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„Wind-Wahn“ protestiert bei der Staatskanzlei

Villmar. 

Die Bürgerinitiative „Wind-Wahn“ Villmar/Runkel und der HGON-Arbeitskreis Limburg-Weilburg haben sich beim Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, über eine Entscheidung des Hessischen Umweltministeriums beschwert. Die Wiesbadener Behörde hatte es mit Schreiben vom 8. und 15. Juni abgelehnt, die von der Kreisverwaltung erteilte Genehmigung für einen Windmessmast bei Seelbach zu überprüfen und womöglich zu widerrufen. Darauf hatte die BI „Wind-Wahn“ gedrungen und dazu ein Gutachten des Marburger Ornithologen Prof. Kraft vorgelegt.

Kraft war zu dem Schluss gekommen, dass der von einem Recklinghäuser Projektierer geplante Windmessmast unzählige heimische Brutvögel, darunter der geschützte Schwarzstorch, wegen eines hohen Vertreibungsrisikos gefährdet. Die vorgesehenen Abspannseile des Mastes sind nach Einschätzung des Marburger Gutachters für die Vögel problematisch. Kritisch sieht Kraft auch die vorgelegte artenschutzrechtliche Prüfung durch ein Fachbüro, die nach seiner Einschätzung Lücken und Fehlinterpretationen aufweise.

Dieser Auffassung folgte das Hessische Umweltministerium nicht. In getrennten Schreiben an „Wind-Wahn“ und die HGON wies die zuständige Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser auf die unterschiedlichen Maßstäbe hin, die für die Genehmigung von Windkraftanlagen und Windmessmasten gelten; auch besitze die Naturschutzbehörde einen Beurteilungsspielraum. Zu offenkundigen Fehleinschätzungen sei es nach ihrem Dafürhalten nicht gekommen, so Tappeser. Auch habe das Gutachten von Prof. Kraft keinen direkten Bezug zur örtlichen Situation in Seelbach und sei daher nicht verwertbar. Die Staatssekretärin verweist zudem darauf, dass die Abspannseile so markiert werden müssen, dass Vögel durch sie nicht vergrämt werden.

Dagegen halten Wind-Wahn-Vorsitzender Wolfgang Nawroth und HGON-Chef Dieter Stahl an ihrer Einschätzung fest, dass die Errichtung des Windmessmastes gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstößt. Die Begründungen des Umweltministeriums seien „fadenscheinig“. Falsch sei auch die Behauptung, dass Gutachter Kraft nicht auf die örtliche Situation eingegangen sei. Im Gegenteil: Der Steimelskopf als geplanter Standort des Windmessmastes sei ausdrücklich erwähnt. Ganz in der Nähe befinde sich der Horst eines Schwarzstorches. Dies verhindere, dass dort eine ursprünglich geplante Windvorrangfläche ausgewiesen werde. „Obwohl dies dem Projektierer bekannt ist, hält dieser an diesem Standort für seinen Windmessmast fest und plant auf den angrenzenden Flächen zwischen Falkenbach und Arfurt einen Industriepark mit zehn Riesenwindrädern.“

Die untere und die obere Naturschutzbehörde, aber auch das Hessische Umweltministerium hätten die naturschutzrechtlichen Bestimmungen „grob missachtet“. In ihrer Beschwerde an Staatskanzlei-Chef Wintermeyer schreiben Nawroth und Stahl, dass die Vergrämung des besonders geschützten Schwarzstorches offenbar billigend in Kauf genommen werde. Zumal die an den Abspannseilen des Mastes vorgesehenen Markierungen das Vergrämungsrisiko laut dem Gutachten von Prof. Kraft sogar noch erhöhten.

(goe)
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