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Stolpersteine auch für Hadamar?

Auch Hadamar soll „Stolpersteine“ zur Erinnerung an ermordete jüdische Einwohner bekommen. Eine Initiativgruppe für das Projekt hat ihre Arbeit aufgenommen.
Es gibt nur noch wenige Hinweise an die Hadamarer Juden, beispielsweise den jüdischen Friedhof. Die geplanten Stolpersteine sollen die Erinnerung bewahren.	Foto: Thies Es gibt nur noch wenige Hinweise an die Hadamarer Juden, beispielsweise den jüdischen Friedhof. Die geplanten Stolpersteine sollen die Erinnerung bewahren. Foto: Thies
Hadamar. 

Stolpersteine, in den Bürgersteig eingelassene Metallplaketten mit Namen und Lebensdaten, erinnern in vielen Städten an Menschen, die im „Dritten Reich“ ermordet wurden. In den vergangenen Monaten wurden unter anderem in Limburg und Bad Camberg Stolpersteine verlegt. Im Sommer 2015 soll auch Hadamar seine ersten Stolpersteine bekommen. Dieses Ziel hat sich eine kleine Initiativgruppe gesetzt. „In den Konzentrationslagern haben die Menschen Nummern bekommen und noch ihre Asche wurde irgendwo verscharrt. Die Stolpersteine sollen diese vernichtete Erinnerung wieder herstellen“, skizzierte Gruppenmitglied Martina Hartmann-Menz beim jüngsten Treffen die Absicht. Verlegungsort der Steine soll jeweils der Bürgersteig vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus der später Ermordeten werden.

Recherche im Sommer

Im Blickpunkt stehen die Hadamarer Juden, rund 40 Personen. Erst einmal soll allerdings nur eine Handvoll Stolpersteine verlegt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Mitglieder der Initiativgruppe zuvor möglichst viele Informationen über das Leben der betreffenden Menschen zusammentragen möchten. Für die kommenden Monate sind Recherchen in verschiedenen Archiven geplant. Dazu kommen Daten, die der Heimathistoriker Peter Paul Schweitzer bereits über die Hadamarer Juden gesammelt hat, und Berichte der letzten Zeitzeugen.

Nach der Recherchephase soll die Verlegung der Stolpersteine offiziell bei der Stadt Hadamar beantragt werden. Die Finanzierung erfolgt zwar über Spenden, aber weil es sich um eine Veränderung im öffentlichen Straßenraum handelt, ist eine Zustimmung der städtischen Gremien nötig. Nach Angaben des Initiativkreises hat es bereits erste Gespräche mit Bürgermeister Michael Ruoff, Stadtverordnetenvorsteherin Susanne Langel und Vertretern politischer Gruppen gegeben. Die Initiative für die Stolpersteine soll aber ausdrücklich vom Initiativkreis und nicht von Stadtverwaltung oder -politik ausgehen.

Nach der ersten, kleinen Zahl von Stolpersteinen können weitere folgen. Allerdings gilt es zuvor noch einige Fragen zu beantworten. Die Angaben zu vielen Hadamarer Juden in verschiedenen Archiven weisen Widersprüche auf, die nach Möglichkeit aufgelöst werden sollen. „Unklar ist außerdem noch, wie wir mit den jüdischen Patienten der Heil- und Pflegeanstalt umgehen, die bereits vor 1933 aus medizinischen Gründen hier eingewiesen wurden“, nennt Initiativgruppenmitglied Volker Soßdorf einen weiteren Aspekt. Das ist jedoch eine Frage für die spätere Arbeit. Das Vorgehen für die nächste Zeit formuliert Gruppenmitglied Thomas Uecker so: „Wir wollen uns zuerst mit den Schicksalen befassen, bei denen es keine größeren Unstimmigkeiten gibt, damit wir in absehbarer Zeit die ersten Stolpersteine setzen können.“ vt

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