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Große Trauer: Tod eines Blindenhundes: Wurde Lucca vergiftet?

Von Zwei tote Katzen in der Nachbarschaft, ein kranker Hund, und dann starb plötzlich Lucca. Arzt und Tierklinik konnten nichts mehr tun für die Führhündin der blinden Bad Cambergerin Alexa Schmitt. Zuerst hatte sich das Tier übergeben, dann wurde es immer schwächer. Alexa Schmitt vermutet, dass Lucca vergiftet wurde.
Hier war die Welt noch in Ordnung: Alexa Schmitt mit ihrer Hündin Lucca in Bad Camberg. Foto: Petra Hackert Hier war die Welt noch in Ordnung: Alexa Schmitt mit ihrer Hündin Lucca in Bad Camberg.
Bad Camberg. 

Beim Treffen mit Alexa Schmidt war die Welt noch in Ordnung: Bei einem kleinen Rundgang durch Bad Camberg ging es darum, zu zeigen, welche Barrieren es gibt und welche Möglichkeiten Menschen mit Behinderung haben, sie zu überwinden. Die 48-Jährige ist blind, hatte aber viel Spielraum – auch dank Hündin Lucca, die ihr nicht von der Seite wich. Pfeiler auf dem Fußgängerweg? Kein Problem. Lucca läuft so, dass Frauchen gut daran vorbeikommt, sich nicht stößt oder verletzt. Ein Bekannter kommt hinzu, ebenfalls blind. Alexa erkennt ihn am Gang – und weil er in der Nähe wohnt. Er reagiert sofort auf Lucca. Während des kurzen Gesprächs wird die Hündin gekrault. Eine freudige Begrüßung, ein liebes, ruhiges Tier.

Jetzt ist Lucca tot. Alexa Schmitt kann es immer noch nicht fassen. Ihr Vater Josef Schultenkämper ist empört. „Mit Trauer und Wut haben wir gehört, dass Lucca gestorben ist.“ Das war am 25. April. Jetzt hat die Familie entschieden, den Vorfall öffentlich zu machen, denn sie vermutet eine Vergiftung.

Morgens noch munter

„Zwei Katzen in der Nachbarschaft sind jetzt gestorben, ein anderer Hund ist krank“, berichtet Alexa Schmitt, die am Bad Camberger Marktplatz wohnt. Ihre Hündin war an dem Sonntagmorgen, als das Ganze begann, noch recht munter. Die beiden waren spazieren, alles schien in Ordnung. Am Nachmittag ging es Lucca schlecht. „Sie musste sich übergeben“, berichtet Alexa Schmitt. Das kann vorkommen, aber in diesem Fall baute die sechsjährige Labrador-Hündin zunehmend ab. Die Familie schaltete den Tierarzt ein. Transfusionen und Behandlungen in zwei Tierkliniken halfen nicht: Lucca überlebte nicht. „Als die Klinik um 20 vor vier am Morgen anrief, da wusste ich, das ist nichts Gutes.“ Die Hündin starb. Alexa Schmitt ist immer noch traurig – und nun ohne ihre treue Helferin auch stark eingeschränkt.

Normalerweise ist die Bad Cambergerin öfters mit ihrem Mann im Kurpark unterwegs. Er ist ebenfalls blind und Rollstuhlfahrer, daher sehr auf seine Frau angewiesen. Sie wiederum auf die Hündin. Wie macht sie es jetzt? „Mein Sohn kommt und hilft mir beim Einkaufen, auch Nachbarn unterstützen uns“, erzählt Alexa Schmitt. Hilfe in der Not ist also da. Aber um wieder draußen, selbstbestimmter, unterwegs sein zu können, bräuchte Alexa Schmitt ihren Hund. Kleinere Wege macht sie auch mal nur mit dem Blindenstock. Mit Lucca fühlte sie sich aber viel sicherer. Und natürlich hatte sie das Tier auch sehr liebgewonnen.

Treuer Freund

„Auch zu Hause war sie immer bei mir“, erzählt Alexa Schmitt. Die Hündin passte auf sie auf. Jetzt ist die 48-Jährige froh, dass Rocky noch da ist, ihr ehemaliger Führhund. Er ist 13 Jahre alt und bekommt bei Alexa Schmitt das Gnadenbrot. Ein paar Schritte draußen seien für ihn in Ordnung, mehr aber nicht. Seine Zeit als Führhund ist vorbei. „Aber ich bin froh, dass er da ist.“ Und sei es zum Streicheln, denn ein Hund, der lange Jahre so sehr geholfen hat, ist ein besonders treuer Freund. So betrachtet sie es.

„Ich weiß nicht, wer so etwas macht. Ich habe mich immer bemüht, alles wegzumachen, wenn Lucca gelöst hat.“ Das „große Geschäft“ landete im Beutel – das haben auch andere so beobachtet. Wem sind Hunde ein Dorn im Auge? Eine Nachfrage beim Bad Camberger Ordnungsamt ergab: Der Fall ist bekannt, weitere sind bisher nicht gemeldet. Die Polizei ermittelt.

Für Alexa Schmitt bedeutet Luccas Tod: Sie braucht einen neuen Führhund. „Der wird aber nicht vor etwa einem Dreivierteljahr zur Verfügung stehen“, sagt ihr Vater. „Die Nachfrage bei der Führhundeschule ist leider sehr hoch.“ Dann beginnt natürlich auch wieder das Training: Die Zusammenarbeit mit dem neuen Frauchen, die Gewöhnung an die Umgebung. Das alles konnte Lucca schon.

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