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Abschied vom „Staats-Förster“: Warum immer mehr Gemeinden Hessen-Forst kündigen und private Sachverständige beauftragen

Selters (Taunus) hat’s bereits getan. Mengerskirchen auch. Jetzt steigt Dornburg als dritte Gemeinde im Kreis aus der staatlichen Beförsterung aus. Andere könnten folgen.
Mitarbeiter des staatlichen Forstamtes beraten Kommunen. Immer wieder erklären sie auf Waldbegängen Kommunalpolitikern und Bürgern ihre Planungen, wie hier im Bild Jörg Deutschländer-Wolff vom Forstam Weilburg bei einem Ortstermin in Hadamar. Foto: Heike Lachnit Mitarbeiter des staatlichen Forstamtes beraten Kommunen. Immer wieder erklären sie auf Waldbegängen Kommunalpolitikern und Bürgern ihre Planungen, wie hier im Bild Jörg Deutschländer-Wolff vom Forstam Weilburg bei einem Ortstermin in Hadamar.
Limburg-Weilburg. 

Das war eine böse Überraschung für die Gemeinde Dornburg. Der Landesbetrieb Hessen Forst hat die Kosten für die Beförsterung der 804 Hektar Gemeindewald kräftig angezogen. Und zwar um satte 14 Prozent. Und das war erst der Anfang. Bis 2025 werden die Kosten jährlich um knapp 4,2 Prozent steigen. Über den groben Daumen gepeilt, müsste Dornburg dann Mehrkosten von rund 20 000 Euro berappen, sagt Bürgermeister Andreas Höfner (CDU). Bisher zahlt die Kommune rund 50 000 Euro pro Jahr für die Beförsterung durch Hessen Forst.

Deshalb hat die Gemeindevertretung jetzt die Notbremse gezogen und beschlossen, die staatliche Beförsterung vorsorglich aufzukündigen. „Ansonsten sind wir bei Hessen Forst gekniffen und gefangen“, sagt Höfner, der hofft, künftig bessere Konditionen zu bekommen. Gleiches hofft er übrigens auch in Sachen Forsteinrichtungswerk, das nun nach zehn Jahren ausläuft und das die Gemeinde neu beauftragen muss. Diesmal wolle man auch Angebote von privaten Unternehmen einholen. „Wir erwarten günstigere Konditionen“, sagt Höfner. Bisher war Hessen Forst für die Forsteinrichtung des Dornburger Gemeindewalds zuständig.

Kritik auch ein Info-Politik

Mit dem Ausstieg aus der staatlichen Beförsterung sieht Höfner gute Chancen, künftig auch an der Holz-Ernte besser zu verdienen. Bisher erhält die Gemeinde weniger als zehn Euro pro geschlagenen Hektar Holz. Dabei seien auf dem Markt Preise von bis zu 150 Euro pro Hektar möglich, sagt Höfner.

Wer wann was an Bäumen erntet, das regelt bisher vielerorts noch der „staatliche Förster“. Doch das Land will mehr Geld für diesen Service. Dornburg will deshalb kündigen.

Dornburg ist nicht die erste Gemeinde, die Hessen Forst den Rücken kehrt. Die Gemeinden Mengerskirchen und Selters haben diesen Schritt bereits vor einigen Jahren gewagt. In Selters spielten damals finanzielle Gründe jedoch eine untergeordnete Rolle – auch wenn die Kommune mit den Jahresergebnissen nicht zufrieden gewesen sei, wie Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) zugibt. Hessen Forst verlangte damals für die Beförsterung von etwas mehr als 1000 Hektar Gemeindewald 60 000 Euro. Die Firma Forstservice Taunus GmbH & Co. KG bot ihre Dienste für 51 000 Euro an und bekam den Zuschlag. Allerdings ist vertraglich eine Staffelung der Kosten vereinbart, so dass sich die Kosten inzwischen auf 59 000 Euro erhöht haben.

Ausschlaggebend für den Ausstieg Selters Ende 2013 war laut Hartmann die Unzufriedenheit über die schlechte Zusammenarbeit mit dem zuständigen Forstamt gewesen. „Die Informationspolitik war nicht zufriedenstellend“, sagt er.

Die aktuelle Forsteinrichtung wurde bereits im Jahre 2011 durch die Hessen-Forst Servicezentrum Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) erstellt und läuft bis Ende 2021. Ob Selters die kommende Forsteinrichtung ebenfalls durch die FENA erstellen lässt, lässt Bürgermeister Hartmann noch offen. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen müsse die Auftragsvergabe zur Erstellung einer neuen Forsteinrichtung öffentlich ausgeschrieben werden. „Der Zuschlag geht an das Unternehmen, welches das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat“, sagt er.

Für Selters sei der Ausstieg aus der staatlichen Beförsterung die richtige Entscheidung gewesen, sagt Hartmann. Ob Selters damit Vorbild für andere Gemeinden sein könne? Der Bürgermeister hält sich bedeckt. „Jede Kommune muss für sich selbst entscheiden, ob ein Ausstieg in Frage kommt. Bei den Überlegungen spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle“, sagt er.

Dass Hessen Forst die Kostenbeiträge für die Beförsterung erhöht, hat einen einfachen Grund: Der Landesbetrieb hat in den vergangenen Jahren nicht wirtschaftlich gearbeitet – im Schnitt betrug die Unterdeckung 4,3 Millionen Euro. Deshalb hat er nun die Vorgabe bekommen, in Zukunft kostendeckend zu wirtschaften.

Hessen Forst geht derweil noch davon aus, dass die 17 von ihm betreuten Kommunen die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Ein Trugschluss, wie Bürgermeister Höfner weiß. Er kenne auch mindestens eine Gemeinde im Südkreis, die ebenfalls überlege, Hessen Forst den Rücken zu kehren. Welche das ist, ließ er offen. Sollten noch weitere Kommunen aussteigen, könnte das neue Probleme mit sich bringen, weiß Höfner. „Dann geht nämlich der Run auf die nichtstaatlichen Anbieter los“, sagt er. Und das könne die Preise in die Höhe treiben, befürchtet er.

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