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Praxis in Oberbrechen geschlossen: Wie bekommt man Ärzte aufs Land?

Von Seit acht Monaten ist die Hausarztpraxis in Oberbrechen geschlossen. Teil des Ärzte-Problems, das es kreisweit gibt. Die Brechener arbeiten an einer Lösung.
Blutdruckmessen gehört zu den Standardverfahren in der Hausarztpraxis. Foto: Petra Hackert Blutdruckmessen gehört zu den Standardverfahren in der Hausarztpraxis.
Brechen. 

Ein Jahr hatte Hausarzt Dr. Roland Couve in Oberbrechen einen Nachfolger für seine Praxis gesucht, vergeblich. Seit September ist sie geschlossen. Die Patienten werden von den Ärzten der beiden Praxen in Niederbrechen mit betreut – oder wechseln in Nachbargemeinden. Die Gemeinde Brechen hat reagiert – unter anderem mit einem „Runden Tisch“. „Uns war wichtig, alle Global Player zusammenzubringen“, sagt Bürgermeister Frank Groos (parteilos). Das Problem ist damit freilich noch nicht gelöst. Grundsätzlich müssen aber Weichen gestellt werden. Darüber waren sich alle Fraktionen in der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend in Werschau einig.

Die Vorgespräche am „Runden Tisch“ und das Gesundheitsforum, das der Kreis Limburg-Weilburg ganz bewusst in Brechen abgehalten hatte, brachten eine Diskussion in Gang: Könnte ein MVZ, ein Medizinisches Versorgungszentrum, eine Alternative zur herkömmlichen Hausarztpraxis sein? Der Vorteil: Die Ärzte sind angestellt, tragen nicht das Risiko der Selbstständigkeit. Es gibt aber auch Nachteile, berichtet Frank Groos: „Beispiele des MVZ Weilmünster zeigen, dass hier eine extrem hohe Fluktuation an Ärzten besteht, so dass dort inzwischen 76-jährige Ärzte wieder reaktiviert werden, um die ärztliche Versorgung in diesem MVZ sicherzustellen.“ Diese Fluktuation sorge dafür, dass keine persönliche Bindung zum Patienten aufgebaut werden könne.

Die Belastungen sind groß. Welcher junge Mediziner ist heutzutage noch bereit, eine eigene Praxis zu führen? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Hälfte aller Hausärzte im Kreis ist 60 Jahre und älter. Da wird es schwierig, in einem relativ engen Zeitraum genügend Nachfolger zu finden. „Das Modell des Landarztes, mit dem man aufwächst und der die Familie über Jahrzehnte begleitet, ist vielleicht wünschenswert, aber ob diese im ländlichen Raum früher übliche ärztliche Betreuung noch zu realisieren ist, ist sicher fraglich“, so Groos.

Gesundheitszentrum

Auch wenn die Institution eines MVZ durchaus kritisch bewertet werde, könne eine Kooperation mit einem etablierten Gesundheitsanbieter, wie zum Beispiel dem St.-Vincenz-Krankenhaus, eine Option sein. Ein solches Modell wäre eher als „Gesundheitszentrum“ zu bezeichnen, so der Bürgermeister.

Die Freien Wähler Brechen und die örtliche CDU hatten jetzt Anträge gestellt, um das Thema voranzubringen. „Alle Akteure weiterhin an einen runden Tisch zu bringen hat der Ausschuss für Soziales als gute Idee bewertet“, erläuterte dessen Sprecher Peter Tiefenbach. Der Fraktionsvorsitzende der CDU Sebastian Frei erklärte den Vorschlag der Christdemokraten, die Einrichtung eines Gesundheits- und Sozialzentrums zu prüfen, außerdem eine fachliche Beratung/Begleitung in diesen Prozess einzubringen. Klar sei: „Uns ist wichtig, dass es vorangeht mit dem Ziel, das Problem zeitnah zu lösen. Wir haben keine Priorität in irgendeine Richtung.“

Alle an einen Tisch

FWG-Sprecher Gerd Roos, selbst Allgemeinmediziner und in Beselich niedergelassen, stellte fest: „Zur langfristigen Sicherung der gesundheitlichen Versorgung unserer Gemeinde mit allen ihren Sparten ist nicht der Bau eines Gesundheitszentrums das primär zielführende Projekt, sondern die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung vor Ort.“ Nur dort, wo ärztliche Praxen bestünden, siedelten sich weitere Anbieter von Gesundheitsleistungen an. „Konkret heißt dies zum Beispiel, dass sich ohne Ärzte am Ort auf Dauer auch keine Apotheke halten kann.“ Die Gemeindevertretung hat daher einstimmig beschlossen, den „Runden Tisch“ fortzuführen, die Fraktionsvorsitzenden und die Vorsitzende der Gemeindevertretung mit einzubeziehen, zusätzlich aber auch die Kassenärztliche Vereinigung.

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