Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 15°C
5 Kommentare

Terrorismus: Über einen Einzelgänger aus Limburg, der zur Terrormiliz IS ging

Von Der Vater gilt als vermögend, lebt seit 1989 in Deutschland und wohnt mit vier seiner fünf Kinder in Limburg. Sein Sohn schloss sich der Terrormiliz IS an und stellte sich in Syrien angeblich freiwillig kurdischen Rebellen. Eine Spurensuche.
Über den Fall von Yunus S. aus Limburg hat jetzt auch das Fernsehmagazin Spiegel TV berichtet. Foto: Screenshot Spiegel TV Über den Fall von Yunus S. aus Limburg hat jetzt auch das Fernsehmagazin Spiegel TV berichtet.
Limburg. 

Eigentlich hätte es ganz anders kommen können mit Yunus S. Er könnte inzwischen verheiratet sein, Kinder haben, weiter in der Firma seines Vaters arbeiten, der als vermögend gilt.

Aber es kam nicht anders.

Der 25 Jahre alte Yunus S. aus Limburg ging Anfang des Jahres nach Syrien, um den IS zu unterstützen; nun wartet er in einem kurdischen Gefängnis darauf, nach Deutschland zurückzukehren, um seine Familie wiederzusehen. Zu Hause erwartet ihn ein Gerichtsverfahren; die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt bereits. Weil Yunus S. Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen sein soll.

Vor einem Jahr verlobte sich der kurdisch-stämmige Deutsch-Türke mit einer Kurdin in der Türkei. Sein Onkel erzählt das, der in Limburg arbeitet. Auch der Vorsitzende des marokkanischen Kulturvereins, Driss Laroussi, erinnert sich daran, wie Yunus S. ihm eines Tages erzählte, er habe sich in der Türkei verlobt. „Ich habe gesagt, dass es demnächst eine Hochzeit zu feiern gibt. Das war das Letzte, was ich zu ihm gesagt habe“, sagt Laroussi. Yunus S. verschwand und ging zum IS.

Immer wieder sei der junge Mann in der Moschee am Glashüttenweg gewesen, um dort zu beten. „Er kam nicht jeden Tag, manchmal zwei Tage hintereinander und dann vier, fünf Wochen gar nicht.“ Laroussi beschreibt ihn als Einzelgänger. „Er hat sich öfters mit einem türkischen Freund getroffen, der in der Nähe der Moschee eine Gartenhütte hat. Ich vermute, sie habe dort Shisha geraucht.“

Was Yunus S. im Schilde führte, habe er nicht geahnt. Eines Tages sei der junge Mann plötzlich verschwunden – das war Ende Januar diesen Jahres.

Einige Monate später habe ihm jemand ein Video auf Youtube gezeigt. Darin wird Yunus S. in türkischer Sprache interviewt; zu diesem Zeitpunkt hatte er sich angeblich freiwillig kurdischen Rebellen gestellt.

Für die dunkle Seite

Laroussi ließ sich das Interview von einem türkischen Vorstandsmitglied übersetzen, ging nach eigenen Angaben sofort zur Polizei und berichtete, mit wem Yunus seiner Kenntnis nach Kontakt hatte. Von einem Afghanen ist die Rede; ein junger Mann, der in Darmstadt studieren soll. Welche Rolle dieser Mann spielt, ist noch unklar.

„Ich war stinksauer“, sagt Laroussi. „Wir wollen mit solchen Leuten nichts zu tun haben.“ Deshalb habe er kurz darauf, nach dem Freitagsgebet, eine Ansprache in der Moschee gehalten. Tenor: Wer mit dem IS sympathisiert, soll verschwinden. Und zwar sofort.

Seinem Vater erzählte Yunus, er wolle zwei Wochen Urlaub in Istanbul machen. Er tauchte unter. Der Vater machte sich verzweifelt auf die Suche nach seinem Sohn, erzählt der Onkel. Ein Anwalt in der Türkei fand heraus, dass Yunus nach Syrien gegangen war.

Da dachte die Familie noch, er wolle für die Kurden gegen den IS kämpfen. Aber der Onkel ahnte schon, dass sein frommer, stiller Neffe sich für die dunkle Seite entschieden hatte.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse