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Hans-Martin G.: Waffendepot: Ex-Bankdirektor angeklagt

Von Die Ermittlungen wegen des Millionenbetrugs bei der Volksbank Langendernbach sind nach drei Jahren immer noch nicht abgeschlossen, doch in einem anderen Verfahren ist der langjährige Chef des Geldinstituts jetzt angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrere Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Die verbotene Sammlung von Hans-Martin G. war beachtlich. . .
Eine beachtliche Waffensammlung entdeckten die Fahnder im Keller  von Hans-Martin G. Eine beachtliche Waffensammlung entdeckten die Fahnder im Keller von Hans-Martin G.
Langendernbach/Burbach. 

Der Bankdirektor war ein vielseitig interessierter und engagierter Mensch. Beruflich widmete er sich den Finanzen, privat setzte er sich in seinem Heimatort als Gemeindeältester der Freien evangelischen Gemeinde und in der freiwilligen Feuerwehr ein. Darüber hinaus trieben den Volksbank-Chef zwei große Leidenschaften an: Immobilien und Waffen.

Dagegen wäre nichts einzuwenden gewesen, wenn Hans-Martin G. sich beim Erwerb an die Gesetze gehalten hätte. Das hat der heute 62-Jährige in beiden Fällen jedoch nicht. Immobilien – 108 Objekte mit 600 Wohnungen für rund zehn Millionen Euro – sammelte er mit dem Geld von 78 Kunden. Und im Keller seines Wohnhauses im Siegerland legter er sich ein Depot mit Militaria-Waffen und Munition an, die er als Sportschütze nicht besitzen durfte.

Über Ziel hinausgeschossen

Im zweiten Fall sind die Ermittlungen nach drei Jahren abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Siegen hat G. wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffengesetz angeklagt. Das Landgericht Siegen hat darüber noch nicht entschieden; demzufolge gibt es noch keinen Termin für den Prozess. Den Vorwurf, dass der Mann auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen hat, haben die Strafverfolger fallengelassen. Die historischen Kriegswaffen von G. unterliegen diesem Gesetz nicht mehr, erläuterte Pressesprecher Patrick Baron von Grotthuss gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Bei einer Hausdurchsuchung Ende 2014 hatten die Ermittler in seinem Wohnhaus in einem Ortsteil von Burbach eigentlich nur nach belastenden Dokumenten für seine kurz zuvor aufgeflogenen Betrügereien gestöbert. Im Keller stießen sie überraschend auf ein beachtliches Militaria-Waffenlager.

„Die Funde erwecken den Anschein, dass es sich bei dem Beschuldigten um einen typischen Militaria-Sammler handelt, der über das Ziel einer legalen Sammlung weit hinausgeschossen ist“, sagt Baron von Grotthuss.

Er ist auch der zuständige Dezernent in diesem Verfahren und legt Hans-Martin G. den unerlaubten Besitz mehrerer Schusswaffen und einer großen Menge Munition zur Last; dazu tateinheitlich einen Verstoß gegen das Sprenggesetz wegen des Besitzes explosionsgefährlicher Stoffe.

Sportschütze

Der Banker besaß als Sportschütze eine Waffenbesitzkarte, die lediglich zum Führen von jeweils zwei bestimmten Kurz- und Langwaffen berechtigte. Die in der Anklageschrift aufgeführten Waffen sowie die Munition waren von der Erlaubnis nicht umfasst und damit illegal in seinem Besitz.

Zu den „Prunkstücken“ der Sammlung gehörten zwei Maschinengewehre. Eines mit Lafette (ein fahrbares Gestell, auf dem eine Waffe montiert werden kann) war zerlegt, konnte aber mit den vorhandenen Teilen zu einer vollständigen funktionstüchtigen Waffe zusammengesetzt werden. Die Beamten stellten unter anderem Sturmgewehre vom Typ MP 44 sowie Gewehre vom Typ 98 sicher. Außerdem verschiedene Büchsen und Repetierbüchsen, eine Vorderschaftrepetierflinte (eine sogenannte Pumpgun) und ein Fallmesser. Dazu Hunderte (teilweise Manöver-)Patronen. An Pyrotechnik beziehungsweise pyrotechnischer Munition fanden die Ermittler Leuchtkörper und Leuchtpatronen.

Hans-Martin G. hat sich nach Angaben der Siegener Staatsanwaltschaft zum Tatvorwurf bislang nicht geäußert. Das Strafmaß richtet sich nach der höchsten Strafandrohung (Paragraf 51, Absatz 1 WaffG). Demnach wäre eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren möglich.

Bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt laufen die Ermittlungen gegen den Ex-Bankdirektor wegen Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und Unterschlagung. G. ist geständig und, weil die Strafverfolger keine Fluchtgefahr sehen, auf freiem Fuß.

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