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Flüchtlinge in Elz: Syrischer Ingenieur deckt Fachkräftelücke

Viele Unternehmer reden von der Integration von Flüchtlingen, manche tun auch etwas dafür. „Wenn wir Integration wirklich wollen, müssen wir unsere Komfortzone verlassen und die zu uns flüchtenden Menschen marktgerecht nachqualifizieren“, sagt Christoph Hesselmann von der Elzer Firma "Hesselmann & Köhler Prozessautomation".
Louay Alsearan, Christoph Hesselmann, Andrea Bertram und Elke Thönges (von links). Foto: Jobcenter Limburg-Weilburg Louay Alsearan, Christoph Hesselmann, Andrea Bertram und Elke Thönges (von links).
Elz. 

Der Geschäftsführer hat Nägel mit Köpfen gemacht und Anfang April Louay Alsearan als Programmierer für SPS-Steuerungen eingestellt. „Das war eine bewusste Überlegung aus unternehmerischer Sicht“, fügt Hesselmann hinzu. Es sei sehr schwierig geworden, in der Region qualifizierte technische Fachkräfte zu finden, weil das Rhein-Main-Gebiet einen immensen Sog auf den heimischen Arbeitsmarkt ausübe. So suche der Betrieb schon seit längerer Zeit nach guten Technikern und Ingenieuren.

Der 38-jährige Syrer habe in seinem Herkunftsland ein Studium der Nachrichtentechnik absolviert. Dies sei zwar ein anderer Zweig der Elektrotechnik – dennoch sei er naturwissenschaftlich vorgebildet und hochgradig motiviert, sich neues Wissen und die erforderliche Sprachkompetenz anzueignen. „Ich habe mich sehr schnell entschlossen Louay einzustellen und weiterzubilden“, sagt sein neuer Chef, der den Neuankömmling zuvor in einem Praktikum ausgiebig testete.

Natürlich bedeute es einen hohen Aufwand, so Hesselmann, den Mitarbeiter nachzuqualifizieren. Aber es lohne sich in mehrfacher Hinsicht. „In ein bis zwei Jahren schaffen wir einen Mehrwert für unser Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt“, so der Diplom-Ingenieur. Unterstützt wird er dabei vom Jobcenter, das einen Teil der Qualifizierungskosten übernimmt. Die Zusammenarbeit mit der Behörde schildert der Arbeitgeber als ausgesprochen kooperativ. Dies bestätigt auch Elke Thönges, die Louay und ein knappes Dutzend weiterer Flüchtlinge in Limburg betreut. Dabei helfe das Jobcenter nicht nur in beruflicher Hinsicht – auch bei der Beschaffung von Wohnraum und anderen Erfordernissen treffe sie stets auf hilfsbereite Leute.

Elke Thönges war es auch, die den Kontakt zwischen dem Syrer und der Elzer Firma anbahnte. Sie kennt Louay seit seiner Ankunft in Limburg im Mai vergangenen Jahres. Zuvor war der alleinstehende Mann über die Türkei, Griechenland, den Balkan und Österreich nach Deutschland geflüchtet. Sie räumt mit einem Vorurteil auf: „Nein, man muss den Flüchtlingen nicht viel erklären. Sie wissen, wie das Leben hier funktioniert. Den wichtigsten Beistand leisten wir im Papierkrieg mit der Bürokratie.“

Schnell integriert

Dass Louay so schnell beruflich eingegliedert werden konnte, macht seine Arbeitsvermittlerin Andrea Bertram vor allem an seiner offenen Art fest. Obwohl er bei seiner Ankunft kein Wort Deutsch sprach, habe er alle Angebote wahrgenommen, Kontakte mit Deutschen geknüpft und sich in zwei Vereinen engagiert. Dies habe die berufliche Integration enorm erleichtert.

„Es ist eine große Chance für mich“, sagt Louay Alsearan bereits in gutem Deutsch. Seit seiner Ankunft habe er sehr viel Freundlichkeit und Zuwendung erfahren, die er gerne zurückgeben möchte. Für sein neues Leben sei er dankbar.

Nicht zuletzt wegen der positiven Erfahrung mit seinem neuen Mitarbeiter hat Christoph Hesselmann bereits ein neues Personalprojekt in Angriff genommen. Ab Sommer bildet er einen weiteren jungen Syrer zum Industriemechaniker aus. Dann werden zwei seiner 16 Mitarbeiter arabischer Herkunft sein. „Eine bemerkenswerte Quote, die durchaus Schule machen könnte“, sagt Andrea Bertram.

(nnp)
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