Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 10°C

82-Jähriger legt sein Amt als Vorsitzender nieder: Verschönerungsverein: Nach 30 Jahren hört Vinzenz Jung auf

Von 30 Jahre lang war Vinzenz Jung Vorsitzender des Verschönerungsvereins Niederselters; jetzt hat er sein Amt abgegeben. Mit 82 Jahren kümmert sich der frühere Fahrer von Limburgs Altbürgermeister Josef Kohlmaier lieber im eigenen Garten um seine seltenen Rosen.
Vinzenz Jung hat im Garten wunderschöne seltene Rosen gezüchtet. Sein Erfolgsrezept für soviel prächtiges Wachstum lautet: Gegossen wird mit Selterswasser. Vinzenz Jung hat im Garten wunderschöne seltene Rosen gezüchtet. Sein Erfolgsrezept für soviel prächtiges Wachstum lautet: Gegossen wird mit Selterswasser.
Niederselters. 

Jahrzehntelang war der Verschönerungsverein Niederselters ohne Vinzenz Jung nicht vorstellbar. Immer mal wieder hatte der Senior anklingen lassen, sein Ehrenamt aus Altersgründen niederzulegen. Doch lange tat er sich dann doch schwer damit loszulassen. Vor allem aus Angst, dass es mit dem Verein irgendwann ganz den Bach runtergehen würde. Doch die plötzliche Fast-Erblindung seiner Frau Karola hat es nötig gemacht, dass Jung jetzt Nägel mit Köpfen und mit dem Vorsitz Schluss machte.

Neuer Vereinschef

Mit Udo Rücker-Klapper wurde ein neuer Vereinschef gefunden. Doch Jung fällt es immer noch sichtlich schwer, die neuen Leute einfach mal machen zu lassen. Das Hauptproblem sei, dass viele junge Menschen in der heutigen Zeit nicht mehr bereit seien, für die Allgemeinheit etwas zu tun, wenn es dafür kein Geld gibt. Folglich befürchtet er, dass sich bald schon die Gemeinde Selters alleine um das Thema Dorfverschönerung kümmern muss. Mit dem von ihm Erreichten ist Jung aber zufrieden. Unter anderem hat er die jährliche Umweltaktion ins Leben gerufen, bei der Selters seit 30 Jahren einmal jährlich mit Hilfe der Ortsvereine vom Wohlstandsmüll befreit wird. Aus dem früheren Feuerwehrhaus im alten Ortskern sowie einer früheren Bahnwerkstatt am Bahnhof wurden gleich zwei Vereinsheime in viel Eigenleistung geschaffen.

Jung kam einst über die legendären Feste in den örtlichen Anlagen in den Verschönerungsverein. Der damalige Vorsitzende Fritz Wüstenfeld fragte ihn schon nach einem Jahr, ob er nicht sein Nachfolger als Vorsitzender werden wolle. Jung wollte, weil er das Tun seiner Vorgänger kritisch sah. „Da wurde viel Geld verbraten und nichts gemacht“, sagt er heute. „Unter meiner Regie lief dann alles“, sagt das Ehrenmitglied des Verschönerungsvereins.

Die Emsbachbrücke und die Anlagen wurden mit Blumenschmuck verschönert, 280 Bänke an Spazierwegen aufgestellt. „Eine Heidenarbeit, diese in Schuss zu halten und die Plätze drumherum regelmäßig zu mähen“, sagt Jung. Schutzhütten für die Wanderer wurden gebaut, von denen leider nur noch eine steht. „Die Jugend von heute rennt doch nur noch durch den Wald. Die nutzen keine Bänke mehr“, sagt Vinzenz Jung mit verbittertem Unterton.

Stolz ist Jung, mal mit Niederselters den zweiten Platz beim Regionalwettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ errungen zu haben. Doch irgendwann hat die Gemeinde den extra vom Verschönerungsverein liebevoll gebauten Brunnen in den Anlagen abbauen lassen, weil er, so Jung, nach Meinung der Gemeinde nicht mehr zeitgemäß gewesen sei. Zeit also, sich in den eigenen Garten zurückzuziehen. „Das macht mir viel Freude“, sagt der 82-Jährige: „Wenn ich heute noch mal jung wäre, würde ich Gartengestalter lernen“.

Hat er aber nicht, sondern bei der Energieversorgung Limburg (EVL) den Beruf des Elektrikers. Als er dort einen schweren Unfall hatte, wurde er bei der EVL Fahrer für die Bürgermeister. Josef Kohlmaier hat der frühere CDU-Kommunalpolitiker durch halb Europa kutschiert. Später brachte Jung, der auch Niederselterser Ortsvorsteher war, noch Wolfgang Rüdiger und Peter Arnold zu ihren Terminen. Seine aufwendigen Ehrenämter als Vorsitzender des VdK und des Verschönerungsvereins konnte er nach eigenen Angaben nebenbei nur betreiben, weil seine Frau Karola ihm stets den Rücken freigehalten habe.

„Wie die Muckibude“

Jetzt kümmert Jung sich nur noch um sie und seine außergewöhnlichen Polyantha- und Da-Vinci-Rosen. Die seien sehr teuer, aber wunderschön und einfach zu pflegen, erzählt er. Viele kämen, nur um sie zu fotografieren. Vor eine Woche seien gar britische Touristen deswegen bei ihm zu Besuch gewesen. Wichtig sei, so Jung, im Winter den Stamm der Rosen zuzudecken, weil sonst die Rinde platze. In der Hitze des Sommers hat er die Stöcke jeden Abend zwei bis drei Mal gegossen. Das Geheimnis des schönen Wuchses sei das reine Selterswasser, mit der er das tue. „Gartenarbeit ist für mich wie der tägliche Gang in die Muckibude. Die hält mich fit“, sagt Vinzenz Jung.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse