Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 8°C

Vom Altersheim ins Vernichtungslager

Therese Frank (1865 bis 1942).	Foto: Aumüller Therese Frank (1865 bis 1942). Foto: Aumüller
Villmar/Weyer/Flacht. 

Vor rund 150 Jahren, genauer am 20. Februar 1865, wurde in Weyer Therese Blumenthal geboren. Das Leben der jüdischen Frau endete 1942 im Vernichtungslager Treblinka.

Therese erblickt als Tochter des Löb Herz/ Blumenthal und Clara Salomon Meyer das Licht der Welt. Nach ihrer Eheschließung im Jahr 1888 mit Isaak Eisik Frank verzog sie nach Flacht, der Heimat ihres Mannes. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, darunter die Tochter Meta, die 1920 durch die Heirat des jüdischen Mitbürgers Ludwig Rosenthal in Villmar ansässig wurde. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1926 führte Therese in Flacht einen Lebensmittelladen und war als liebevolle, gutmütige Geschäftsfrau geachtet und beliebt. Von hier aus schrieb sie Briefe an ihre Kinder und Verwandte, die heute ihr Neffe Abraham Frank in Jerusalem als kostbares Vermächtnis verwahrt und zur Veröffentlichung freigab.

In einem mehrseitigen Brief, den Therese am 5. Juli 1936 in Flacht schrieb, schildert sie ihr Leben als nicht immer zufriedenstellend. Auch das Neueste der Verwandtschaft kam nicht zu kurz. Wörtlich schreibt sie: „Von meinen Kindern habe ich gute Nachricht. Ludwig (Rosenthal) war drei Tage in Berlin, wo alle G. L. gesund waren, und es hat ihm gut gefallen. Vom lieben Rolf hatte ich einen Brief aus USA (der Enkel Rolf Rosenthal übersiedelte am 8. 2. 1936 nach St. Louis/ USA – L.A.). Er ist gesund, und es gefällt ihm gut, besonders in der Schule, aber er hat auch Ferien, und er hilft im Geschäft, verdient Geld und hat ein Sparkonto. Er will sparen, um die Bürgschaft für seine Eltern zu übernehmen, er hat’s gut vor. In Villmar geht’s geschäftlich noch einigermaßen. Ludwig fährt nach Gießen, Koblenz usw. und hat immer einige Stücke Vieh. Er hat die Metzger noch alle in Villmar und Runkel in Kundschaft und fährt noch jede Woche nach Wiesbaden. Wenn das so bleibt, kann er sich noch ernähren, was bei unseren Viehhändlern (in Flacht) nicht der Fall ist.“

„Kauft nicht bei Juden!“

Das NS-Regime setzte dem ein Ende mit der Parole „Kauft nicht bei Juden“. Therese Frank (Blumenthal) verkaufte 1937 ihr Haus, löste den Haushalt auf und ging nach Villmar zur Familie ihrer Tochter Ludwig und Meta Rosenthal. Von hier aus berichtete sie im April 1938 in einem Brief nach Berlin von einem sorgenvollen Familientreffen in Weyer. Sie gab an, dass auch in Villmar Isaak Ackermann, 80-jährig, und dessen Enkeltochter Gretel ein Visum zur Ausreise in die USA erhalten hatten. Sie verschickte gute Ratschläge für die Zukunft, da ihre Tochter Meta und der Schwiegersohn Ludwig zweimal wöchentlich Englischunterricht in Limburg nahmen, um für die Ausreise gut vorbereitet zu sein. Sie selbst hatte es abgelehnt mit auszuwandern. Sie wollte im jüdischen Altersheim in Frankfurt ihren Lebensabend beschließen.

Nach der Emigration ihrer Lieben, Ludwig (1892 bis 1970) und Meta Rosenthal (1896 bis 1973) mit Tochter Ruth (geb. 1925), nach St. Louis am 24. September 1938 lebte sie in Weyer bei ihrer Schwester Minna Saalberg (geb. 1863), der Ehefrau des Jakob Saalberg (geb. 1860) aus Villmar, der 1890 verstarb und auf dem Villmarer Friedhof in Arfurt begraben wurde.

Die Witwe lebte bei der Familie ihrer Tochter Ida, die allerdings mit Ehemann Emil Simon und ihre Enkelin Herta Anfang 1938 nach Brasilien emigrierten. Auch ihrem Enkel Jakob Simon (1908 bis 2003) gelang die Flucht Anfang 1939 nach Nova Fribourgo zu den Eltern, wo inzwischen alle verstorben sind.

Mit 77 Jahren deportiert

Die Geschwister Minna und Therese mussten, wie Zeitzeugen berichten, mit den noch lebenden Juden in Weyer die schreckliche sogenannte „Kristallnacht“ am 9. November 1938 hautnah erleben.

Am 5. Februar 1939 verzogen beide in das jüdische Altersheim in der Wöhlerstraße 6, Frankfurt am Main. Während Minna Saalberg 1940 in Frankfurt verstorben sein soll, ist heute bekannt, dass die Bewohner des Heims am 19. August 1942 in einem Transportzug von Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. In der erhaltenen Transportliste ist Therese Frank namentlich mit der Nr. 161 III/1 registriert. Mit 77 Jahren erfolgte die Deportation im Waggon Nr. 854 mit Hunderten Leidensgenossen am 26. September 1942 ins Vernichtungslager nach Treblinka, so die Recherchen ihres Neffen Abraham Frank, Jerusalem, und Gerhard Buck, Idstein/Walsdorf.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse