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Amateurtheater Oase: „Wir haben positiven Stress“

Von Am Samstag ist Premiere der aktuellen Oase-Produktion „Die fremde Stadt“. Regisseur und Schauspieler des Amateurtheaters bleiben gelassen und versehen ihr Werk mit dem letzten Schliff.
Am Samstag ist Premiere in der Oase: Regisseur Oliver Lammersdorf (Mitte) kümmert sich nur noch um die dramaturgische Feinjustierung. Am Samstag ist Premiere in der Oase: Regisseur Oliver Lammersdorf (Mitte) kümmert sich nur noch um die dramaturgische Feinjustierung.
Montabaur. 

Regisseur Oliver Lammersdorf blättert in seinem Textbuch und beginnt zu lachen. So überzeugend haben sich seine Schauspieler gerade in Rage geredet und gespielt, dass er sich mitreißen ließ, ohne mitzulesen. Er sucht die Stelle im Manuskript, hilft mit ein paar Textbrocken aus und taucht wieder in die Dunkelheit des Zuschauerraums ein. Der Regisseur ist zufrieden.

Wenige Tage vor der Premiere von „Die fremde Stadt“ sind bei seinem Ensemble allenfalls noch dramaturgische Feinjustierungen notwendig. Ab und an müssen ein paar Textpassagen geglättet und Anschlüsse deutlicher herausgearbeitet werden, meint er. Das Unbekannte der fremden Stadt aber haben die Oase-Schauspieler längst erkundet. „Wir haben positiven Stress“, beschreibt Darstellerin Gordana Meudt die Stimmung im Team, und dieser Stress sei gut.

Das Theaterstück des britischen Autors John B. Priestley ist Oliver Lammersdorfs dritte Regiearbeit bei der Amateurbühne in Montabaur. Für einige seiner Schauspieler ist es indes ihr Debüt, denn die Hälfte von ihnen sind noch Schüler, berichtet er. Das habe die Probenzeit stark verkürzt und gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet. So hat einer der jungen Darsteller ganz am Anfang vorgeschlagen, eine spontane Kurzfassung des Werks zu spielen, erinnert sich der Regisseur. „Keiner hatte den Text, nur der Inhalt war bekannt, und so haben wir uns dem Stück angenähert“, schildert er. Das sei sehr kreativ und ungemein witzig gewesen, findet er, und darum gehe es schließlich auch bei der Bühnenarbeit.

Manchmal hat das Team auch samstags oder sonntags geprobt, erzählt der Vater von Paulina Scheugenpflug. Zu fast allen Treffen und Proben hat er seine 15-jährige Tochter in das kleine Theater im Industriegebiet „Alter Galgen“ gefahren, hat im Zuschauerraum gesessen, dem Team zugesehen und respektvoll gestaunt, mit welch sicherem Gespür der Regisseur die Rollen besetzt hat und wie die Darsteller und Charaktere verschmolzen sind. Einige Monate lang habe er diese Entwicklung beobachten können, das sei schon eindrucksvoll. Tatsächlich wirkt die Produktion wenige Tage vor der Premiere vollständig. Auch Kostüme, Requisiten und Bühnenbild passen.

 

Mehr Deutlichkeit

 

Das findet auch Spielleiter Lammersdorf. Nur ganz klein sind seine Einwürfe an die Darsteller. Jonathan Heins etwa, der einen eingeschüchtert wirkenden Banker gibt, solle energischer an die Tür der fremden Stadt anklopfen. Das müsse der Zuschauer sehen und hören können, weshalb die Geste ruhig groß angelegt sein dürfe, ermuntert der Regisseur den Schauspieler und wendet sich Michael Musil zu. Auch hier sei noch ein Quäntchen Deutlichkeit nötig: Noch böser soll der Geschäftsmann im Business-Outfit dargestellt werden – etwa so, wie er in einem furiosen Ausbruch zynischer Selbstgerechtigkeit ruft: „Ein typischer Erwerbscharakter mit einem Hang zum Asozialen“, das soll Musil auf der Bühne sein.

Eine größere Portion liebevolle Energie empfiehlt Lammersdorf noch rasch Gordana Meudt, die eine weise, alte Frau spielt, zunächst auf einer Bank sitzend, dann bedächtigen Schrittes über die Bühne gehend. Noch mehr und lebendiger lächeln soll sie. Die Schauspielerin strahlt und lässt die wütenden Geschäftsmann-Tiraden ebenso an sich abperlen wie die kunstvoll gedrechselten Repliken eines englischen Adligen (Tobias Kuczera), der lässig mit einem Golfschläger hantiert. Oliver Lammersdorf ist zufrieden, winkt die Szene weiter. Das ohnehin lange Stück vertrage durchaus mehr Tempo, findet er. Was das Publikum findet, ist bei der Premiere am Samstag zu erleben.

„Die fremde Stadt“ steht natürlich auch noch nach der Premiere am Samstag, 18. April, auf dem Spielplan der Oase: Das Stück von John B. Priestley ist außerdem am 24. und 25. April, am 1., 2., 9., 15., 16., 22., 29. und 30. Mai zu sehen. Und auch im Juni gibt es noch Chancen: am 5. und 6. Juni. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr.

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