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Geplanter Betrieb: Tierschützer sind gegen Schweinemast zwischen Diez und Birlenbach

Entsteht zwischen Diez und Birlenbach demnächst ein Schweinemastbetrieb? Der Bauantrag ist gestellt, morgen befasst sich der Bauausschuss der Stadt mit dem Thema.
Flagge zeigen: Michael Albrecht, Mitglied im Sprecherrat BUND Rhein-Lahn, demonstriert gegen den geplanten Schweinemastbetrieb. Flagge zeigen: Michael Albrecht, Mitglied im Sprecherrat BUND Rhein-Lahn, demonstriert gegen den geplanten Schweinemastbetrieb.
Diez/Birlenbach. 

Hinter dem Bauvorhaben mit der simplen Registernummer 16/18 steckt jede Menge Zündstoff. Am Fuchsenhöhler Weg zwischen Diez und Birlenbach, unweit der Diezer Reithalle und etwa 500 Meter entfernt vom Ortsrand von Birlenbach, könnte demnächst ein großer Schweinemastbetrieb entstehen. Von knapp 1000 Tieren spricht der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, kurz BUND. Eine Zahl, die auch Dieter Hörle (FWG) im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigt. „Dort soll ein Stall nach modernsten Richtlinien entstehen. Die Schlachtung und Vermarktung der Tiere erfolgt regional“, erklärt der Birlenbacher Ortsbürgermeister. Weiter möchte er sich zu dem Projekt zum jetzigen Zeitpunkt aber erst einmal nicht äußern.

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KOMMENTAR Welches Schweinderl hätten's denn gern?

„Welches Schweinderl hätten S’ denn gern?“, fragte Robert Lembke einst beim heiteren Beruferaten. Das könnte er heute auch beim Einkaufen fragen.

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Bedeckt hält sich auch der Bauherr. „Wir möchten dazu nichts sagen“, heißt es vom Hof Kuhmann an der Birlenbacher Hauptstraße. Dort werden seit einigen Jahren Muttersauen und Mastschweine gehalten. Nach Informationen des BUND ist geplant, dass die Mastschweine in den Neubau am Fuchsenhöhler Weg umziehen sollen. „Neben dem Stall wird ein großer Güllebehälter – ausreichend für eine Lagerkapazität von 9 Monaten – stehen“, heißt es auf der Internetseite schweinemast-diez.jimdo.com, die von Gegnern des Bauprojekts betrieben wird. Außerdem sei auf dem Flurstück 11, Flur 52, die Errichtung eines Wohnhauses geplant.

Kritik an Tierhaltung

„Die Gemarkung wird dadurch dauerhaft zersiedelt“, sagt Michael Albrecht, Mitglied im Sprecherrat BUND Rhein-Lahn. Der Bereich werde als Naherholungsgebiet von vielen Spaziergängern, Joggern und Reitern genutzt. Ein großer Mastbetrieb brächte deutlich mehr Verkehr auf dem bislang sehr schmalen Weg mit sich. Nach den Informationen der Naturschützer soll ein Viertel des Futters nicht selbst angebaut, sondern angeliefert werden. Zusätzlichen Verkehr brächten die Viehtransporte mit sich. „Schon heute ist die Begegnung zwischen Menschen und den riesigen landwirtschaftlichen Maschinen eine brenzlige Situation“, so Albrecht.

Petition im Internet

Für die Gegner des Projekts ist die Haltung der Tiere ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt. „Für die gut 100 Kilo schweren Tiere gibt es jeweils einen Quadratmeter Platz, die Schweine haben keinen Auslauf. Ihnen werden die Schwänze gekürzt und die Zähne abgeschliffen, damit sie sich nicht verletzen“, erklärt Albrecht. „Massentierhaltung und die damit verbundenen Monokulturen auf unseren Feldern führen in eine Sackgasse“, ist sich der Naturschützer sicher.

„Wir können nicht von der Natur leben und sie gleichzeitig zerstören.“ Große Mengen Gülle könnten, so Albrecht, ins Grundwasser gelangen. Außerdem befürchten die Umweltschützer, dass der Schweinemist den Anwohnern „stinken“ könnte. Weht der Wind von Westen, was er in Mitteleuropa am häufigsten tut, treibt er den Geruch von Birlenbach weg, bei Ostwind landen die Ausdünstungen dagegen im Ort.

Keine Stellungnahme

Für das Flurstück 11, Flur 52, oberhalb von Birlenbach liegt ein Bauantrag für einen Schweinemastbetrieb vor. Außerdem könnte dort auch ein Wohnhaus entstehen. So idyllisch, wie sich die Spielwarenindustrie das Landleben vorstellt, wird das Projekt jedoch nicht aussehen. Tierschützer kritisieren unter anderem, dass die Tiere keinen Auslauf nach draußen haben. Bild-Zoom
Für das Flurstück 11, Flur 52, oberhalb von Birlenbach liegt ein Bauantrag für einen Schweinemastbetrieb vor. Außerdem könnte dort auch ein Wohnhaus entstehen. So idyllisch, wie sich die Spielwarenindustrie das Landleben vorstellt, wird das Projekt jedoch nicht aussehen. Tierschützer kritisieren unter anderem, dass die Tiere keinen Auslauf nach draußen haben.

Von Stadtbürgermeister Frank Dobra (CDU) und dem Diezer Stadtrat fordern die Gegner des Bauvorhabens, „sich nicht nur für einzelne wirtschaftliche Interessen einzusetzen, sondern auch für die Umwelt und das Wohl der übrigen Mitbürger in Diez und Birlenbach“. Frank Dobra war bis zum Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Für Thorsten Motz, Leiter des Fachbereichs „Planen, Bauen, Wirtschaftsförderung“ bei der Verbandsgemeinde, handelt es sich bei dem Bauantrag erst einmal „um ein Genehmigungsverfahren wie jedes andere auch“. Allerdings wisse man um die Brisanz des Themas: „Wir sind deshalb daran interessiert, den Prozess so transparent wie möglich zu gestalten“, so Motz.

Noch liegen zum Projekt nicht alle Stellungnahmen der Fachbehörden (u.a. für Brand- und Naturschutz, Wasserwirtschaft vor. Allerdings muss zwei Monate nach dem Eingang eines Bauantrags bei der Verwaltung, in diesem Fall bis zum 19. April, eine Entscheidung fallen. Passiert das nicht, gilt das Einvernehmen der Gemeinde automatisch als erteilt, das Bauvorhaben wäre also zulässig. Eine Regelung im Baugesetzbuch, die vermeiden soll, dass Verfahren in die Länge gezogen werden. Deshalb lautet der Beschlussvorschlag für die morgige Bauausschuss-Sitzung (16.30 Uhr), das Einvernehmen zu versagen. „Das ist vorsorglich und dient nur der Fristwahrung, bis die nötigen Stellungnahmen vorliegen. Damit ist aber keine Bewertung des Bauantrags verbunden“, betont Thorsten Motz.

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