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Brechener Bürgermeister: Werner Schlenz war gerne Bürgermeister

Von Ende des Monats endet die Amtszeit des Brechener Bürgermeisters Werner Schlenz. Der 54-Jährige war dann zwölf Jahre Rathaus-Chef, außerdem Sprecher der Bürgermeister im Kreis Limburg-Weilburg. Er wechselt in die freie Wirtschaft, wird Geschäftsführer bei der Lebenshilfe. Sein Nachfolger Frank Groos übernimmt zum 1. Dezember die Geschäfte.
Der Schreibtisch ist noch gut gefüllt – auch in den letzten Tagen gibt es für Bürgermeister Werner Schlenz noch einiges zu tun. Die Wand im Hintergrund ist leer: Er hat die Bilder schon abgeräumt und alles frisch streichen lassen für seinen Nachfolger Frank Groos. Foto: Petra Hackert Der Schreibtisch ist noch gut gefüllt – auch in den letzten Tagen gibt es für Bürgermeister Werner Schlenz noch einiges zu tun. Die Wand im Hintergrund ist leer: Er hat die Bilder schon abgeräumt und alles frisch streichen lassen für seinen Nachfolger Frank Groos.
Brechen-Niederbrechen. 

Das Arbeitszimmer ist keine 20 Quadratmeter groß, der Schreibtisch mit Computer noch mit Unterlagen belegt. Ein runder Tisch steht auf der anderen Seite des Raumes. „Den habe ich als erstes eingeführt“, sagt Werner Schlenz. Dafür musste die große Truhe der Amtmann-Finger-Stiftung weichen. „Da waren die Schätze der Stiftung drin“, schmunzelt der 54-Jährige. Aber nein: Die Räumlichkeiten waren und sind gut genutzt. Der parteilose Brechener Bürgermeister hat außerdem etwas geschafft, auf das schon sein Amtsvorgänger Bernhard Königstein zu Recht stolz sein konnte: Die Haushalte der Gemeinde sind in der Summe ausgeglichen, Brechen hat die zweitniedrigste Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis und steht trotz der großen Sparsamkeit sehr gut da.

2,7 Millionen Euro für die Sportplätze, 4,5 Millionen Euro für die Kulturhalle, der Kauf zweier Kindergärten, der Bau der Kinderkrippe und des neuen Bauhofs: „Wir haben versucht, die Infrastruktur gut aufzustellen und die Gemeinde zukunftsfähig zu machen“, sagt der Bürgermeister dazu. Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn: Er freut sich sehr auf die neuen Aufgaben. Die Arbeit als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde hat dem Werschauer aber auch viel Freude gemacht.

Die Politik funktioniert

Dies mag daran liegen, dass die Politik in Brechen funktioniert. „Im Großen wie im Kleinen“, sagt Werner Schlenz. Fünf politische Gruppierungen gibt es in der Gemeindevertretung, doch diskutiert werde sachorientiert, „nicht, um sich zu profilieren“. Er weiß: „Allen ist wichtig, dass da keine Energie verpufft.“ Ähnlich arbeitet auch die Gemeindeverwaltung. „Zwölf Stellen, schlanker geht es nicht bei einer Kommune dieser Größenordnung“, sagt der Rathaus-Chef. Knapp 7000 Einwohner werden hier betreut. Das funktioniere auch nur, weil die Kollegen sich engagierten, ebenso wie die vielen Ehrenamtlichen in der Politik und dem sehr aktiven Vereinsleben.

Und: Brechen hat mit drei Ortsteilen und einer relativ hohen Bevölkerungsdichte das Glück, dass alles nah beieinanderliegt. Ein struktureller Vorteil gegenüber anderen Kommunen, der sich auch finanziell bemerkbar macht, zum Beispiel bei der Abwasserentsorgung. „Wir liegen nahe an den Gewässern und haben hier eine gute Partnerschaft mit Hünfelden, Selters und Bad Camberg.“ Eine Parallele zu seiner künftigen Arbeit als kaufmännischer Geschäftsführer der Lebenshilfe und zuständig für die Lebenshilfe sieht er schon jetzt: „Es ist immer wenig Geld da, gerade im sozialen Bereich, und man muss sehen, dass man es möglichst effektiv einsetzt.“

Dies sei in Brechen stets gemeinsam gelungen. Pflicht und Kür: Wenn die Basis stimmt, dann sind auch weitere Aufgaben, die vielleicht nicht unbedingt nötig sind, aber zur Lebensqualität beitragen, gut zu leisten. Seinem Nachfolger Frank Groos wünscht er, dass dieses gute Klima Bestand hat. Doch eigentlich hat er daran keinen Zweifel. Gerade in einer kleinen Gemeinde wie Brechen werde deutlich, dass der Mensch im Mittelpunkt steht – nicht nur in der täglichen Arbeit, sondern gerade auch in der Politik. „Früher wurde vielleicht mehr nach Parteien geschaut. Aber hier, wo jeder jeden kennt, ist es klar: Die Leute wählen Menschen und nicht Parteibücher.“ Das gelte für das Bürgermeisteramt, aber auch für die ehrenamtlich Tätigen. Und gerade hier möchte er eine Lanze brechen: Die ungeheure Arbeitsleistung, die die vielen Ehrenamtlichen für ihre Gemeinde erbrächten, sei der Anerkennung wert. „Die Bürger könnten es den Mandatsträgern etwas leichter machen“, sagt Werner Schlenz. „Das hat auch etwas mit Respekt zu tun jedem Parlamentarier gegenüber, der nur das Beste für seine Gemeinde will.“

Verwalten, aber auch gestalten – so könnte man die Arbeit des Bürgermeisters in Brechen beschreiben. „Für mich war es ein Riesen-Vorteil, dass ich aus der Verwaltung kam und mir daher viele Dinge leicht gefallen sind. Damit hatte ich Freiräume für anderes“, sagt der 54-Jährige. Seinem Nachfolger Frank Groos geht es ähnlich – auch er ist ein Verwaltungsfachmann. Ihm wünscht er jetzt „eine lebensbejahende, positive Energie und auch gute Nerven. Die braucht man in dem Job“. Es bleibe genug zu tun, angefangen von der Emstalhalle in Oberbrechen bis hin zu den vielen kleinen Dingen, die die Menschen bewegen.

Dann ist da natürlich auch das rege Vereinsleben, das die Gemeinde nicht nur fördert, sondern an dem auch der Bürgermeister Teil hat. Werner Schlenz will das beibehalten. Nur: Er hat demnächst eine andere Aufgabe, und dann wird man ihn nicht mehr ganz so häufig bei Terminen sehen. Aber er will es genießen, mit seiner Frau „keine acht Fastnachtsveranstaltungen und fünf bis sechs Konzerte“ mehr zu besuchen, sondern vielleicht mal nur eines. „Aber das dann mit umso mehr Freude“.

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