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Vollendetes Meisterwerk

Vollendet! Meisterlich! Diese Prädikate verdient die Aufführung von Bachs Johannespassion in der Weilburger Schlosskirche.
Eine meisterliche Vorstellung der Johannespassion erlebten die Zuhörer in der Weilburger Schlosskirche.	Foto: Zimmermann Eine meisterliche Vorstellung der Johannespassion erlebten die Zuhörer in der Weilburger Schlosskirche. Foto: Zimmermann
Weilburg. 

Mit einer großartigen Aufführung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach ist jetzt die Konzertsaison 2014/2015 der „Alten Musik im Weilburger Schloss“ in der ausverkauften Schlosskirche zu Ende gegangen. Unter Leitung von Kantorin Doris Hagel liefen sämtliche Mitwirkenden zu Höchstform auf, neben den Solisten Magdalene Harer (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor), Klaus Mertens (Bass) und Markus Falig (Bass, Jesusworte) auch das auf barocken Instrumenten spielende Orchester Capella Weilburgensis und insbesondere die Kantorei der Schlosskirche Weilburg.

Gerade der Chor setzt in Bachs musikalischem Wunderwerk die Akzente, er beginnt und beendet diese einzige vollständig erhaltene authentische Passion Bachs, die am Karfreitag des Jahres 1724 in der Leipziger Nicolaikirche uraufgeführt worden ist. Die Kantorei gestaltete Eingangs- und Schlusschor sehr lebendig, bestach durch einen runden, vollen und immer harmonischen Zusammenklang aller Stimmgruppen mit nuanciertem, sprachverständlichem Vortrag.

Eindrucksvoll schon im Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ wie ebenso im Schlusschor „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“, der mit einem herzzerrreißenden Bittschrei „Herr Jesu Christ, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich“ sehr emotional endet. Zwischen diesen beiden bekannten Glanzstücken ist der Chor, verteilt über das gesamte Werk, immer mit eindringlichen Chorälen und kurzen Einwürfen präsent, nimmt entweder teil an der Handlung durch Darstellung des Volkes, beispielsweise im „Kreuzige, kreuzige!“ und „Wir haben ein Gesetz...“ in der Verhörszene Jesu mit Pilatus, oder reflektiert als christliche Gemeinde, als „Volk Gottes“, das Geschehen beziehungsweise dessen theologische Bedeutung, so zum Beispiel „In meines Herzens Grunde dein Nam“ – sehr innig und emotional. So ist für die Zuhörer damals wie heute der Bezug zum Einzelnen hergestellt. Auch hier der Chor hochkonzentriert, immer präsent ohne „Hänger“. Insgesamt brillierte die Kantorei der Schlosskirche mit einer sehr reifen, nuancierten, mitreißenden Darbietung, die keine Wünsche offen ließ, gerade auch im Miteinandermusizieren mit den Solisten und dem bravourös aufspielenden Orchester.

Gleiches gilt für die Solisten, allen voran Hans Jörg Mammel als Evangelist. Seine Rezitative waren sehr sanglich, leicht und unangestrengt, er verstand es damit, das Zuhören dieser oft spröden Texte zu einem Vergnügen zu machen; Man folgte ihm gern, auch dank seiner schönen, hell timbrierten Tenorstimme, die daneben auch in einigen Arien („Mein Herz, in dem die ganze Welt bei Jesu Leiden gleichfalls leidet“) eindrucksvoll zur Entfaltung kam.

Herzergreifend

Klaus Mertens gab den Pilatus kraftvoll, mit baritonal gefärbtem Bass, auch die zaghaften Zweifel dieses Herrschers an seinem Tun mitklingen lassend. Sehr tief beeindruckend und im Wortsinn herzergreifend seine Arie „Mein teurer Heiland, lass dich fragen“, die nach dem Sinn des Todes Jesu fragt, dabei vom Chor in feinem Pianissimo, mit „Jesu, der du warest tot“ unterbrochen und dennoch als eine wunderbare gesangliche Einheit gestaltet wurde. Dabei war das Zentrum dieser Passion dialektisch verschränkt: die Trauer über Jesu Tod (Mertens) mit dem Hoffen auf Auferstehung des Einzelnen (Kantorei).

Magdalene Harer, die ihr Weilburg-Debüt gab, glänzte mit klarem, warmem Sopran, leuchtend in Höhen und tieferen Lagen, so besonders in „Zerfließe, mein Herz“, der Klage über Jesu Tod. Mit samtener Altstimme gab Britta Schwarz ihre Arien, am glänzendsten vielleicht in „Es ist vollbracht!“, nuanciert gestaltet. Bassist Markus Flaig sang die Jesusworte sehr eindringlich, besonders in der Verhörszene mit Evangelist (Mammel) und Pilatus (Mertens).

Das Orchester war allen ein einfühlsamer Begleiter, setzte aber auch mit beispielsweise Theorbe, Orgel und Cello feine, überzeugende Akzente. Alles in allem darf man dieser Aufführung der Bach’schen Johannespassion zu Recht das Prädikat vollendet zusprechen, als vollendete Darbietung eines vollendeten Meisterwerkes, die keine Wünsche offen ließ. Meisterlich. Langer, nicht enden wollender Beifall für diese Meditation des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz.

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