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Übernahme: Vincenz „schluckt“ Diezer Klinik

Die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz übernimmt zum 1. Januar kommenden Jahres den Betrieb des DRK-Krankenhauses in Diez. Vom Schafsberg gibt es eine Standortgarantie und ein Übernahmeangebot an die rund 260 Mitarbeiter/innen.
Sehen die Übernahme als Chance: Verwaltungsratsvorsitzender Erwin Reuhl (St. Vincenz), Stephan Meier (Betriebsrat DRK-Klinik), Guido Wernert (Geschäftsführer St. Vincenz), Thomas Wels (DRK-Krankenhaus GmbH), Bürgermeister Frank Dobra, Bernd Decker (Gescgäftsführer DRK-Krankenhaus GMbH) und Clemenz Schmitz (Kaufmännischer Leiter DRK-Klinik). Foto: Johannes Laubach Sehen die Übernahme als Chance: Verwaltungsratsvorsitzender Erwin Reuhl (St. Vincenz), Stephan Meier (Betriebsrat DRK-Klinik), Guido Wernert (Geschäftsführer St. Vincenz), Thomas Wels (DRK-Krankenhaus GmbH), Bürgermeister Frank Dobra, Bernd Decker (Gescgäftsführer DRK-Krankenhaus GMbH) und Clemenz Schmitz (Kaufmännischer Leiter DRK-Klinik).
Limburg/Diez. 

Die Einschätzungen im Diezer Rathaus waren gestern Nachmittag eindeutig: „Gute Entscheidung“, Bestandssicherung für das Diezer Krankenhaus, eine Chance. Gemunkelt wurde schon seit Monaten darüber, gestern wurde die Übernahme offiziell verkündet. Zunächst der Diezer Belegschaft, dann im Rathaus in einer Pressekonferenz: Die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz (511 Betten und 1200 Mitarbeiter/innen) „schluckt“ das DRK-Krankenhaus in Diez mit 140 Betten und rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Feindliche Übernahme, Groß schluckt Klein? Davon kein Wort. Und Lob gab es für diesen Schritt nicht nur von denen, die die Übernahme eingefädelt hatten. „Eine Chance für uns alle“, sagte Stephan Meier, Betriebsratsvorsitzender der Diezer Klinik. Er glaubt „an eine gute Entscheidung für unser Haus“, auch wenn sie mit einem weinenden Auge verbunden sei, da die Klinik aus der Trägerschaft des Roten Kreuzes ausscheide.

Seit 1991 DRK-Klinik

Über 140 Betten und rund 260 Mitarbeiter/innen, einschließlich des Personals in den Tochtergesellschaften, verfügt das Krankenhaus der Grundversorgung. Bis 1991 befand es sich in Trägerschaft der Stadt Diez, dann gehörte es zu den beiden Gründungskliniken für die DRK-Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz. Deren Geschäftsführer Bernd Decker sprach dann auch von einer Entscheidung mit zwei Seelen: Eine emotionale Seite mit der langen Trägerschaft zu einem Gründungskrankenhaus und von einem logischen Aspekt, die Einrichtung in einen regionalen Verbund medizinischer Versorgung einzubringen.

Wie Decker auf Nachfrage sagte, schreibt die Diezer Einrichtung seit Jahren rote Zahlen. Sie haben auch dazu geführt, dass Mitte des Jahres die Geburtshilfe geschlossen wurde. Zehn ihrer Mitarbeiterinnen sind schon von der Klinik auf dem Schafsberg übernommen worden. Während sich das Defizit in den vergangenen Jahren in einem sechsstelligen Bereich hielt, wird es in diesem Jahr ein Verlust am Ende der sechsstelligen Beträge sein.

„Wir erlegen kein Wild in Nachbars Garten“, machte Erwin Reuhl als Verwaltungsratsvorsitzender der St.-Vincenz-Gesellschaft deutlich. Das gemeinsame Interesse sei es, die Region medizinisch ordentlich zu versorgen. Dass dies immer schwieriger wird, machte Reuhl an der Vorgaben der Ausstattung und dem damit vorhandenen Personal, dem Problem, geeignete Mediziner zu finden und vor dem Hintergrund der politischen Rahmenbedingungen deutlich.

„Wir haben schon 1991 an die Tür geklopft“, sagte Reuhl. Doch 1991 übernahm das DRK das Diezer Krankenhaus. Zwischen den Einrichtungen gebe es schon seit vielen Jahren eine Zusammenarbeit und auch immer wieder Gespräche. Die wurden in den vergangenen Monaten bezüglich einer Kooperation oder Übernahme immer konkreter und gelangten vergangene Woche zu einem Abschluss. Nach Angaben von Reuhl gab es dabei verschiedene Möglichkeiten, unter anderem auch die Gründung einer eigenen Gesellschaft für das Diezer Haus. Letztendlich habe die Praktikabilität den Ausschlag gegeben und deswegen sei der Krankenhausbetrieb in die St.-Vincenz-Gesellschaft übernommen worden.

Stadt Besitzer

Grund und Boden sowie das Gebäude sind im Eigentum der Stadt Diez. Deshalb muss auch der Stadtrat einer Änderung des Erbbaurechtsvertrags noch zustimmen. Inhaltlich gibt es nach Einschätzung von Frank Dobra zu der Übernahme keine Alternative. Der Diezer Stadtbürgermeister zeigte sich froh über die gefundene Lösung, die den Bestand des Krankenhauses auf Dauer sichere und Konkurrenzsituationen vermeide. „Dass es in einem solchen Zusammenhang zu Ängsten, Sorgen und Emotionen bei den Beschäftigten kommt, ist ganz normal“, so Dobra.

Clemenz Schmitz als kaufmännischer Leiter der DRK-Klinik ist überzeugt davon, dass die Nähe zum Krankenhaus auf dem Schafsberg einige Probleme für die Diezer Einrichtung kleiner machen oder sogar ganz lösen kann.

Wo der Standort Diez punkten kann, machte Guido Wernert als Geschäftsführer der Vincenz-Klinik deutlich. Der Bereich der Altersmedizin werde durch den demografischen Wandel immer wichtiger und erste Schritte zu einem entsprechenden Angebot in Diez seien auch schon eingeleitet worden. Er sieht gute Chancen, als Marke „St. Vincenz“ in einem nun größer werdenden Einzugsgebiet punkten zu können. Dabei machte er auch deutlich, dass die Klinik auf dem Schafsberg bereits zahlreiche Patienten aus Rheinland-Pfalz versorgt und medizinsche Versorgung sich weder an Kreis- noch an Landesgrenzen orientiere.

Gleichwohl sind in den kommenden Wochen und Monaten nach Einschätzung von Reuhl Gespräche mit Ministerien in beiden Bundesländern nötig, um das Angebot und die Versorgungsaufträge abzustimmen. jl

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