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Video zeigt Angreifer, der Fahrradschloss schwingt: Wieder Schlägerei am Bahnhof

Am Freitagabend hat es erneut eine Massenschlägerei am Limburger Bahnhof gegeben. Ein Zeuge spricht von einem „Gewaltexzess“. Dass die Öffentlichkeit erst am Dienstag informiert worden sei, habe organisatorische Gründe, sagt die Polizei.
Trotz Videoüberwachung ist es wieder zu einer Schlägerei gekommen am Bahnhof. Foto: Christof Huels (Christof Hüls) Trotz Videoüberwachung ist es wieder zu einer Schlägerei gekommen am Bahnhof.
Limburg. 

Der Zeuge wirkt auch vier Tage nach dem Vorfall noch betroffen. „Das war schon heftig“, sagt er. Sein Name soll nicht in der Zeitung stehen, er will keinen Ärger. Aber erzählen, was er am Freitagabend sah, das will er. Ein Mann, Italiener, wie die Polizei bestätigt, habe gegen 22 Uhr sein Fahrrad an den Fahrkartenautomat auf Gleis 1 gelehnt, um sich eine Karte zu kaufen. Ein zweiter Mann aus einer Gruppe afghanischer Asylbewerber, auch das bestätigt die Polizei, habe das Fahrradschloss, eine Kette, an sich genommen und damit den Fahrradbesitzer angegriffen. Ein Video, das der NNP vorliegt, zeigt, wie zwei Personen, offenbar Freunde des Angreifers, versuchen, ihn zurückzuhalten. Ein Zugbegleiter wählt die 110.

Alle Beteiligten sind stark alkoholisiert, „die Werte lagen teilweise bei über 1,8 Promille“, sagt Polizeisprecher Markus Hoffmann. Die Schlägerei verlagert sich in den Zug, der abfahrbereit am Gleis steht, dann wieder zurück auf den Bahnsteig. Der Fahrradbesitzer habe sich gewehrt und einen der Angreifer niedergestreckt. „Das war ein Gewaltexzess, sowas hab’ ich noch nicht gesehen“, sagt der Zeuge. „Beide haben geblutet, und ein paar andere auch.“ Ein zweiter Zeuge bestätigt diese Aussage, im Polizeiprotokoll steht davon nichts.

Als die Polizei eintrifft, liegt eine Person auf dem Boden. „Zwei standen drumrum und haben versucht, ihn aufzusetzen. Der Rettungswagen wurde verständigt, der Mann untersucht, aber letztendlich hat sich herausgestellt, dass er keine gravierenden Verletzungen hat“, sagt Hoffmann. Die Schilderung der Zeugen könne er nicht bestätigen, denn was genau passiert sei, wisse die Polizei noch nicht. „Eine Schlägerei ist ein riesiges Durcheinander. Alle sind betrunken und schreien rum, versuchen Sie da mal, jemanden zu befragen.“

Was sicher ist: Die Männer, alle zwischen 22 und 37 Jahre alt, sind außerordentlich aggressiv, greifen sogar die eintreffenden Beamten an. „Wir haben einen Polizeihund eingesetzt, der die Lage befriedet hat“, sagt Hoffmann. Ernsthaft verletzt worden sei nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Die Polizei nimmt die Personalien von vier Personen auf und leitet ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Nur wenige Stunden vorher hatte die Polizei am Freitag eine Pressemitteilung zu „erfolgreichen Maßnahmen“ im Bereich des Bahnhofs herausgegeben, in der sie sich überzeugt zeigte, „dass die Kontrollen, die weiterführenden Ermittlungen und die gesteigerte Präsenz die dortige Lage stabilisieren werden“. Dass die neue Schlägerei erst am Dienstag öffentlich gemacht wurde, habe damit aber nichts zu tun, sagt Hoffmann.

Tatsächlich sei für das Bahngelände die Bundespolizei zuständig, die in der Regel am Wochenende keine Pressemitteilungen verschicke. „Erst am Montagmittag ging der Fall in die Zuständigkeit der Landespolizei über, weil wir hier eine spezielle Sachbearbeitung bezüglich des Bahnhofs haben.“

In den kommenden Wochen würden die Beteiligten vorgeladen und befragt, „sofern sie sich dran erinnern und daran interessiert sind, mit uns zu reden“, sagt Hoffmann. Außerdem würden die private Videoaufzeichnung sowie die Aufnahmen der Überwachungskamera auf dem Gleis ausgewertet. Allerdings, betont Hoffmann, habe bisher keiner der Beteiligten einen Strafantrag gestellt.

Bereits am 9. und am 24. Februar ist es in der Nähe des Bahnhofs zu Massenschlägereien zwischen Afghanen und Türken gekommen. Daraufhin hatte die Polizei Maßnahmen ergriffen, etwa eine Streife verstärkt. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden so am Bahnhof elf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. Diese Häufung legt die Vermutung nahe, dass die Schlägereien die Folge von Revierkämpfen rivalisierender Drogenbanden sind. Doch was auch immer der Grund sei: Die Polizei, sagt Hoffmann, werde mit weiteren Maßnahmen für Sicherheit sorgen.

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