Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Streit um Schimmel

Von Weil er mehrfach nicht den Rasen gemäht haben soll, ist einem Mieter der Limburger Wohnungsgenossenschaft GWU gekündigt worden. Doch eigentlich geht es in dem Streit um eine Wohnung, die nicht richtig zu beheizen ist. Deshalb greift sogar die Stadt ein.
Limburg. 

Das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen (GWU) ist mit 709 Wohnungen einer der größten Anbieter von Wohnraum in Limburg. Dass im Laufe der Jahrzehnte Mietern gekündigt wurde, weil sie monatelang ihre Miete nicht zahlten, kommt zwar selten vor, ist aber nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist hingegen eine vor kurzem ausgesprochene Kündigung einer Mietwohnung. Der Mieter soll nach Angaben der GWU sehr lange nicht den Rasen gemäht haben und deswegen nach Angaben von GWU-Geschäftsführer Ulrich Nonn drei Mal schriftlich abgemahnt worden sein, im Juli 2011, im Mai 2012 und im Juni 2013.

Nur ein Gasofen

Dabei besitzt der Mieter einen eigenen Rasenmäher. Aber der sei kaputt, sagt der Mieter. Und zwar, weil der Rasenmäher in einem zu feuchten Keller stehen müsse.

Und um diese Feuchtigkeit, die nach Angaben des Mieters inzwischen zu Schimmel in seiner rund 66 Quadratmeter großen Erdgeschosswohnung geführt hat, geht es, letzten Endes, in dem Streit. Die Wohnung befindet sich in einem 1934 gebauten Mietshaus.

In der Wohnung steht nur ein Gasofen, und zwar im Wohnzimmer. Ob auch in der Küche ein Gasofen angeschlossen werden kann, darüber streiten beide Seiten. Die GWU sagt, der Anschluss sei durch eine Küchenzeile verdeckt worden, der Mieter sagt, die Gasleitung sei blindgelegt.

Unstrittig ist dagegen, dass die Küche, das Schlafzimmer und das Bad mit nur einem Gasofen im Wohnzimmer nicht ausreichend beheizt werden können. Das bestätigt sogar ein von der GWU in Auftrag gegebenes Gutachten.

Knapp ein Drittel des Wohnungsbestands der GWU sind nach Angaben ihres Geschäftsführers Wohnungen, in denen es zwar Gasanschlüsse für Heizungen gibt, aber die Gasöfen müssen die Mieter als Eigentum erwerben.

Nur so, argumentiert die GWU, sei es möglich, Wohnungen für einen sehr günstigen Kaltmietpreis von 2,50 Euro pro Quadratmeter zu vermieten, und die Nebenkosten möglichst gering zu halten. Probleme habe es deswegen nie gegeben - nur jetzt, in diesem einen Fall.

Als der Mieter feststellte, dass seine Wohnung mit nur einem Gasofen nicht vernünftig zu heizen ist, und er festzustellen glaubte, an den Wänden im Schlafzimmer und Wohnzimmer habe sich Schimmel gebildet, sprach er mit der GWU.

Urteil vom Amtsgericht

Es gab zwar mehrere Angebote der GWU, für eine bessere Beheizbarkeit in der Wohnung zu sorgen, aber die Bedingungen haben den Mieter nicht zufriedengestellt, unter anderem deshalb, weil er die Kosten für eine neue Leitung hätte selbst bezahlen sollen, wie er sagt. Außerdem bestreitet die GWU, dass es sich um Schimmel handelt.

Das zuletzt gemachte Angebot der GWU, eine Zentralheizung in die Wohnung einzubauen, bei einer Mieterhöhung von 70 Euro im Monat, ließ sich der Mieter lange durch den Kopf gehen und sagte schließlich über seinen Anwalt zu.

Aber dann hörte er nichts mehr von seinem Vermieter. Die GWU ist nach Angaben von Geschäftsführer Nonn verwundert gewesen über einen „nicht praktikablen“ Änderungswunsch des Mieters, was den Standort des Heizkörpers im Wohnzimmer betrifft - und schickte ihm stattdessen die Kündigung.

Der Streit um die Heizung und den angeblichen Schimmel habe nichts mit der Kündigung zu tun, versichert Nonn. Es gehe ausschließlich um das Rasenmähen und weitere, vom Mieter nicht erledigte Hausarbeiten, zu denen die Mieter verpflichtet seien.

Der Mieter hatte zuvor vor dem Amtsgericht in Limburg Recht bekommen, dass er seine Miete wegen Schimmels in der Wohnung mindern darf. Demnach hatten der Mieter und sein Anwalt die Mietminderung mit Schimmelbefall begründet, die Gegenseite räumte eine mangelnde Beheizbarkeit der Wohnung ein - und weil es keine mündliche Verhandlung gab, hielt der Richter den Schimmel in der Wohnung für „unstreitig“.

Der Mieter darf, nach einem weiteren Gerichtsbeschluss, inzwischen einen Gutachter bestellen, der nun bald klären soll, ob die schwarzen Flecken an den Wänden im Schlafzimmer und im Wohnzimmer Schimmel sind oder nicht.

Außerdem steht ein weiteres Gerichtsverfahren ins Haus: Der Mieter hat über seinen Anwalt Klaus Schmidt-Strunk seiner Kündigung widersprochen, und die GWU will nach Angaben ihres Anwalts Dr. Klaus Wolf eine Räumungsklage anstrengen. Wolf rechnet in diesem Fall mit einer Entscheidung in sechs bis zwölf Monaten.

Gleichzeitig droht der GWU Ärger seitens der Stadt Limburg. Sie hat das Unternehmen auf Grund des Gerichtsurteils aufgefordert, den Schimmel in der Wohnung bis zum 9. August zu beseitigen. Außerdem möchte die Stadt eine Kopie des Gutachtens haben.

Nach Angaben von Anwalt Wolf ist die GWU allerdings nicht bereit, das Gutachten herauszugeben, weil es keine Angaben zu Schimmel enthalte, sondern nur den Hinweis auf die mangelnde Beheizbarkeit der Wohnung. Im Übrigen befinde sich die GWU in einem laufenden Rechtsstreit mit dem Mieter.

Stadt greift ein

Auf Anfrage der NNP teilte die Sprecherin der Stadt, Alexandra Hesse, mit, die Stadt wolle nun einen Bescheid erlassen; über den Inhalt machte sie keine Angaben.

Ein Bescheid dürfte aber bedeuten: Entweder die Stadt erlässt ein Zwangsgeld gegen die GWU, oder die Stadt tritt in Vorleistung und beseitigt erst einmal auf eigene Kosten den Schimmel - stellt das aber später der GWU in Rechnung. Doch dagegen kann die GWU noch Widerspruch einlegen.

Seit gestern gibt es ein neues Angebot der GWU: Die Kündigung der Mietwohnung bleibt zwar bestehen, allerdings ist die GWU weiterhin bereit, in die Wohnung eine Zentralheizung einbauen zu lassen, sofern der Mieter auf Änderungswünsche verzichtet. Schließlich kann sich der Rechtsstreit bis über den Herbst und Winter hinausziehen - und der Mieter soll dann wenigstens vernünftig heizen können.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse