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Jugendforum: Thema Flüchtlinge: Jungpolitiker liegen weit auseinander

Beim dritten Jugendforum (JuFo) Politik des Diezer Sophie-Hedwig-Gymnasiums diskutierten Jungpolitiker über die Flüchtlingspolitik und die Frage, ob dies zu schaffen sei.
Felizitas Boie (rechts) von der Grünen Jugend fordert ein gut strukturiertes Einwanderungsgesetz, welches Julius Kessler von den Jusos unterstützt. Foto: Heike Lachnit Felizitas Boie (rechts) von der Grünen Jugend fordert ein gut strukturiertes Einwanderungsgesetz, welches Julius Kessler von den Jusos unterstützt.
Diez. 

Junge Menschen interessieren sich für aktuelle Themen aus der Politik. Rund 100 Besucher kamen zum dritten Jugendforum Politik in die Aula des SHG Diez zusammen. Jungpolitiker aus vier Parteien stellten sich der Diskussion und zeigten unterschiedliche Sichtweisen zu der Thematik Flüchtlinge auf. Für die Grüne sprachen Felizitas Boie und Phillip Krassnig, für die Jusos Julius Kessler und Khales Rasul, für die Junge Union Anna Hendlinger und Flavia Schardt und für die Junge Alternative Andreas Beck sowie Robin Classen. Vertreter der Jungen Liberalen und der Linksjugend nahmen an diesem Schlagabtausch nicht teil.

Die Moderation übernahm Philipp Zenzen, der souverän durch die einzelnen Themen führte und die Teilnehmer bei Ausschweifungen immer wieder einfing. Damit reagierten die Organisatoren auf die ersten zwei Veranstaltungen, bei denen die Diskussionen immer sehr langatmig ausfielen. Das Thema Flüchtlinge bot sich geradezu für dieses JuFo an, da es sehr präsent ist und niemand diesem entgehen kann.

Es existierte wenig Konsens zwischen den einzelnen Jungpolitikern. Die Grüne Jugend und die Jusos sehen in den Flüchtlingen eine Chance für die Demografie und den Arbeitsmarkt. Sie stimmen beide überein, dass Deutschland diese Chance wahrnehmen soll, sich aber auch bewusst sein sollte, dass dies die Gesellschaft verändern wird.

Nicht nur Chance

Die JU hingegen glaubt nicht daran, dass es genügt, dieses Thema alleine als Chance zu sehen. Nicht jeder sei eine Bereicherung für Deutschland und es müsse kontrolliert werden, wer nach Deutschland kommt. Die Junge Alternative sieht absolut keine Chance in den Flüchtlingen. Vor allem würden die Probleme nicht gelöst werden, wenn über Chancen nachgedacht wird. Sie vertreten auch als einzige die Meinung, dass die Situation nicht mehr zu schaffen sei. Die anderen Teilnehmer glauben jedoch, dass Deutschland in der Lage sei, die Situation zu meistern und auch in Zukunft meistern zu können.

Diese unterschiedlichen Meinungen zogen sich durch die gesamte Diskussion. Die Redner der Jungen Alternativen wünschen sich eine scharfe Sicherung der europäischen Außengrenzen und schicken gerne Geld nach Libanon und Jordanien, die dann die Flüchtlinge aufnehmen sollen. Sie sprachen sich gegen lockende Signale an die Flüchtlinge aus, die erst einen „Asyltourismus“ ausgelöst hätten. Die Grüne Jugend sprach sich massiv gegen den Begriff Asyltourismus aus. „Menschen fliehen nicht aus Spaß“, so Philipp Krassnig. Aber Deutschland und auch die EU müsse Verantwortung übernehmen. Ihre Politik in Afghanistan und Irak habe erst zu diesen Problemen geführt, vor denen die Menschen heute fliehen. Daher forderte die Grüne Jugend, nicht durch Kriege die Probleme zu lösen sondern durch Diplomatie. Die Jusos sehen eine Lösung in Entwicklungshilfe, um Strukturen in den Ländern aufzubauen, aus denen die Menschen fliehen. „Uns wurde mit dem Marshall-Plan diese Hilfe nach dem zweiten Weltkrieg gewährt“, so Jusos-Mitglied Julius Kessler, „jetzt sollten wir diese Hilfe auch anderen gewähren.“ Für Deutschland fordern die Jusos ein kontrolliertes Einwanderungsgesetz.

Die JU fand einige Übereinstimmungen zur Meinung der Jungen Alternativen. So möchten sie auch lieber den Menschen in ihren Ländern vor Ort helfen, als dass sie nach Deutschland fliehen. Auch die Stärkung der europäischen Grenzen unterstützen sie.

Umfrage und Auswertung

Die Organisatoren bezogen erstmals die Besucher mit ein. In der Pause starteten sie eine Umfrage und am Ende der Diskussion präsentierten sie die Auswertung. Erstaunlicherweise spiegelte die Meinung der Besucher recht gut die Meinung in Deutschland wieder. So fragten die Organisatoren, ob Deutschland in Zukunft in der Lage ist, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, gleich viele oder weniger. 32 Prozent glauben, dass sie mehr aufnehmen können (23 Prozent in Deutschland), 32 Prozent sind für weniger Aufnahmen (38 Prozent in Deutschland) und 36 Prozent für weniger Aufnahmen (34 Prozent in Deutschland). Sie fragten auch, ob den Besuchern die Zuwanderer Angst machen. 73 (59 deutschlandweit) Prozent haben keine Angst vor den Zuwanderern und 27 (38) Prozent haben Angst. Der Großteil der Zuschauer sieht langfristig eine Chance in den Flüchtlingen, wenn diese gut integriert werden können.

Es werden weitere JuFos in der Zukunft stattfinden, wobei zu wünschen wäre, dass beim nächsten Mal wieder alle Jungparteien vertreten sind, um alle Facetten der politischen Landschaft vertreten zu haben.

(lh)
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