E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 15°C

Umwelt: Warum die Stadt Unkraut mit Glyphosat bekämpft

Von Das hochgiftige und umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird mit Genehmigung der Stadtverordneten auch von der Stadt Limburg eingesetzt.
Dass Glyphosat hochgiftig ist, bestreitet niemand. Im Kampf gegen Unkraut gilt es jedoch als extrem effektiv. Foto: Christian Ohde (chromorange) Dass Glyphosat hochgiftig ist, bestreitet niemand. Im Kampf gegen Unkraut gilt es jedoch als extrem effektiv.

Ob es am Ende der Sondierungen in Berlin wieder eine große Koalition geben wird, hängt sicherlich nicht vom umstrittenen Herbizid Glyphosat ab. Aber die geschäftsführende Bundesumweltministerin von der SPD und viele andere Sozialdemokraten waren ziemlich erbost über das Verhalten des CSU-Landwirtschaftsministers, sich bei der EU – trotz anderer Absprache – für den weiteren Einsatz von Glyphosat eingesetzt zu haben.

„Warum schafft es die Stadt Limburg auch im 2. Jahr unter einem SPD-Bürgermeister nicht, auf Glyphosat auf öffentlichen Plätzen zu verzichten, obwohl ihre Ministerin in Berlin genau dies EU-weit fordert?“, fragte Dr. Sebastian Schaub (Grüne) in seiner Haushaltsrede.

Ausschuss dafür

Eine direkte Antwort von Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) bekam er in der Sitzung nicht. Diese Zeitung fragte in der Stadtverwaltung nach. Pro Jahr verwende die Stadt 23 Liter Glyphosat, teilt Sprecher Johannes Laubach mit. Das Insektizid werde „sparsam“ ausgebracht; es wird mit Wasser extrem verdünnt. Es werde verwendet, „weil es mit Abstand das wirksamste Mittel“ gegen Unkraut sei. „Es gibt nichts Besseres auf dem Markt.“ Nach einer Vorlage des Magistrats von 2015 darf Glyphosat in Limburg mit Genehmigung des Regierungspräsidiums Gießen unter anderem auf sämtlichen Friedhöfen einschließlich des Domfriedhofs, auf allen Domtreppen, am Brückenturm, im ICE-Gelände, auf dem Bahnhofsplatz und im Stadtpark Blumenrod eingesetzt werden.

Bürgermeister Hahn verweist nach Laubachs Angaben auf einen Beschluss des Umweltausschusses von Februar 2016. Die Grünen hatten damals auf Initiative von Leo Vanecek beantragt, „wegen der nicht auszuschließenden Gesundheitsgefährdung durch die Anwendung glyphosathaltiger Herbizide“ den städtischen Betriebshof anzuweisen, „bis auf weiteres“ auf Glyphosat zu verzichten. Dieser Antrag wurde abgelehnt – CDU, SPD und FDP stimmten dagegen,

Bereits im September 2015 hatte der Magistrat Stellung genommen zu Vaneceks Antrag, den Einsatz von Glyphosat zu verbieten. In der vom Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) unterschriebenen Vorlage rechtfertigt die Verwaltung den Einsatz von Glyphosat damit, weil sich die Bekämpfung von Unkraut auf Grün- und Pflasterflächen mit Infrarot- und Abflammgeräten als „äußerst uneffektiv und unwirtschaftlich“ erwiesen habe. Diese Art der Unkrautbekämpfung sei zudem „sehr zeit- und kostenintensiv“ gewesen. Deshalb hätten die Stadtverordneten im Juni 2001 das Verbot von Herbiziden und Pestiziden aus dem Jahr 1985 aufgehoben. Trotz Versuchen, auf giftfreie Unkrautbekämpfung zu setzen, bleibe die Erkenntnis: „Die effektivste und gleichzeitig kostengünstigste Art der Unkrautbekämpfung ist und bleibt nach wie vor der Einsatz von Glyphosat“, schreibt Stanke.

Besorgniserregend

Dennoch ist sich die Verwaltung der „gravierenden gesundheitlichen Risiken“ von Glyphosat bewusst. Schon in geringsten Konzentrationen gebe es „besorgniserregende“ Hinweise unter anderem auf Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen und Schädigungen des Erbguts.

Doch es folgt gleich die Entwarnung: Glyphosat sei nur gefährlich, wenn es durch die Nahrung aufgenommen werde. „Bei einer Anwendung in der Grünpflege bestehen diese Gefahren jedoch nicht bzw. sind nur äußerst gering“, schreibt Stanke. Denn es sei unter anderem darauf zu achten, dass Glyphosat nicht in Regenwassersammler und in die Kanalisation gelange.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen