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Zeitung in der Grundschule: Von alten Steinen und neuem Staub

Über die Geschichte des Limburger Schlosses und das Leben, das dort vor vielen Jahren herrschte, informierten sich die ZING-Reporter der Astrid-Lindgren-Schule.
Mit selbst gebastelten Schinken untersuchten die Astrid-Lindgren-Schüler die alte Schlossküche. Bilder > Mit selbst gebastelten Schinken untersuchten die Astrid-Lindgren-Schüler die alte Schlossküche.
Limburg. 

Wo sind wir gelandet? In der Wand eine Schale für Weihwasser. In der Mitte ein großer Steinblock. Drüben ein Schrank mit Holztür davor. Das ist für den Kelch, weiß Annika, unsere Messdienerin. Wir stehen in der wohl ältesten Kirche Limburgs, älter als der Dom. Den Altar schmücken wir mit einem Holzkreuz und ein paar Kerzen, die wir mitgebracht haben. Dann singen wir ein Lied. Das klingt ein wenig staubig. Von Herrn Markus Saal, Denkmalpfleger bei der Stadt, lassen wir uns das Limburger Schloss zeigen. Eigentlich ist das eine Baustelle. Aber der Schlossherr, Bürgermeister Dr. Marius Hahn, hat einer Besichtigung zugestimmt.

Und von wann ist dieser Teil des Schlosses nun? Alte Schriftstücke sprechen von der Zeit um das Jahr 800, erzählt Markus Saal und zeigt uns Mauersteine, die wie ein Fischgrätmuster angelegt sind. Eine Technik, die man damals benutzt hat. Wir wissen bisher nur, wie man Legosteine schichtet, und staunen.

Da schaut uns jemand von der Seite an. Wir entdecken ein großes Wandbild, das erstaunlich gut erhalten ist. Ist das Jesus? Oder Maria vielleicht? Das ist der heilige Christophorus, erklärt der Denkmalpfleger. Erst wurde das Bild übertüncht und als keiner mehr davon wusste, ein Türdurchbruch angelegt. Als man die Figur schließlich unter altem Putz wieder fand, fehlten ihr die Beine, schade.

Wo Rauchfleisch baumelte

Vorher schauen wir uns die alte Schlossküche an. Aus Zeitung und Draht haben wir einen Suppentopf gebaut. Aber wohin damit? Den Herd gibt es nicht mehr. Nur das Loch in der Decke ist noch da für den Kamin. Gekocht wurde nämlich auf dem offenen Feuer. Und die Haken an der Decke verraten es: Hier hing früher das Rauchfleisch. Auch einen dicken Schinken aus Zeitungspapier haben wir mitgebracht. Jetzt baumelt er über unseren Köpfen. Wie damals, als die Küche noch in Betrieb war.

Markus Saal lädt uns zu einem kleinen Abenteuer ein. Wir steigen eine Treppe hinunter in den „Keller“ und stehen plötzlich auf dem nackten Domfelsen. Erstaunlich, dass das Schloss die ganzen Jahre nicht in die Lahn gerutscht ist. Die Fenster bieten einen tollen Ausblick. Zum Beispiel auf die Autobahnbrücken, die es früher natürlich noch nicht gab. Rechts und links vom Fenster laden Sitznischen ein. Ob hier eine Prinzessin mal auf ihren Liebsten gewartet hat? Das ist wohl ein Märchen. Aber immerhin hat es im Schloss mal einen König und eine Königin gegeben. Das war Imagina, ist aber auch schon wieder 720 Jahre her.

Demnächst sollen die Domchöre im alten Schloss einziehen. Ob die Fußböden aber die vielen Leute tragen können? Markus Saal verrät uns einen Trick: Man hat die Steine gewogen. Wenn die Zimmerdecken schon Hunderte von Jahren das schwere Gestein aushalten, macht das Gewicht der Menschen auch nichts mehr aus.

Die Zimmerdecken halten

Ein paar Fragen haben wir noch. Gab es Wasser, will Loris wissen. Ein Brunnen wurde beim Kloster Bethlehem entdeckt, weiß Saal. Das Schloss aber bekam frisches Wasser gegenüber vom Greifenberg. Vielleicht musste es auch mit Eimern hochgeschleppt werden. Und wie war das mit der Toilette, fragt Lara. Dafür gab es Erker, aus denen heraus alles ins Tal plumpste. Hat man aber inzwischen abgebaut, beruhigt uns der Fachmann. Andrés Frage, ob es auch Pferde auf der ehemaligen „Lintburk“ gab, mit denen man vielleicht ein Ritterturnier machen konnte, lässt sich nicht sicher beantworten. Heu zum Füttern konnte man in der alten Scheune lagern. Ob es aber unter der großen Treppe Pferdeboxen gab, das ist die einzige Frage, die an diesem Vormittag offen bleibt.

An der genannten Stelle finden wir eine Tafel. Stadtarchiv steht darauf. Wir gehen durch die Tür mit der Zahl 1935. Aber das ist nicht die Hausnummer. Hier erwartet uns schon Dr. Christoph Waldecker, der Limburger Stadtarchivar. Er verwaltet das Gedächtnis der Stadt.

Originalfiguren grüßen

Sind noch anderen Gäste da? Nein, das ist die Originalfigur des heiligen Georg. In Kopie steht er auf dem Brunnen am Neumarkt und passt zum Beispiel auf die „summer games“ auf. Daneben sehen wir eine schwere Eichensäule. Jeder Nagel darin hat mindestens 50 Pfennig Spende erbracht. So sind mal 10 000 Mark zusammengekommen für die „Helden“ des Krieges. Vielleicht eine Idee für unser nächstes Schulfest?

Das Archiv ist kein Museum, wie uns Christoph Waldecker erklärt. Was hier gesammelt wird, sind in der Hauptsache alte Schriftstücke, Akten und Zeitungen. Da steht drin, was früher passiert ist. Zum Beispiel heute vor 100 Jahren, als ein Zeppelin bis nach England geflogen war. Das Herz des Archivs ist ein großer Raum mit Regalen fast bis unter die Decke. Die dürfen wir mit einer Kurbel verschieben, bis ein Gang dazwischen entsteht. Oft ist sogar eine Leiter nötig, um an alles dran zu kommen.

Alle Dokumente hier sind einmalig und so kostbar, dass der Archivar jetzt sogar Handschuhe anzieht, damit nichts dreckig wird. Er zeigt uns die älteste Urkunde der Stadt aus dem Jahr 1305. Sie ist auf Tierhaut geschrieben. Damals musste der Graf von Diez einschreiten, weil es zwischen den Limburgern und Diezern auf der Kirmes eine Schlägerei gegeben hatte.

Münzen, Stadtpläne, eine alte Fahne, so mancher Schatz wird hier gehütet. Auch von Privatleuten kommen Dokumente. Vor zwei Jahren zum Beispiel, als jemand dem Archiv 7 000 Diabilder vermachte. Und an unserer Schulgeschichte hätte Christoph Waldecker auch Interesse…

Er erzählt uns, wie schwierig es ist, die alten Spuren der Zeit zu sichern. Heftklammern rosten, Zeitungspapier wird gelb und zerfällt. Was modern war, wie Disketten für den Computer oder Videokassetten, kann heute kaum noch einer abspielen. Gut, dass es von manchen Ereignissen Fotos gibt. Waldecker zeigt uns einen Einsatz der Feuerwehr. Im Winter 1928 ist bald das halbe Schloss abgebrannt. Auch deshalb, weil das Löschwasser in den Schläuchen gefror. Jetzt erklärt sich auch die Zahl auf der Tür. Der Hallenbau mit dem Archiv darin ist fast noch ein Neubau, meint der Denkmalschützer Markus Saal. Und meint das ganz ernst.

Die ZING-Reporter der Astrid-Lindgren-Schule waren: Yannick Alef, Silvano Generale, Dennis Hecht, André Klopsch, Loris Momo, Manuel Paffner, Lara Schultheis, Annika Schulze und Klassenlehrer Michael Keßeler.

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