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Vier junge Männer angeklagt: Streit vor Disco eskalierte: Opfer brutal mit Schlagstock traktiert

Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft vier jungen Männern vor, die ihre Opfer brutal malträtiert haben sollen. Vor dem Jugendschöffengericht begann gestern die zähe Beweisaufnahme.
Ein Teleskop-Schlagstock wie diese wurde bei einer brutalen Attacke vor einer Discothek eingesetzt. Symbolbild: dpa Ein Teleskop-Schlagstock wie diese wurde bei einer brutalen Attacke vor einer Discothek eingesetzt. Symbolbild: dpa
Diez. 

Alle wohnen noch zu Hause, haben eine Ausbildung aufgenommen, studieren oder arbeiten als Geselle. Fußball, Sport und Fitnessstudio geben sie als Hobbys an. Einzig strafrechtlich sind – mit einer Ausnahme – die Westen des Quartetts nicht blütenweiß: Sachbeschädigung, Bedrohung und Körperverletzung mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Diebstahl und Raub in einem besonders schweren Fall und Hehlerei wurden im Bundeszentralregister notiert.

Am 4. August 2012 sollen die Angeklagten der Jahrgänge 1992 bis 1994 „teilweise gemeinschaftlich“ zwei andere junge Männer vor einer Discothek in Mülheim-Kärlich körperlich misshandelt haben. Beide Opfer, in einem Fall soll ein Teleskop-Schlagstock zum Einsatz gekommen sein, trugen Schädelprellungen davon. Das Verfahren um eine Auseinandersetzung innerhalb des Musiktempels – dabei ging eine Brille zu Bruch – war bereits eingestellt worden.

 

„Russen und Türken“

 

Die Männer beschränkten sich gestern vor dem Jugendschöffengericht auf Angaben zur Person. Zur Sache auf dem Parkplatz der Disco äußerten sie sich nicht. Einer der Angeklagten, Jahrgang 1994 und wegen Sachbeschädigung belangt, beginnt nach einem Job bei einer Vermögensberatung demnächst eine Ausbildung als Schornsteinfeger. Nach Hauptschulabschluss und Berufsfachschule scheiterte der Versuch, am Abendgymnasium das Abitur zu machen. Angeklagter Nummer zwei (Jahrgang 1992 und nicht vorbestraft) studiert nach dem Fachabitur an der FH Wiesbaden Bauingenieurswesen. Eine Ausbildung im Straßenbau hat der dritte Angeklagte (Jahrgang 1993), gelernter Solartechniker, aufgenommen. Er ist wegen Bedrohung und Körperverletzung vorbestraft. Gerade seinen Gesellenbrief als Verfahrenstechniker hat der vierte Angeklagte (Jahrgang 1992) entgegengenommen. Er stand 2010 wegen Raubs und Diebstahls vor Gericht.

Was sich in der Augustnacht in Mülheim-Kärlich abspielte, nannte ein unbeteiligter Zeuge eine Prügelei zwischen „Russen“ und „Türken“, bei der die beiden um zwei weitere Personen verstärkten Opfer auf die vier Angeklagten (es handelt sich um in Deutschland geborene Söhne afghanischer Eltern) losgegangen sein sollen. Ein Opfer, ein 19 Jahre alter Anlagenmechaniker, konnte wenig zur Aufklärung des Sachverhalts beitragen. Er fühlte sich ohne Grund angepöbelt, ging davon aus, dass „die“, wie er sie in der Verhandlung nennt, vorab schon mit anderen Probleme hatten. Wiedererkennen kann er die neben ihm sitzenden Angeklagten nicht, auch nicht beschreiben – alles schon „sehr lange her“.

Bei der Feier seines 18. Geburtstags sei ordentlich gezecht worden und dann, als laut den Erzählungen draußen eigentlich nur die Gründe für die defekte Brille geklärt werden sollten, sei die Sache eskaliert. Die Security habe schnell eingegriffen, berichtete der Zeuge in seiner von Wissenslücken gekennzeichneten Aussage, die mit eigenen Angaben bei der Polizei und Beobachtungen anderer Zeugen nicht recht übereinstimmen wollte. Das Gericht hat für das Verfahren fünf Verhandlungstage angesetzt.

(hbw)
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