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Vergessene Musikperlen

„Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ – die Musik jüdischer Künstler in der Weimarer Zeit präsentierte der Akkordeonist Søren Thies in den Limburger Kunstsammlungen.
Ein zum Nachdenken anregendes Konzert spielte Søren Thies in den Limburger Kunstsammlungen. Foto: Johannes Koenig Ein zum Nachdenken anregendes Konzert spielte Søren Thies in den Limburger Kunstsammlungen.
Limburg. 

Schlager, Filmmusik, Kabarett – in Zeiten, in den sich die multimediale Ausstattung eines Wohnzimmers auf ein Grammophon und ein Radio beschränkte, waren Schauspieler und Sänger, aber auch Komponisten, Regisseure und Texter, Idole der Massen. An diese Zeit erinnerte der Sänger und Akkordeonist Søren Thies bei seinem Konzert in den städtischen Kunstsammlungen.

„Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen. . .“ heißt sein neues Programm, dessen inoffizielle Premiere die Limburger Zuhörer erlebten. „Die offizielle Premiere erfolgt in einer jüdischen Gedenkstätte in Essen“, erzählte Thies. Denn an dem Abend stand die Musik jüdischer Künstler aus der Weimarer Zeit im Vordergrund. Dabei handelte es sich um populäre, auch auf ein Massenpublikum ausgelegte Musik. Denn nicht jeder der Künstler, der nach 1933 ausgrenzt, drangsaliert verfolgt und ermordet wurde, war offen religiös oder fühlte sich als Jude. „Die Nazis erklärten sie aber mit pseudowissenschaftlichen Begründungen dazu“, betonte Thies.

Bekanntestes Opfer dieser Verfolgung waren die „Comedian Harmonists“ – „die waren die Rockstars ihrer Zeit und füllten die größten Hallen ihrer Zeit“, sagte Thies. Drei der Künstler wurden von Nationalsozialisten aber als „Nicht-Arier“ eingestuft und die Band zur Auflösung gezwungen. „Die drei verließen Deutschland, die anderen drei blieben. Alle waren auch später musikalisch aktiv, haben aber nie an das Niveau ihrer alten Erfolge anknüpfen können.“

Erstes Lied des Abends war daher das von den Comedian Harmonists gesungene „Irgendwo auf der Welt“. Komponiert hatte es Robert Gilbert. Er floh 1933 nach Österreich, nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 nach Frankreich und emigrierte in die USA. Ebenfalls heute noch unter Film- und Musikliebhabern bekannt ist der Name Friedrich Hollaender. Der Film- und Revue-Komponist überlebte den Krieg ebenfalls in den USA, kehrte aber in den 1950er-Jahren nach München zurück, wo er 1976 verstarb. Thies spielte Hollaenders Lied „Eine kleine Sehnsucht“.

Nach ihrem Verbot durch die Nazis gerieten viele der von Thies gespielten Lieder in Vergessenheit. „Engagierte Musiker haben in den letzten Jahren nach den wenigen verliebenen Schallplatten gesucht und die Aufnahmen in mühseliger Kleinarbeit restauriert.“ Dank dieser Vorarbeit konnte das Limburger Publikum die Musik einer gewaltsam unterbrochenen Schaffensperiode genießen.

(koe)
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