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Flüchtlinge im Kreis Limburg-Weilburg: Wohnraum wird Mangelware

Von Es wird enger im Landkreis. Der Kreis hat das Regierungspräsidium gebeten, vorläufig keine Flüchtlinge mehr zuzuweisen. Der Kreis kann sie einfach nicht unterbringen.
Um Schnelligkeit ging es beim Aufbau der Notunterkünfte an der Limburger Goethe-Schule. Doch wo bleiben die neuen Nachbarn dauerhaft? Foto: Johannes Koenig Um Schnelligkeit ging es beim Aufbau der Notunterkünfte an der Limburger Goethe-Schule. Doch wo bleiben die neuen Nachbarn dauerhaft?
Limburg. 

Zelte und Container sind keine Dauerlösung. Das Pestel-Institut hat im vergangenen Herbst kalkuliert, dass durch die Flüchtlingsströme des Jahres 2015 allein im Landkreis Limburg-Weilburg ein Mehrbedarf von 820 Wohnungen entstanden ist.

2429 Unterkünfte gibt es offiziell in den Gemeinschafts-Einrichtungen des Kreises. 2425 Flüchtlinge leben dort aktuell laut Auskunft aus dem Kreishaus. In den Dörfern wurden die meisten Asylsuchenden in mehr oder weniger großen, privaten Wohnhäusern untergebracht. Aber es gibt auch Container- und Hallenplätze wie an der Kreissporthalle (mit 130 Plätzen) und in der Industriehalle der ehemaligen Firma Ohl auf der Dietkircher Höhe (250 Plätze). Nicht eingerechnet in diese Plätze sind die Erstaufnahmelager des Landes in Staffel und Weilburg-Waldhausen. Die Notquartiere auf dem Sportplatz-Gelände in Schadeck und an der Goetheschule sowie die Industriehallen in Dehrn stehen allerdings bisher leer.

Die Besteller der Wohn-Analyse

Hinter der Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Institutes stehen die IG BAU, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM),

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Angesichts dieser Mangelsituation hatte der Kreis das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt gebeten, vorerst keine neuen Asylsuchenden mehr zu schicken. Dem sei stattgegeben worden, bestätigt der Sprecher des Kreises, Jan Kieserg.

Zusatz-Plätze in Limburg

Die Flüchtlinge verteilen sich sehr unterschiedlich. Aus einer Vorlage für den Kreistag, der am 22. April tagt, gehen die Zahlen hervor. Das Papier listet auf, welche Kommunen Geld bekommen. Während Löhnberg und Merenberg mangels Flüchtlingen leer ausgehen, stechen Villmar mit 286, Dornburg mit 251, Weilburg mit 207 und Hadamar mit 205 Gästen hervor. Die mit Abstand meisten Zuwanderer leben in Limburg: 621 Plätze hält der Kreis dort vor – ohne Erstaufnahme- und Notquartiere. Und es sollen mehr werden: 257 Plätze könnten im Laufe des Jahres zusätzlich „realisiert“ werden. Wo, das konnten die Sprecher des Kreises gestern nicht sagen.

Das Pestel-Institut in Hannover hatte die Situation in den Kreisen und Städten bereits im Herbst vergangenen Jahres hochgerechnet und auch den Landkreis Limburg-Weilburg auf den „Wohn-Prüfstand“ gestellt. Institutsvorstand Matthias Günther ging damals davon aus, dass die Kommunen im Jahr 2015 rund 2050 Flüchtlinge würden aufnehmen müssen.

„EU-Vorzeigeknabe“

Der Fachmann rechnet mit 40 Wohnungen pro 100 Asylbewerber. Heraus kommen 820 zusätzlich nötigen Wohnungen. Der tatsächliche Bedarf liege sogar bei 1130, erklärt der Statistik-Profi und Diplom-Ökonom. Denn unabhängig von der „Welle“ strömen seit Jahren fortlaufend Asylflüchtlinge sowie Arbeitsmigranten aus Süd- und Osteuropa – insbesondere aus Polen – nach Deutschland. Matthias Günther: „Wir sind hier eben die Vorzeigeknaben in Europa.“ Immerhin: Dieser Zuzug ist rechnerisch durch Neubau-Tätigkeiten im Kreis gedeckt.

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler bei der Analyse für Limburg-Weilburg: Es fehlen bezahlbare (Sozial-)Wohnungen für Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge.

Der Landkreis könne den Bedarf an Wohnraum durchaus decken, verweist der Institutsleiter auf eine andere Statistik: Demnach standen zwischen Elz und Weilmünster rund 4000 Wohnungen leer. Viele müssten nur saniert werden. Günther nimmt die hochgerechneten Daten aus den Ergebnissen des Zensus 2011. Er relativiert diese Zahl allerdings sofort wieder. Oft handle es sich um die lange Zeit beliebte „Einliegerwohnung“ oder ein kleines Zwei-Familien-Haus. Die Wohnungen seien oft sehr klein oder die älter gewordenen Eigentümer wollten sie freihalten, „damit die Kinder zu Besuch kommen können.“ Andere wollten ihre Räume lieber leerstehen lassen. „Man weiß ja nicht, wen man da als Mieter bekommt.“

Residenzpflicht im Gespräch

Ein gewisser „Leerstand“ sei normal und nötig: Wer umzieht, der belegt mehrere Monate zwei Wohnungen. Große Sanierungen blockieren ebenfalls Räume. Aus gutem Grund ziehe es Menschen eher in die Städte, denn dort gebe es eher Arbeitsplätze. Und die seien ein wichtiger Faktor zur Integration, erklärt der Ökonom.

Eine von Politikern diskutierte Residenzpflicht führe erfahrungsgemäß durchaus dazu, Neueinwohner an ihrem ersten neuen Wohnort zu halten. Günther verweist auf die Erfahrungen mit Spätaussiedlern, von denen rund 75 Prozent bis heute an ihrem ersten Ort „kleben“ geblieben seien.

Warteliste bei Vermietern

So oder so: Es fehlen Wohnungen. Je mehr Flüchtlinge in diesem Jahr die neuen (alten) Grenzen überwinden, desto mehr.

Bezahlbaren, passenden Wohnraum zu finden, fällt bereits heute schwer. Das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen in Limburg – mit 700 Wohnungen im Bestand einer der großen Limburger Vermieter – verweist „wegen der relativ hohen Wohnungsnachfrage“ auf eine Warteliste. Der Geschäftsführer hatte auf Nachfrage der NNP keine Zeit für Erläuterungen.

Auf den Immobilien-Portalen gibt es von privaten Vermietern oder Maklern durchaus attraktive Angebote in allen Preislagen. Doch die Anbieter können sich die Mieter aussuchen.

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