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Rettung aus Riesending-Höhle: Wie ein Neurochirug zur Höhlenrettung gerufen wurde

Er ist gerade noch auf der Arbeit, als seine Handy klingelt – auf dem Display eine Salzburger Nummer. Dr. Michael Petermeyer aus Diez weiß, dass wird ein dramatischer Einsatz.
Dr. Petermeyer im Höhleneinsatz. Dr. Petermeyer im Höhleneinsatz.
Diez. 

Als am Dienstag vergangener Woche die Salzburger Nummer im Display des Handys aufleuchtet, weiß Dr. Michael Petermeyer schon Bescheid, noch bevor er das Gespräch angenommen hat. In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgarden ist Johann Westhauser von einem Steinschlag überrascht worden und wartet jetzt 1000 Meter unter der Erdoberfläche, schwer am Kopf verletzt, auf Hilfe.

Der Neurochirurg, gerade noch auf dem Weg zur Arbeit, versorgt seine Patienten, sagt weitere Sprechstunden ab und rafft in Wiesbaden schnell die Ausrüstung zusammen. Von Frankfurt geht’s per Flieger nach Salzburg, dann weiter mit dem Hubschrauber zur Einsatzzentrale nahe der Höhle. Noch am gleichen Abend ist der Diezer Arzt, der ebenfalls einen guten Ruf als Abenteurer und Retter auf Bergen, auf Schiffen, im ewigen Eis und in Höhlen genießt, als medizinischer Leiter vor Ort.

Bilderstrecke Verletzter Höhlenforscher wird geborgen
Der verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser wird aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden geborgen. Foto: Markus Leitner/BRK BGL/dpaDer Transport des Verletzten liegt gut im Zeitplan. Foto: BRK/Bergwacht Bayern/dpaNach Angaben der Bergwacht haben die Retter am 16.06.2014 bereits Biwak 3 in rund 700 Metern Tiefe erreicht. Foto: BRK/Bergwacht Bayern/dpa

Als die Helfer am Montagmorgen in 700 Meter Tiefe mit dem Verletzten im Gepäck Biwak 3 erreichen, ist Petermeyer schon wieder zurück in der Grafenstadt – „so was von am Ende“, aber dennoch tief bewegt. Rund um die dramatische Rettungsaktion hat er erlebt, wie Menschen verschiedener Nationen innerhalb von Tagen zusammen- und dann über sich hinausgewachsen sind. „Großartig“, nennt der Höhlenretter das Geschehen, es war „gelebtes Europa“. Auch für die Helfer im verwinkelten Schacht hat Petermeyer, der in der vergangenen Woche selbst kaum geschlafen hat und die Belastung aus ähnlichen Einsätzen kennt, nichts als Anerkennung übrig: „Eine Riesenleistung.“

Die erste medizinische Einschätzung hat der Diezer Arzt noch am Telefon vorgenommen und auf die Verdacht-Diagnose hin erste Empfehlungen gegeben. Vor Ort muss dann die Lage konkreter eingeschätzt werden: Ist der Patient transportfähig? Wie kann er transportiert werden? Petermeyer organisiert die medizinische Vorbereitung für die Bergung und besorgt sich sicherheitshalber einen Bohrer für den extremen Notfall. Wäre es (zum Beispiel bei Blutungen) nötig gewesen, wäre der Chirurg zum Verletzten hinabgestiegen – zum Eingriff unter Tage. Heißt: Dann hätte zwecks Entlastung vom Druck der Schädel geöffnet werden müssen . . . Mit Ab- und Aufstieg ein Aufwand von drei Tagen.

Inzwischen ist die Not-OP im Berg unwahrscheinlich geworden. Mit ein Grund dafür, dass der Arzt („ich bin selbstständig, habe Patienten“) wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren konnte.

Nicht auszuschließen, dass dem Mediziner eine weitere Zugfahrt bevorsteht, sobald die unterirdische Schicksalsgemeinschaft die Oberfläche erreicht.




 
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