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Millionenschaden für Voba Langendernbach: Waffenbesitz und Betrug: Ermittlungen gegen Ex-Bankchef dauern an

Von Die Ermittlungen gegen den langjährigen Chef der Volksbank Langendernbach, der Kunden um rund zehn Millionen Euro betrogen und im Keller seines Wohnhauses Militaria-Waffen gehortet hat, stocken weiter. Die Voba bleibt anscheinend auf einem Millionenschaden sitzen.
Hans-Martin G. in der Volksbank. Den Hinweis „Auszahlungen“ (links oben) hat er wohl falsch verstanden. Bilder > Foto: aic Hans-Martin G. in der Volksbank. Den Hinweis „Auszahlungen“ (links oben) hat er wohl falsch verstanden.
Dornburg-Langendernbach. 

Was den ehemaligen Vorstand der Volksbank Langendernbach angetrieben hat, 70 Kunden 14 Jahre lang um insgesamt rund zehn Millionen Euro zu betrügen, bleibt ein Rätsel. Der Prozess könnte Aufschluss geben, doch wann sich Hans-Martin G. vor Gericht verantworten muss, ist immer noch nicht abzusehen. Die Ermittlungen stocken, obwohl der Fall seit gut zwei Jahren klar und der Täter geständig ist. Er hat von dem veruntreuten Geld 108 Immobilien mit rund 600 Wohnungen gekauft.

Wann die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt Anklage gegen den auf freiem Fuß lebenden Gauner erheben wird, ließ Sprecherin Nadja Niesen gestern offen. Eine Zeitangabe sei „rein spekulativ“, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. Ihr Stellvertreter Jesco Kümmel hatte der NNP vor einem Jahr erklärt, „vor Sommer 2016 werden wir sicherlich nicht fertig sein“ – und Recht behalten. . .

Joachim
Kommentar Fatales Signal

Der Fall ist klar, der Täter geständig. Dass trotzdem sorgfältig und lange ermittelt werden muss, kann aufgrund des Ausmaßes der Betrügereien jeder nachvollziehen.

clearing

Warum es so lange dauert

Die Frankfurter Spezialisten für Wirtschaftskriminalität hatten das Verfahren im Februar 2015 von ihren Limburger Kollegen übernommen. Danach wurden viele Bankunterlagen ausgewertet und Zeugen befragt. Die Verzögerung begründete Nadja Niesen nun damit, dass der Verteidiger noch eine umfassende Akteneinsicht bekommen soll. „Sonst sind wir mit unserem Programm durch“, so die Oberstaatsanwältin. Das Verfahren sei sehr komplex gewesen, die lange Dauer deshalb nicht ungewöhnlich.

Der Ex-Bankdirektor muss sich (irgendwann) nicht nur wegen Betrugs, Untreue, Urkundenfälschung und Unterschlagung verantworten, sondern auch wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffengesetz. Bei einer Hausdurchsuchung hatten die Ermittler im Keller seines Wohnhauses im Siegerland ein erstaunliches Waffenlager, darunter zwei Maschinengewehre mit Munition, entdeckt.

Waffen waren neben Immobilien offensichtlich die zweite geheime Leidenschaft des gemütlich wirkenden rundlichen Mannes mit Halbglatze und markantem Schnauzer. In seinem Heimatort, einem kleinen Ortsteil von Burbach, war G. bis zum Bekanntwerden der Straftaten hoch angesehen und sozial engagiert; unter anderem als Gemeindeältester der Freien evangelischen Gemeinde und 35 Jahre lang als aktiver Feuerwehrmann.

Das Verfahren in Siegen kommt ebenfalls nicht voran. „Wir prüfen immer noch“, sagte der Pressesprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, Johannes Daheim, der NNP. Der Dezernent sei Jäger und Waffenexperte und, so deutete Daheim vorsichtig an, nicht mit allen Gutachten zufrieden gewesen. Außerdem hätte sorgfältig untersucht werden müssen, ob mit den Waffen möglicherweise Straftaten begangen worden sein könnten. „Das dauert“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Immerhin steht fest, was der ehemalige Bankchef mit den Millionen gemacht hat: Er hat das Geld nicht für ein luxuriöses Leben verprasst oder beim Spielen verzockt, sondern vermeintlich sicher angelegt. Der Experte versprach den Kunden, ihr Vermögen besonders gewinnbringend anzulegen. Stattdessen kaufte er vom Jahr 2000 an 108 Objekte mit rund 600 Wohnungen – auf seinen Namen, versteht sich.

Seinen Opfern zahlte Hans-Martin G. zunächst Zinsen aus und/oder legte ihnen fingierte Dokumente vor, die noch nicht einmal das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt wurden. Der Siegerländer war seit 1992 Vorstand in Langendernbach und für das Anlagengeschäft verantwortlich. Er nutzte das Vertrauen der Kunden schamlos aus.

Zinsen für die Betrogenen

Bis auf einen sind mittlerweile alle entschädigt worden – und zwar „großzügig“, wie Bankvorstand Udo Kirschey im Gespräch mit dieser Zeitung betonte. Die Opfer haben demnach sowohl ihre Einlage als auch die von G. versprochenen horrenden Zinsen bis zum vereinbarten Auszahlungstermin erstattet bekommen. Ein auswärtiger Kunde habe sich trotz mehrmaliger Aufforderung erst vor Kurzem gemeldet, sagte Kirschey.

Nach seinen Angaben hat der von der Voba beauftragte Makler inzwischen 90 Prozent der Objekte verkauft. Das kleine Geldinstitut, das fünf Millionen Euro an Rücklagen auflösen musste, komme mit einem blauen Auge davon. „Bei den Immobilien wird ein Verlust von 700 000 bis 800 000 Euro hängenbleiben“, erklärte Kirschey. Den Gesamtschaden für die Bank bezifferte der Chef aufgrund der hohen Ausgaben für Verbandsprüfungen und Rechtsanwälte auf eine siebenstellige Summe.

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