vorhanden sei.

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