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Tag des Geotops: Wenn Steine Geschichte erzählen

Der Unica-Steinbruch ist etwas Besonderes: Versteinerungen dieser Art gibt es nur noch in Australien und Kanada. Am Tag des Geotops, kommenden Sonntag, können sich Interessierte erklären lassen, was es dort zu sehen gibt – und dabei tief in die Erdgeschichte eintauchen.
Wo Axel Becker hinzeigt, herrscht Zerstörung: Das Durcheinander in der Felswand des Unica-Steinbruchs hat ein Tsunami oder Wirbelsturm verursacht. Darunter ist in weiß ein riesiger Stromatopore zu sehen. Wo Axel Becker hinzeigt, herrscht Zerstörung: Das Durcheinander in der Felswand des Unica-Steinbruchs hat ein Tsunami oder Wirbelsturm verursacht. Darunter ist in weiß ein riesiger Stromatopore zu sehen.
Villmar. 

Der Stromatopore kann sich nicht beklagen: Es war ein gutes Jahr für das Meerestier, es konnte so viel Kalk aus dem Wasser filtern, dass es um mehr als einen Zentimeter gewachsen ist. Wir befinden uns etwa 380 Millionen Jahre vor Christus. Villmar liegt damals 20 Grad südlich des Äquators – und im Meer. Es hat angenehme 24 Grad, der rund einen Meter lange Stromatopore bekommt genügend Sonnenlicht, um glücklich zu sein. „Das sieht man an den Ringen“, sagt Axel Becker vom Verein Lahn-Marmor-Museum, und zeigt auf den weißen Fleck im roten Kalkstein, der von Kreisen durchzogen ist. „Wie bei Baumringen sieht man genau, welche klimatischen Bedingungen damals herrschten.“

Eine Koralle (links unten der Strunk). Wo die Steinsäge die Ärmchen quer durchschnitten hat, sieht man sie als Punkte. Bild-Zoom
Eine Koralle (links unten der Strunk). Wo die Steinsäge die Ärmchen quer durchschnitten hat, sieht man sie als Punkte.

Das rötliche Gestein, das heute am westlichen Rand Villmars aus dem Wald ragt, war vor rund 380 Millionen Jahren ein Riff. Genauer gesagt ein Stromatoporenriff. Diese Tiere, die mehr als einen Meter groß werden konnten, werden zu den Schwämmen gerechnet und bestanden aus Kalk. Riffe, die vor allem aus Stromatoporen (und nicht etwa aus Korallen) bestanden, sind außer in Villmar nur noch in Australien und Kanada bekannt.

Jahrhundertelang hatte das Meer rund um Villmar Stromatoporen, Korallen oder Seelilien keine Lebensgrundlage geboten. Die Landmasse begann erst bei Köln, das Meer war 200 Meter tief. Doch ein Vulkan bei Gräfeneck hat hier seine Spuren hinterlassen: Der erkaltete Lavastrom lag nur noch 50 Meter unter der Oberfläche. „Ideal für ein Riff“, sagt Becker.

Verein feiert 20-jähriges Bestehen

Der Verein Lahn-Marmor-Museum wurde in dieser Woche 20 Jahre alt. 56 Personen – Steinmetze, Geologen, Unternehmer, Politiker und weitere Interessierte – hatten sich am 11.

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3,30 Meter ist die untere Wand des Villmarer Steinbruchs hoch – rund 3000 Jahre Riff-Existenz sind hier versteinert. Neben Stromatoporen lebten dort Korallen (in der Wand meist eine Ansammlung von Punkten, da die Ärmchen durchschnitten wurden) und Seelilien: Tiere, die wie eine Lilie aussahen, aber wie Seesterne zu den Stachelhäutern gehörten (in der Wand zigarrenförmig – oder punktförmig, wenn sie vor der Versteinerung umgefallen sind).

Der Stil einer Seelilie. Dieses Meereslebewesen, eine Art Seestern in Form einer Lilie, ist mittlerweile ausgestorben. Bild-Zoom
Der Stil einer Seelilie. Dieses Meereslebewesen, eine Art Seestern in Form einer Lilie, ist mittlerweile ausgestorben.

Knapp über dem Stromatoporen zieht sich eine dunkelrote Linie durch den Steinbruch. Obwohl sie mehrere Zentimeter dick ist, zeigt sie die Folge eines einzigen, turbulenten Tages: Ein Wirbelsturm oder ein Tsunami sind über das Riff hinweggefegt und haben es zerstört. Die vielen Kleinteile sind der Schutt, der übrig blieb, als der Sturm sich verzogen hatte.

Weil sie poröser sind als beispielsweise Stromatoporen, sind sie röter als die übrige Wand. Denn rot war der Villmarer Marmor nicht von Anfang an: Am Ende des Devon-Zeitalters war die Erde besonders aktiv. Erdplatten verschoben sich, Laurussia, der Kontinent, auf dem Villmar damals lag, wanderte nach Norden. Das Riff tauchte aus dem Meer auf, im Boden entstanden kilometerlange Risse. Durch diese Risse floss Wasser ins Erdinnere, wo es viel wärmer war als auf der Oberfläche – das Eisen im Wasser löste sich, sickerte ins Gestein und färbte es rot. Der Stromatopore war da schon lange tot und vom Druck der darüberliegenden Gesteinsschichten zusammengepresst, weshalb er weiß blieb. Dass er einmal glücklich war, sieht man aber bis heute.

Am Tag des Geotops

am kommenden Sonntag, 17. September, bietet der Verein Lahn-Marmor-Museum noch mehr Informationen über das Leben im Devon und den Steinbruch. Um 11, 13 und 15 Uhr gibt es kostenlose Führungen durch den Steinbruch. Das Lahn-Marmor-Museum in der Oberau 4 in Villmar ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Auf dem Außengelände zeigt ein Steinmetz sein Handwerk. Von 10 bis 15 Uhr gibt es stündlich Steinmetz-Workshops. Reservierungen sind unter info@lahn-marmor-museum.de möglich. Die Teilnahme kostet pro Kind fünf Euro.

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