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Wurde im „TuF“ Flacht jemals gefochten?

Von Nach einer Auszeit bietet der TuF wieder Fußball an. Warum heißt der Verein aber Turn- und Fechtclub?
Flacht. 

Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Nach fünf Jahren Abstinenz wird in Flacht wieder gegen das runde Leder gekickt. Der örtliche Sportverein, der TuF Flacht, besitzt wieder eine Fußballabteilung, die in der kommenden Saison in der Kreisklasse D-Ost den Spielbetrieb aufnimmt. Ja, man liest richtig, es ist kein Schreibfehler, der TuF heißt Turn- und Fechtclub.

Immer noch oder immer wieder ist auch bei Menschen aus der näheren Umgebung die Rede von dem oder der „TuS“, wenn sie über den Sportverein der Aar-Gemeinde Flacht reden oder mit ihm in Korrespondenz treten. Dies ist auch nicht verwunderlich, gelten doch Bezeichnungen wie der „Turn- und Sportverein“ oder die „Turn- und Spielgemeinschaft“ landauf und landab als die häufigsten Bezeichnungen von Vereinigungen, in denen sich Menschen zur sportlichen Betätigung zusammengefunden und organisiert haben.

Keinerlei Hinweise

In Flacht ist dies etwas anders, hier bedarf es oftmals einer kleinen, aber entscheidenden Änderung. Dort lautet die Abkürzung: „TuF“. Niemand kann heute mehr eine Antwort darauf geben, warum der Flachter Sportverein auch den Namen Fechtclub führt. Die „Mär“ vom Degen, der in einem Feld nahe Flacht gefunden wurde, hält sich zwar nach wie vor hartnäckig, doch die Befragung alter Mitglieder oder alter Dorfbewohner, ob im Verein jemals die Fechtkunst ausgeübt worden ist, brachte weder ein positives noch ein negatives Ergebnis. Auch in den Vereinsakten, die 1901 beginnen, sind weder Aufzeichnungen noch Aussagen zu finden, weshalb die Vereinsgründer im Jahre 1889 dem Turnverein den Zweitnamen „Fechtclub“ gaben.

Fechten Teil des Turnens

Nun schrieb Turnvater Friedrich Ludwig Jahn 1816 in seinem Buch über die Turnkunst: „Das Fechten ist eine wesentliche Hauptübung und zur vollständigen Turnbildung ganz unentbehrlich.“ Damit stand fest, dass das Fechten von Anfang an als „Zweig des Turnens“ galt. Hatten die Flachter Vereinsgründer diese Aussage so ernst genommen? Es gab zu dieser Zeit Turn- und Fechtclubs in Frankfurt und Mainz und sicher auch noch in anderen Orten. Möglicherweise hat man sich diese als Vorbild genommen.

Ein großer Teil der jungen Männer, die bei der Vereinsgründung in Flacht dabei waren, arbeiteten in Diez und Limburg, einer kam sogar „aus der Fremde“ zurück (von einem weit entfernten Arbeitsplatz oder von der Wanderschaft als Handwerksgeselle). Sie brachten neue Ideen ins Dorf. Waren diese Männer die Initiatoren des Namenszusatzes „Fechtclub“?

Um das Jahr 1900 schrieben sich die Vereine neben der „Körperertüchtigung“ auch oft die „Vorbildung zum Soldatendienst“ in ihre Satzungen. Und Fechten gehörte zum Soldatenstand. Sollte der Namensteil „Fechtclub“ vor diesem Hintergrund zu suchen sein? Klären lässt sich dies heute nicht.

Immerhin: 1892 wurden im Inventarverzeichnis des TuF drei Fechtdegen aufgenommen. 14 Jahre später wurde das Verzeichnis neu erstellt und nach verschiedenen Gesichtspunkten gegliedert; darin erscheinen drei Haurapiere (Fechtdegen) im Abschnitt „Turnhalle“. Die Aufstellung von 1914 dagegen bezeugt drei Degen unter der Rubrik „Musik“ (zusammen mit Trommeln, Pfeifen, Fahne). Und 1927 wurden sie mit der Fahne unter Vereinssymbole geführt. Man könnte nun davon ausgehen, dass es sich bei den Fechtdegen von Anfang an „nur“ um Vereinssymbole gehandelt hat. Wurden etwa die Fahnenbegleiter damit ausgestattet? Aber dann hätte man doch nur zwei Degen benötigt. Vielleicht fehlte aber auch nur ein geschulter Übungsleiter. All diese Gedanken, Schlüsse und Überlegungen gehen aus einem Bericht des ehemaligen Dorfchronisten Wilhelm Kuhmann hervor, den dieser 1989 anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums in die damalige Festschrift schrieb.

Vielleicht in Zukunft?

Es sei wie es ist – man sollte es bei dem Namen belassen, der nun schon weit über 100 Jahre Bestand hat und unter dem der Verein durch turnerische und andere sportliche Leistungen bekannt wurde. Heute jedenfalls wird in Flacht definitiv nicht mehr gefochten – was aber nicht ausschließen soll, dass in ferner Zukunft junge Flachter auf der Blanche stehen.

Weitere Informationen über den Gesamtverein: www.tufflacht.de.

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