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Sportplatz-Neubau: „Suchen Sie sich einen anderen Ort!“

Von Professor Hans-Joachim Linke warnt vor einer Vergrößerung des Sportplatzes in Niederhadamar: „Ich würd’s nicht machen“, sorgte der Fachmann für Landmanagement am Mittwoch beim Infoabend der Freien Wähler für Sorgenfalten auf den Minen der Kommunalpolitiker.
Auf Einladung der Freien Wähler gab Prof. Dr. Hans-Joachim Linke (2. von links) seine fachliche Meinung zum Sportplatz-Neubau ab. Links: Rot-Weiß-Präsident Rainer Druck, von rechts: 1. Stadtrat Bernd Groh (SPD) und Moderator Jürgen Wittig (FWG). Foto: Christof Huels Auf Einladung der Freien Wähler gab Prof. Dr. Hans-Joachim Linke (2. von links) seine fachliche Meinung zum Sportplatz-Neubau ab. Links: Rot-Weiß-Präsident Rainer Druck, von rechts: 1. Stadtrat Bernd Groh (SPD) und Moderator Jürgen Wittig (FWG).
Hadamar. 

Binnen weniger Minuten schmolz aller Optimismus der Sportplatz-Befürworter und die Gegner oder Skeptiker kamen auf ihre Kosten: Der von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) eingeladene Fachmann für Landmanagement, Prof. Dr. Ingenieur Hans-Joachim Linke, warnte vor einer Reihe von Unwägbarkeiten. Seine „persönliche Meinung“: „Suchen Sie sich einen anderen Standort!“

Schlimmstenfalls wäre die anvisierte Bausumme von einer Million in den Sand gesetzt. Auch für das geplante Wohngebiet Hexenberg III sieht der Professor von der Technischen Universität Darmstadt Probleme. Moderator Jürgen Wittig animierte das zur Feststellung: „Da hängt ein Damoklesschwert über unserer Entscheidung.“

Neben ihm und dem Professor saßen auf dem Podium Rot-Weiß-Präsident Rainer Druck, der 1. Stadtrat Bernd Groh (SPD) und Bauamtsleiter Georg Kaiser. Über 30 Teilnehmer, darunter auch Mitglieder der anderen Ratsfraktionen, saßen ihnen gegenüber in der Mehrzweckhalle der Glasfachschule. Sie diskutierten so sachlich, wie es sich die FWG-Vorsitzende Mechthild Hering und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jürgen Wittig gewünscht hatten. Mancher Befürworter der Sportplatz-Erweiterung hätte sich allerdings auch positivere Nachrichten gewünscht. Die heftigsten Kritiker fehlten.

Plätze schon stillgelegt

Dabei hätte ihnen der Professor auch im Detail viel Nahrung geben können. Hans-Joachim Linke lieferte zunächst im Schnelldurchlauf einen Überblick über die komplizierten planungsrechtlichen Voraussetzungen, um einen Sportplatz zu errichten oder zu verändern: über die Aufstellung eines Bebauungsplanes bis zur Baugenehmigung einschließlich der Gutachten, Prognosen und Nachprüfungen.

Professor Linke berichtete, dass eine Stadt mehrere Sportplätze vergeblich gebaut habe, weil Anlieger sie der Reihe nach stilllegen ließen. In einem anderen Fall hatten Bauherren verbilligtes Bauland neben einem Sportplatz gekauft und dann gerichtlich den Sportbetrieb in die Knie gezwungen. Oft seien Wohngebiete im Laufe von Jahrzehnten immer weiter an Sportanlagen herangerückt.

Der Fachmann für Landmanagement verdeutlichte den juristischen Ansatz an der konkreten Situation in Niederhadamar. Der vorhergesagte Mehr-Verkehr sei in der Tat weniger das Problem, sehr wohl jedoch der Lärm zu bestimmten Zeiten. Zwar liegen alle geschätzten Werte eines großen Sportgeländes unter den Richtwerten. Linke: „Aber es ist knapp!“

Allen Prognosen zum Trotz: Es zähle der tatsächliche Lärm im Spielbetrieb. Und der könnte der erteilten Baugenehmigung später die Grundlage entziehen, so die vereinfachte Formulierung. Die einzige Möglichkeit sei, durch bauliche Maßnahmen den Puffer zu vergrößern, riet der Experte.

Ein neues Wohngebiet Hexenberg III rücke sogar noch einmal wesentlich näher an das heutige Sportgelände heran. Ob Lärmschutzwälle – abgesehen von den Kosten – so „schön“ seien, wagte der Professor zu bezweifeln. Er riet auch von der Ausweisung von Mischgebieten ab.

Selbst das vielzitierte „Gewohnheitsrecht“ gebe es nur im privatrechtlichen, aber nicht im öffentlich-rechtlichen Bereich.

Platz im Westen?

Hans-Joachim Linke rät also deutlich zur Suche nach einem ganz anderen Standort, was bisher an der fehlenden Verkaufsbereitschaft anderer Grundstücksinhaber scheiterte. Linke wurde deutlich: „Eine Enteignung ist nicht rechtswidrig!“ Hätte der Staat auf Einvernehmen mit allen Bürgern Rücksicht nehmen müssen, gäbe es heute weder Autobahnen noch Eisenbahnen als Grundlage des Wohlstandes.

Die Frage, ob das ganze Sportgelände am jetzigen Standort weiter nach Westen gedrückt werden könnte, beantwortete Bauamtsleiter Georg Kaiser mit „Jein“. Grundstücke gehörten dem Land.

Rot-Weiß-Präsident Rainer Druck (und andere Sportler) widersprachen dem Eindruck, es gehe bei dem Projekt nur darum, der ersten Mannschaft ein passendes Areal zu schaffen. Vielmehr sollten auch Trainings- und Spielmöglichkeiten für über 300 Jugendliche geschaffen werden.

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