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Verlagswesen: Sylvia Rieß ist Expertin für Fantasy, Marketing und Vertrieb

Sie ist viel mehr als nur Autorin: Sylvia Rieß ist studierte Tierärztin und lebt anderen Schriftstellern vor, wie das eigene Projekt zum fertigen Buch werden kann. Ihre Trilogie „Der Stern von Erui“ wird jetzt ins Englische übersetzt.
Eine Herzensangelegenheit: „Der Stern von Erui“ ist das Hauptwerk von Sylvia Rieß. Foto: Bohnet, Katja Eine Herzensangelegenheit: „Der Stern von Erui“ ist das Hauptwerk von Sylvia Rieß.
Hadamar. 

Gemusterte Tapete, ein kleiner Schreibtisch, ordentlich aufgeräumt. An den Wänden Bleistiftskizzen von Figuren, ein Cover-Entwurf, eine Vitrine, in der ihre Bücher stehen. Das Schreibzimmer musste als erstes fertig werden. Erst seit ein paar Monaten wohnt Sylvia Rieß in Hadamar. Aber dieses Schreibzimmer ist die Operationszentrale, ein Raum, in dem die Schriftstellerin nicht nur ihre Manuskripte verfasst. Sie entwirft hier Cover-Ideen, bespielt die Sozialen Medien, recherchiert, verkauft und plant neue Strategien. Silvia Rieß ist ihr eigener Verlag. Sie leitet Marketing und Vertrieb. Als Selfpublisherin vermarktet sie sich und ihre Bücher selbst.

Das erste Buch

Nur in ihrer Freizeit arbeitet die ausgebildete Tierärztin als Schriftstellerin. Sylvia Rieß hat schon mehrere fantastische Romane verfasst. Geboren in Wetzlar machte sie Station in Gießen, München und Darmstadt, bevor sie sich wieder im Landkreis Limburg Weilburg niederließ. Ihr erstes Manuskript schrieb sie mit zwölf Jahren. Sie fand schnell einen Verlag. Ihre Eltern mussten damals noch den Vertrag unterschreiben, weil sie noch nicht geschäftsfähig war.

Das Buch erschien, aber Sylvia Rieß war unzufrieden. Der Verlag wollte ihr Buch nicht bewerben. Auch bei den Verkäufen gab es keine Transparenz. Das sollte ihr nicht noch einmal passieren.

Das Herzensprojekt der vielseitigen Autorin heißt „Stern von Erui“. Vierzehn Jahre schrieb sie an der Trilogie. Schon während sie Band für Band fertigstellte, bot sie den Stoff Verlagen an. Die Absagen teilt Sylvia Rieß in zwei Kategorien ein: „Die kleinen Verlage lehnten nett ab, die großen unfreundlich per Formschreiben.“ Für die kleinen Verlage war das Risiko, eine dreibändige Geschichte einzukaufen, zu groß. Für die großen Verlage schien sie als Schriftstellerin nicht bekannt genug. Außerdem wollte sie sich nicht darauf festlegen lassen, dass es in ihrem Manuskript eine Liebesgeschichte gibt.

Sylvia Rieß ließ sich nicht entmutigen und wurde Mitglied eines Schriftstellerforums, in dem sich die Teilnehmer über das Schreiben austauschen und beraten. Mittlerweile hat sie sich dort in einer kleinen Gruppe organisiert. Jede Autorin bringt sich mit ihren Talenten zum Wohl aller ein.

Den Anfang als Selfpublisherin beschreibt Sylvia Rieß als schwer: „Ich habe 150 Bloggerinnen angeschrieben, um Rezensenten für meine Trilogie zu finden.“ Gemeldet hat sich damals eine einzige Bloggerin. Sie machte ihr Mut, all das zu tun, was sie eigentlich nicht wollte: Interviews zu geben, an die Öffentlichkeit zu gehen, ihre Romane zu vermarkten.

Heute ist Sylvia Rieß froh, dass sie sich auf das Abenteuer Selfpublishing eingelassen hat. Vom Cover bis zum Druck eines fertigen Buches liegt alles in ihrer Hand. Sie musste sich in jeden Herstellungsprozess einarbeiten. Das fertige Manuskript sollte lektoriert werden. Sylvia Rieß weiß, dass Qualität sich auszahlt, auch wenn nicht jeder Selfpublisher so denkt. Sie bezahlte für ein Lektorat. Aber auch ihr ehemaliger Deutschlehrer korrigierte nochmals alle Bände. Die Romane setzt sie mittlerweile selbst: Sie bestimmt das Layout, Schrifttypen und baut auch mal ein Daumenkino mit ein. Das Wichtigste sei jedoch das Cover. Es bestimme über den ersten Eindruck. Darüber, ob jemand zugreift oder nicht. Für Sylvia Rieß begann eine Odyssee. Wen sollte sie fragen oder beauftragen? Sie hatte einige gute handgemalte Skizzen. Diese galten aber als schlecht verkäuflich. Mittlerweile arbeitet sie mit professionellen Cover-Gestaltern zusammen. Sie investiert zwischen 150 und 500 Euro für ein gutes Bild.

Bloggen

Schon ein halbes Jahr vor Erscheinungstermin eines Buches füttert sie Instagram, Facebook und Twitter. Sie weiß, was man als Schriftstellerin tun muss, um Reichweite zu erzielen. Mit dem Schreiben des Manuskriptes ist es nicht getan. Sie bestückt ihre Homepage und wirbt bei Bloggern und ihrer Fangemeinde mit besonderen Aktionen. „Die Leute wollen spielen, und jede Bloggerin will etwas Besonderes sein.“ Dass diese Art, sich selbst und sein Buch zu vermarkten, auch aufreibend sein kann, hat sie selbst gemerkt. Jetzt teilt sie sich ihre Zeit gut ein.

Ihre Bücher verkauft Sylvia Rieß natürlich auch selbst. Mittlerweile hat sie aber auch einen Vertriebspartner, so dass ihre Leser die Romane auf allen großen Online-Portalen bestellen können. Bei Kindle Direct Publishing erhält sie immerhin 70 Prozent des Nettoverkaufspreises – vorausgesetzt, der Verkaufspreis eines E-Books liegt zwischen 2,99 und 9,99 Euro.

Schreiburlaub

Von dem, was sie durch das Schreiben verdient, kann Sylvia Rieß nicht leben. Will sie aber auch nicht, weil sie ihren Vollzeit-Job als Tierärztin liebt. Wenn sie frei hat, nimmt sie gerne Schreiburlaub, damit sie sich voll auf ein Manuskript konzentrieren kann.

Ob sie nicht vielleicht doch zu einem großen Verlag gehen würde, wenn sie ein Angebot bekäme? Sylvia Rieß antwortet zögerlich. Nur, wenn sie Mitentscheidungsrecht bei allen Prozessen hätte. Oder bei einem Werk, an dem ihr nicht viel läge, das Abgeben dieser Rechte täte nicht so weh, sagt sie. Oder wenn der Verlag sich für eine Übersetzung ihres Werkes interessierte. Aber auch die hat sie kurzerhand lieber selbst in die Wege geleitet. „Der Stern von Erui“ soll auf Englisch übersetzt werden. Der Markt sei fließend. Sylvia Rieß reagiert darauf. Den Kontakt nach Übersee traut die Autorin sich zu. Kein Wunder bei alledem, was sie schon selbst bewältigt hat.

Trotzdem sagt sie von sich, dass sie noch kein Profi sei. Sie rät all denen zur eigenen Veröffentlichung, die „einfach mal ein Projekt in die Hand nehmen und rausbringen wollen.“ Können große Verlage noch etwas von den Selfpublishern lernen? „Auf jeden Fall“, sagt Sylvia Rieß: „Das Marketing.“

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