Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Ende September ist Schluss: Unterkunft in Villmar schließt

Von Die von der Partei „Die Linke“ als menschenunwürdig kritisierte Flüchtlingsunterkunft in Villmar wird Ende September geschlossen. Sie wird nicht mehr gebraucht, erklärte Landrat Manfred Michel.
Ortstermin Flüchtlingsheim: Die Mitglieder des Kreissozialausschusses im früheren REWE-Markt in Villmar. Foto: Rolf Göckel Ortstermin Flüchtlingsheim: Die Mitglieder des Kreissozialausschusses im früheren REWE-Markt in Villmar.
Villmar. 

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen REWE-Markt in Villmar soll Ende September geschlossen werden. Dies hat Landrat Manfred Michel (CDU) während einer Sitzung des Sozialausschusses des Kreistags Limburg-Weilburg am Montagabend im Feuerwehrgerätehaus in Villmar angekündigt. „Ende September läuft Villmar aus“, sagte der Landrat, der die „Einrichtung“ noch einmal gegen Kritik von „Die Linke“ verteidigte. Diese hatten von „menschenunwürdigen Zuständen“ in der seit Dezember 2015 bestehenden Unterkunft gesprochen und eine Schließung schon zum 31. Juli gefordert. Laut Michel kommen derzeit noch rund 80 Flüchtlinge pro Monat in den Kreis Limburg-Weilburg, so dass die Unterkunft in Villmar nicht mehr gebraucht wird. Eine ähnliche Einrichtung in Limburg bleibe vorerst bestehen.

Vor der Sitzung hatten sich die Ausschussmitglieder ein Bild von der Unterkunft in Villmar gemacht, in der laut dem Geschäftsführer der GAB (Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung), Stephan Zimmermann, derzeit noch 96 Menschen leben. Im Laufe der kommenden Wochen sollen sie in Gemeinschaftsunterkünfte untergebracht werden. Zimmermann zeigte den Sozialausschuss-Mitgliedern, wie die Asylbewerber in dem ehemaligen Marktgebäude untergebracht sind: In 24 voneinander abgetrennten Kabinen, in denen jeweils sechs bis acht Menschen leben. Aus Gründen des Brandschutzes haben die Kabinen keine Türen, sondern lediglich Vorhänge und sind nach oben hin offen. Verpflegt werden die Asylbewerber von einem Catering-Service, gegessen wird gemeinschaftlich in der alten Markthalle. Die sanitären Einrichtungen befinden sich in Containern auf dem Parkplatz. In einem abgetrennten Bereich des ehemaligen Supermarktes befinden sich Räume zum Waschen und Trocknen. Die ganze Halle ist nach Zimmermanns Angaben klimatisiert. „Es ist eine einfache Unterkunft“, räumte der GAB-Geschäftsführer ein. Die Alternative jedoch wäre zum Zeitpunkt ihrer Errichtung gewesen, die Flüchtlingen in Sporthallen unterzubringen.

„Besser als in Syrien“

Auch Landrat Michel erinnerte an die Lage Ende 2015, als wöchentlich rund 100 Asylbewerber in den Landkreis Limburg-Weilburg gekommen seien. Innerhalb von nur drei Monaten sei praktisch ein ganzes Dorf zu versorgen gewesen. In dieser Situation habe der Kreis vor der Entscheidung gestanden, Menschen in Turnhallen unterzubringen oder nach Alternativen wie die in Villmar zu suchen. Für viel Geld sei dort eine Unterkunft auf dem gleichen Standard wie die hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen entstanden – sogar besser noch als beispielsweise die in Staffel. Vorgabe sei gewesen, so viel Intimsphäre zu schaffen wie möglich. Dies sei mit der Einrichtung von Boxen erreicht worden. Michel: „Das ist menschenwürdig im Gegensatz zu dem, woher diese Menschen kommen, natürlich nicht auf Dauer.“ Die Flüchtlinge, so der Landrat weiter, hätten „Heizung, Bett und ein Dach über dem Kopf“. „Sie sind besser untergebracht als in jedem Flüchtlingslager in Syrien.“

Derzeit suche der Kreis dringend nach weiteren Gemeinschaftsunterkünften, sehe sich aber mit einer Kostenexplosion konfrontiert. Dankbar zeigte sich der Kreischef für die ehrenamtliche Hilfe. Allerdings zeigte er sich außerstande, Forderungen nach weiteren Sozialarbeitern zu erfüllen. Michel: „Es gibt keine mehr auf der Gass!“

Dagegen blieb Jörg Zimmermann von „Die Linke“ bei seiner Einschätzung, dass die Villmarer Unterkunft für einen längeren Aufenthalt menschenunwürdig sei. „Menschenwürde bemisst sich nach unseren Kriterien und nicht nach den Zuständen in Aleppo.“ Er wisse, wie die Stimmung in Teilen der Bevölkerung ist, sie müsse aber überwunden werden. Und dies könne am besten geschehen, indem mehr Deutsche mit Flüchtlingen zusammenkommen. Die Villmarer Unterkunft sei jedenfalls ungeeignet, Menschen zu integrieren.

Guidry: Einfach abgeladen

Angelika Guidry vom Villmarer Helferkreis beklagte mangelnde Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer und zu wenig soziale Betreuung von Flüchtlingen. „Die Menschen werden abgeladen“, sagte Guidry, „und sich selbst überlassen“. Jürgen Weil hielt die Kommunikation zwischen Helfern und Landkreis für unzureichend. Der Helferkreis erhalte zu wenige Informationen über die Flüchtlinge. Er plädierte für einen möglichst raschen Schulbesuch von Flüchtlingskindern, um ihnen das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Laut Marianne Zimmermann, Leiterin des Kreissozialamts, entscheidet das Staatliche Schulamt über Ort und Zeit der Einschulung, nicht der Kreis.

Sozialarbeiter Cecirja Muharemi wies wie zuvor schon Michel auf den Wunsch vieler Flüchtlinge hin, in Limburg zu wohnen. Einige blieben daher freiwillig länger in der Villmarer Unterkunft als eigentlich notwendig. Derzeit gebe es noch 17 Bewohner, die länger als ein halbes Jahr hier lebten. Die durchschnittliche Verweildauer betrage zwei bis drei Monate. Er gehe aber davon aus, dass bis 28. September alle Flüchtlinge in Gemeinschaftswohnungen vermittelt sein werden.

Elke Fehr (CDU) fand es „nicht in Ordnung“, dass Asylbewerber den Anspruch erheben, in Limburg wohnen zu können. Allerdings macht es laut Sozialamtsleiterin Zimmermann „keinen Sinn“, Menschen gegen ihren Willen irgendwo unterzubringen, wohin sie nicht wollen. Dies geschehe nur im Notfall. Dr. Klaus Valeske (FDP) verwies auf die bundesweit sinkende Unterstützung für die Flüchtlingsaufnahme. Villmars Bürgermeister Arnold-Richard Lenz (SPD) sprach von der „Macht des Faktischen“, wonach es nicht möglich sei, „Wohnungen aus dem Boden zu stampfen“. Die Kommunen kämen schon jetzt an ihre Grenzen.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse