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Flüchtlinge in Limburg und Region: Wie sich ein Niedertiefenbacher Rentner um Flüchtlinge kümmert

Von Es ist Erntezeit in einem Nutzgarten in Niedertiefenbach. Ein besonderer Nutzgarten: Asylbewerber haben hier Gemüse angebaut, um etwas Sinnvolles zu tun. Die Idee dazu hatte Klaus Schneider, 76 Jahre, Rentner aus dem Ort. Sein Ziel: Zeigen, dass „es“ zu schaffen ist.
Klaus Schneider (links) ist stolz auf sein gelungenes Gemüsegartenprojekt. Foto: Klöppel, Robin Klaus Schneider (links) ist stolz auf sein gelungenes Gemüsegartenprojekt.
Beselich-Niedertiefenbach. 

Nichts polarisiert die deutsche Gesellschaft derzeit mehr als Diskussionen über Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Der Niedertiefenbacher Rentner Klaus Schneider hat nicht über Flüchtlinge, sondern lieber mit Flüchtlingen gesprochen. Als die ersten von ihnen in der Brückenstraße und dann auch im früheren Gasthof „Niedertiefenbacher Hof“ einzogen, machte er sich gemeinsam mit Gisela Stippler auf den Weg zu den Neuankömmlingen. Sie organisierten dreimal wöchentlich Sprachkurse, eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder und auch Fahrräder, damit die vorübergehenden Bewohner alleine zum Einkaufen nach Obertiefenbach kommen können.

„Es läuft“, sagt Klaus Schneider. Ein 76-Jähriger, der „es“ schaffen kann – weil er es schaffen will. Der den Flüchtlingen aus dem Iran und dem Irak, Eritrea und Syrien hilft, schnell Deutsch zu verstehen und zu sprechen und der sie unermüdlich unterstützt, nach der Anerkennung Wohnungen und Jobs zu finden. Gerade sucht er eine Bleibe für eine fünfköpfige syrische Familie. Doch obwohl es in Niedertiefenbach durchaus Leerstand gibt, ist es gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der seine Wohnung an Fremde vermietet. Für Klaus Schneider unverständlich, denn er kann, wie er sagt, nichts Negatives über die Leute sagen.

Studium im Saarland

Auch die Suche nach Jobs gestaltet sich schwierig. Schneider war in mehreren Werkstätten, wollte einen Praktikumsplatz für einen jungen Mann finden – sogar ohne Bezahlung. Doch überall wurde er abgelehnt, weil ein Flüchtling ohne Anerkennungsstatus nicht offiziell arbeiten dürfe. Klaus Schneider hat trotzdem mit seiner Hartnäckigkeit schon einiges erreicht. Ein junger Flüchtling hat sich derart gut integriert, dass er im Saarland ein Studium beginnen wird. Ein anderer hat eine Lehrstelle gefunden.

Schneider sagt, dass er nicht will, dass die, über deren Zukunft noch nicht entschieden ist, den ganzen Tag über nur gelangweilt in ihren Zimmern herumsitzen. Also beschaffte er ihnen eine sinnvolle Beschäftigung. Zur Gemeinschaftsunterkunft in der Brückenstraße gehörte ein verwildertes Grundstück, das er zusammen mit den Flüchtlingen gerodet und in einen Nutzgarten umgewandelt hat. Nun bauen sich die Asylbewerber dort selbst Gemüse und Kartoffeln für den Eigenbedarf an und haben eine sinnvolle Aufgabe. „Hier ist es egal, ob der eine aus dem Irak und der andere aus dem Iran ist. Die Leute verstehen sich alle gut“, freut sich der Rentner.

Seit genau zwei Jahren kümmert er sich um die Flüchtlinge. Aktuell sind es 30 Personen, die bis zum Abschluss ihrer Asylverfahren vorübergehend in den beiden Unterkünften leben. Jetzt stehen die Flüchtlinge aus der Brückenstraße alle gemeinsam hier und fahren ihre erste Ernte ein. Gepflanzt haben sie beispielsweise Zwiebeln, Möhren, Zucchini, Tomaten und Mangold. Sie haben etwas für ihren Erfolg getan, den Garten sauber gehalten und mehrmals die Woche gegossen. Jetzt sind sie sichtlich stolz auf das Ergebnis. Selbst gezogenes Gemüse schmeckt eben doppelt so gut.

Für ihren „Papa“

Mit Begeisterung kochen die jungen Männer in Niedertiefenbach täglich für sich und ihre deutschen Unterstützer. Ihr „Papa“ Klaus Schneider ist ein ganz normaler Niedertiefenbacher, ein Rentner, der nicht von Fremden bedroht, verprügelt und als „dummer deutscher Gutmensch“ verspottet wurde. Ein Mensch, der anderen vorurteilsfrei begegnet ist und der dafür Freundlichkeit und Dankbarkeit bekommen hat, wie er berichtet. Das heiße natürlich nicht, dass es überall so geräuschlos funktionieren muss, räumt er ein. Dennoch sei es ihm wichtig gewesen, „dass die Öffentlichkeit auch mal erfährt, dass es funktionieren kann“.

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