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Flüchtlinge wandern durch den Landkreis: Ungewöhnliche BeGEHgnung

Ein Zeichen für Verständigung setzen, das machen seit gestern einige der im Landkreis untergebrachten Flüchtlinge mit der Aktion „BeGEHgnung“. Bis nächste Woche wandern sie durch den Landkreis und hoffen auf zahlreiche neue Freundschaften.
Auf nach Mannebach - mit dem Gepäckwagen im Schlepptau verlässt die Gruppe Offheim. Bilder > Foto: Johannes König Auf nach Mannebach - mit dem Gepäckwagen im Schlepptau verlässt die Gruppe Offheim.
Limburg-Weilburg. 

Den Menschen im Landkreis Limburg-Weilburg die Angst vor dem Fremden nehmen – das wollen unter anderem Hamdia und Reweng Hammi sowie Louai Searan aus Syrien und Bonsa Aman Abday aus Äthiopien. Unter dem Motto „BeGEHgnung“ wandern sie bis Donnerstag, 9. Juli, in einer Gruppe von bis zu zehn Teilnehmern durch den Landkreis.

Los ging es gestern beim Gemeindezentrum Nord in der Brückenvorstadt. Der Weg wird die Wanderer vom Tagesziel Hadamar unter anderem nach Waldbrunn, Mengerskirchen, Weilmünster, Bad Camberg, Brechen, Hünfelden und zurück nach Limburg führen.

Mit dabei ist die Caritas-Sozialarbeiterin Gitte Büger. Im Gemeindezentrum kümmert sie sich um die Erwachsenenarbeit. Denn dort trifft sich zum Beispiel regelmäßig eine Frauengruppe, ein Seniorenkreis aus der Nachbarschaft und auch ein Deutschkurs findet in den Räumlichkeiten statt.

Irritiert und verärgert über die Pegida-Proteste zu Jahresanfang war Büger zusammen mit Hamdia Hammi und anderen auf die Idee gekommen, ein Zeichen dagegen zu setzen. Schließlich fühlten sich nicht nur Flüchtlinge von den Dresdner Protesten betroffen – gerade in der Limburger Nordstadt lebten viele, die wüssten, wie es sich anfühle, ausgegrenzt zu sein, erklärt die Sozialarbeiterin.

Angesprochen auf ihre bisherigen Erfahrungen in Deutschland, betonen die Flüchtlinge die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen. Er habe bereits viele Freunde gefunden, sagt Louai Searan. Seit zehn Monaten lebt der ehemalige syrische Polizeimajor und Elektroingenieur in Deutschland. Nach Stationen in Gießen und Elz ist er in Linter untergebracht. „Jeden Mittwoch machen wir zu Fuß oder mit dem Auto einen Ausflug“, schwärmt er auf Deutsch. „Walk and Talk“ (Laufen und Sprechen) heißt die Aktion, an der sich auch zahlreiche Linterer beteiligen. Wenn er eine Aufenthaltsgenehmigung erhalte, wolle er wieder im Elektrobereich arbeiten, erzählt er.

Bereits die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat Hamdia Hammi. Zusammen mit ihrem Neffen Reweng hat sie sich auf den Weg gemacht. Seit sieben Jahren lebe sie in Deutschland, seit sechs in Limburg, erzählt die ehemalige Grundschullehrerin, die inzwischen mit ihren drei Kindern in der Nordstadt heimisch geworden ist. Als politisch aktive Kurdin wurde sie vom Assad-Regime verfolgt und musste das Land noch vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs verlassen.

Da sie quasi rausgeworfen wurde, verfüge sie über keine Zeugnisse, sodass der Weg zurück in den Schuldienst in Deutschland für sie verbaut sei. Momentan mache sie ein Praktikum in einem Modegeschäft. Später könnte sie sich auch vorstellen, arabische oder kurdische Kinder zu betreuen, fügt sie hinzu. Ihr Neffe ist erst seit wenigen Monaten hier und müsse sich erst noch eingewöhnen. Deshalb habe er sofort begeistert zugesagt, als die Idee einer Wanderung aufkam. Das sei viel besser, als zum Nichtstun und Abwarten gezwungen zu sein.

Der Äthiopier Bonsa Aman Abday lebt inzwischen in Kirberg. Zusammen mit einem ebenfalls aus Äthiopien stammenden Freund aus Frankfurt nimmt er an der Aktion teil. Er wolle auf diese Weise viele neue Menschen kennenlernen, beschreibt er sein Ziel. Dazu hat er die nächsten acht Tage reichlich Gelegenheit. Denn in den Rucksäcken mit dabei haben die Wanderer nur Kleidung. Um die Verpflegung und Übernachtung kümmern sich die beteiligten Kommunen. Abends ist jeweils ein Erzählcafé geplant, bei dem sich alle ausführlich austauschen können.

 

Gute Deutschkenntnisse

 

Auffällig ist, wie gut die Deutschkenntnisse der meisten Anwesenden schon sind – und auch während der Wanderung wird vor allem Deutsch gesprochen. Dafür sorgt Gitte Büger, die die Teilnehmer immer wieder in Gespräche verwickelt. Verständigen könnten sich die meisten nämlich auch auf Arabisch.

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