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Burg Runkel: Von Kriegen und verwandschaftlichen Fehden

Von Spaziergänger nutzen in diesen Tagen die Zeit für eine Wanderung entlang der malerischen Kulisse von Runkel mit seiner markanten Burg. Wir haben für Sie hinter die historischen Mauern geblickt.
Die Herren von Runkel errichteten die Burg zur Sicherung der Lahnbrücke.   Archivfoto: Anette in Concas Die Herren von Runkel errichteten die Burg zur Sicherung der Lahnbrücke. Archivfoto: Anette in Concas
Runkel. 

Die Runkeler Burg hat viele Geschichten zu erzählen. Es geht um Zwist zwischen Verwandten, Angriffe von außen und die Erkenntnis, dass man zum Selbstschutz in Seuchenjahren besser Wasser predigen und Wein trinken sollte.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Runkeler Burg im Jahre 1159. Sie wurde von den Herren von Runkel zur Sicherung der Lahnbrücke errichtet. Heute noch sind in den Gemäuern die Spuren zahlreicher Auseinandersetzungen zu finden, die über die Jahrhunderte dort stattgefunden haben.

Eine der Überlieferungen handelt von Siegfried IV. von Runkel, der 1276 im Kampf um das Erbe seinen Vetter Heinrich aus der Burg vertrieb. Ohne diese Episode der Burggeschichte würde nun auf der anderen Lahnseite hoch oben über Schadeck nicht die Schadecker Burg throhnen, die Heinrich errichten ließ, um Runkel zu schaden.

Burg-Besucher mit geübten Augen werden sofort feststellen, dass die Haupt- und Kernburg nur noch als Ruinen erhalten sind. Im Dreißigjährigen Krieg wurde am 15. Oktober 1634 die Burg und der Ort Runkel von kaiserlichen Truppen, Kroaten unter Graf Isolani, zerstört. Die Gebäude der Unterburg sowie einige Wirtschaftsgebäude wurden in den folgenden Jahren aber wiederhergerichtet und ausgebaut.

In der Ausstellung sind heute viele Exponate zu sehen, die allerhand erlebt haben. Die Eissäge zum Beispiel war bis zur Erfindung des Kühlschranks für die Runkeler ein Segen. Mit ihr wurden aus der zugefrorenen Lahn im Winter Eisstücke herausgesägt und von den Bürgern in ihre Keller geschafft, um Lebensmittel und Getränke kühl und somit haltbar zu machen. Zeitzeugen des 16. Jahrhunderts sind die Schleuderkugeln, die mit Katapulten gegen Eindringlinge abgefeuert wurden, bis es die ersten Kanonen gab.

Warum dann nach dem Dreißigjährigen Krieg die Hauptburg nicht mehr aufgebaut wurde? Die Waffen waren mittlerweile zu durchschlagkräftig geworden und die Zeit der uneinnehmbaren Burg war auch in Runkel somit für immer vorbei. Aber die Feinde kamen nicht jedes Mal wie die Kroaten aus der Fremde. Auch familienintern gab es immer mal wieder Konflikte.

Das erklärt auch, warum in der Runkeler Burg ein Brustpanzer mit zwei großen Einschusslöchern hängt. Mitte des 18. Jahrhunderts dienten der Burgherr Maximilian zu Wied-Runkel und sein Vetter aus Westerburg gemeinsam unter dem Herzog von Nassau bei einem Feldzug nahe Stuttgart. Weshalb die zwei Cousins dabei in Streit gerieten, ist heute nicht mehr bekannt. Fest steht aber, dass sie sich nach ihrer Heimkehr auf einem Feld bei Runkel zu einem Duell unter Männern verabredeten. Rücken an Rücken marschierten sie jeweils zehn Meter voneinander weg, drehten sich blitzschnell um und feuerten ihre doppelläufigen Pistolen ab. Maximilian bekam zwei Schüsse ab und starb. Bis zur Volljährigkeit seines Sohnes Johann musste seine Frau, eine Gräfin zu Lippe, die Geschäfte führen.

Kinderlos verstorben

Finanziell hat dem Kontrahenten der Sieg im Duell nichts genutzt, da immer nur der älteste männliche Nachkomme eines Burgherrn bis heute alleine erbberechtigt ist. Die Nebenlinie Wied-Neuwied kam 1824 nur zu den Besitztümern, weil Karl Fürst zu Wied und kurz darauf sein Bruder Friedrich beide kinderlos verstarben.

In der Ausstellung sind auch viele landwirtschaftliche Geräte zu sehen, denn früher wurde für den Eigenbedarf auf den Ländereien der Burg Landwirtschaft für die Burgherrenfamilie und ihre Mitarbeiter betrieben. Bis zu 30 Personen lebten zeitgleich in der Burg. Hier gab es auch Ställe für Pferde, Kühe und Schweine. Die drei Kornspeicher im Gemäuer erinnern Gäste daran, dass in Notzeiten von der Burg aus auch die anderen Bewohner Runkels mit Nahrungsmitteln versorgt werden mussten.

Burg bot Schutz

Viele Leute suchten bei einer Belagerung in den Burgmauern Schutz und mussten vorübergehend mit ernährt werden. Und natürlich brauchten die Menschen Wasser und so steht im Burghof auch ein alter Brunnen. Die Spinnräder in der Ausstellung zeigen, dass noch Ende des 19. Jahrhunderts Arbeiterinnen die Kleidung für die in der Burg lebenden Menschen selbst fertigten.

Was der Kessel im Kamin mit einer alten Redensart zu tun hat? Nun, er hat Zähne zum Einhaken. Und führte einen Zahn zuzulegen, also ihn näher ans Feuer zu bringen, dazu, dass das Wasser wärmer wurde. Und was die Kuhfelle an der Innenwand der Burg zu suchen haben? Früher, als es noch keine Glasfenster gab, wurden damit die für Lichteinfall benötigten Löcher in den Räumen zugehängt, damit es im Winter in der Burg nicht zu kalt wurde.

Die Geschichte des beim Rundgang ebenfalls zu sehenden Tischs ist weniger appetitlich. Als der letzte Wied-Runkeler völlig überraschend verstarb, wurde das Möbelstück kurzerhand zum Seziertisch umfunktioniert. Dieser Burgherr soll an einer mysteriösen Tropenkrankheit gestorben sein. Der Tod bleibt rätselhaft, denn auch sein Erbe und Bruder verstarb, nur drei Tage nach seiner Ankunft aus Österreich, an einem Leberschaden.

Wein statt Wasser

Weil keimfreies sauberes Wasser damals rar war, war der Weinanbau für die Burgherren wichtig. Denn der vergorene Traubensaft konnte bedenkenlos in größeren Mengen getrunken werden. Doch damit war in Runkel 1929 erst einmal Schluss, als die Weinstöcke auf der anderen Lahnseite durch Reblausbefall und Kälte zerstört wurden.

Zur Burg gehörten auch Marmorbrüche in Schupbach und Gaudernbach. Die Pächter beglichen die Pacht mit Werkstücken, von denen einige heute noch in einem separaten Raum in der Ausstellung zu bestaunen sind.

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