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Flüchtlinge in Limburg: Verschnaufen in der „Oase“

Die Flucht unter oft lebensbedrohlichen Umständen liegt hinter ihnen, eine ungewisse Zukunft in einem fremden Land vor ihnen. Auf dem Weg zwischen Vergangenheit und Zukunft gibt es nun in der „Oase“ die Möglichkeit zu verschnaufen und sich auszutauschen.
Die Spielecke in der »Oase« wird von den Kindern gut angenommen. Und es scheint ihnen dort auch zu gefallen. Dem Aufruf der Stadt, Spielzeug zu spenden, sind so viele gefolgt, dass die Kinder auch mit persönlichem Spielzeug versehen werden können. Bilder > Die Spielecke in der »Oase« wird von den Kindern gut angenommen. Und es scheint ihnen dort auch zu gefallen. Dem Aufruf der Stadt, Spielzeug zu spenden, sind so viele gefolgt, dass die Kinder auch mit persönlichem Spielzeug versehen werden können.
Limburg. 

Das Zelt ist voll, die Luft stickig, doch die Stimmung gut. Seit Dienstag steht ein von der Stadt zur Verfügung gestelltes Betreuungszelt auf dem Gelände des Flüchtlingslagers. Das Zelt trägt den Namen „Oase“. „The future ist scary but the past was much scarier“ („Die Zukunft ist beängstigend, doch die Vergangenheit war es noch viel mehr“), sagt einer der Flüchtlinge.

Der Eingangsbereich erinnert an ein Café, und so ist dort auch die Atmosphäre. Die Menschen sitzen bei einer Tasse Kaffee oder Tee zusammen, unterhalten sich und lachen gemeinsam. Im hinteren Teil des Zeltes befindet sich ein Spieleparadies für Jung und Alt. Dort gibt es reichlich Spielzeug. Stofftiere, Bauklötze, Schaukelpferde, Schach- und Kartenspiele und einen großen Mal- und Bastelbereich. Es gibt auch Kickertisch und eine Tischtennisplatte, worüber sich besonders die jungen Erwachsenen sichtlich freuen. Am Samstag soll noch ein großes Trampolin geliefert werden, das im Außenbereich des Zeltes aufgestellt wird.

 

Verständigung klappt

 

Verständigungprobleme zwischen Betreuern und Flüchtlingen gibt es nicht. „Einige der Flüchtlinge sprechen Englisch, doch auch die Verständigung mit Zeichnungen oder Händen und Füßen funktioniert hervorragend“, sagt Jana Jenke von der Stadtjugendpflege. Und sollte es dennoch mal hapern mit der Kommunikation, steht Coskun Cinar als Übersetzer zur Stelle. Er spricht Türkisch, Arabisch und Englisch und ist stets bemüht, dass die Verständigung funktioniert. „Die Arbeit mit den Flüchlingen ist für mich kein Beruf, sondern eine Erfüllung“, sagt Cinar.

Info: Lob für Stadt und Ehrenamtliche

„Das ehrenamtliche Engagement ist groß. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich“, sagt Annegret Huchler als Beauftragte des Bistums Limburg für das Projekt „Willkommenskultur für Flüchtlinge“.

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Verständlich wird seine Einstellung beim Anblick der fröhlichen Kinder, der entspannten Eltern und der ausgelassenen jungen Erwachsenen. Das Spiel am Tisch, mit Karten oder kleinem Ball, das lässt für wenige Momente das in den Hintergrund treten, was die Flüchtlinge in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt und welche Aufgaben sie noch zu bewältigen haben.

 

Wörterbücher sind gefragt

 

Arabisch, Albanisch, Farsi und Türkisch und andere Sprachen sind zu hören. In dem Lager und in der „Oase“ vermischt sich das alles. Die Menschen sind sichtlich genügsam, dankbar und offen für Neues. „In den letzten Tagen steigt die Nachfrage nach Wörterbüchern immer mehr“, sagt Jana Jenke. Die Flüchtlinge seien sehr bemüht, sich möglichst schnell der deutschen Sprache anzunähern. Sie seien neugierig und interessiert, neue Erfahrungen in einem ihnen noch fremden Land zu sammeln.

Der Name „Oase“ steht, wie Werner Gläser, Leiter des Hauptamts der Stadtverwaltung, erklärt, symbolisch für das Schicksal der Flüchtlinge. Eine Oase habe den Charakter eines Erholungsortes, der früher oder später leider wieder verlassen werden muss.

Von Montag bis Samstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sorgt eine Vielzahl von Helfern dafür, den Flüchtlingen Abwechslung zu verschaffen, die ihnen Freude und neue Erkenntnisse bringt. „Es ist ein Ort der Begegnung, zum Kommunizieren und zum gemeinsamen Spielen,“ so JanaJenke. Auch die Theke zum Ausschank von Kaffee und Tee wird von ehrenamtlichen Helfern bedient.

Alle vorhandenen Spielzeuge sind gespendet worden, durch Privatpersonen und Firmen. Seit Freitag vergangener Woche sind solche Spenden möglich. Die Resonanz auf den Aufruf war beeindruckend. „Allein am Freitag“, so Jenke, „waren um 17 Uhr beide Container so voll, dass keine Spenden mehr an diesem Tag angenommen werden konnten.“

Da täglich neue Spenden eintreffen, wurde beschlossen, den Flüchtlingskindern einiges an Spielzeugen persönlich mitzugeben. Auch die Anzahl der freiwilligen Helfer steigt von Tag zu Tag. Neben den rund 40 angehenden Erzieherinnen und Erziehern der Adolf-Reichwein-Schule sind viele weitere Freiwillige auf dem Gelände des Zeltlagers, um sich für das Wohl der Flüchtlinge einzusetzen.

Vorbild für die Errichtung der „Oase“ ist das Flüchtlingslager in Marburg. Dort entstand die Idee eines Betreuungs- und Beschäftigungsortes für Flüchtlinge.

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