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Spiel auf historischen Harfen: Zauber eines fast vergessenen Instruments

Die ungewöhnliche Vielseitigkeit eines lange Zeit fast vergessenen Instruments präsentierte der Harfenist Tom Daun.
Tom Daun entlockte seinen Harfen magische Klänge. Tom Daun entlockte seinen Harfen magische Klänge.
Weilburg. 

Der romantische Dichter Joseph von Eichendorff identifizierte in einem Gedicht den Frühling mit einem Harfenklang, wahrscheinlich dem leisen Ton einer Äolsharfe, ansonsten verstehen wir unter „Harfe“ die bekannten Harfen in Sinfonieorchestern, große Pedalharfen. Um solche Harfen ging es aber nicht im Konzert „Arpa espanola“, das einer der besten Harfenisten unserer Zeit, Tom Daun aus Solingen, in der Weilburger Schlosskirche im Rahmen der Konzertreihe „Alte Musik im Weilburger Schloss“ gab.

Sein Metier sind die traditionellen, historischen Harfen, von denen er gleich vier mitbrachte: eine gotische, mittelalterliche Harfe, eine barocke „Arpa doppia“ (mit doppelten Saiten), eine keltische Harfe und eine lateinamerikanische „Arpa paraguaya“. Mit diesen vier Instrumenten verzauberte er mit einem sozusagen vierfachen Harfenklang im Laufe des Abends das gespannt lauschende Publikum. Tom Daun machte die Zuhörer mit Kompositionen und Komponisten bekannt, die kaum einer kennt. Sein Schwerpunkt lag auf spanischer und spanisch geprägter lateinamerikanischer Gitarrenmusik vom 13. bis zum 18. Jahrhundert, nach dem die Harfe, so Daun, erstaunlicherweise aus dem Konzert- und Musikleben verschwand, von der Laute abgelöst wurde, aber in den Urwäldern Südamerikas weiterlebte. Bis heute spielt dort die Harfe, die „Arpa paraguaya“, eine wichtige Rolle in der Volksmusik, wie er an einigen Beispielen zeigen konnte.

So in einem traditionellen Stück aus Peru, einer „Passacalle“, die auf eine beliebte barocke Musikform, die variantenreiche Passacaglia, zurückgreift. Sehr warm im Ton und vollklingend, die melodischen Feinheiten tänzerisch präsentierend, hat dieses Stück die Anlage zu einem „Ohrwurm“, wie die swingende Interpretation hörbar machte. Ausgelassener das „Huayno“, mit exotischem Reiz. Aus dem „Codex Martínez Compagnon“ von 1782, einer Sammlung von Bildern aus dem Alltag der Indios und ihren Festen, in denen die Harfe im Mittelpunkt stand, und einem Anhang von 25 Musikstücken zur Harfe erklangen drei „Tonadas“, die traurige Texte zu fröhlicher Musik bringen. Die erste, el Tupamaro Caxamarca, kam sehr ruhig daher, dunkel und mit hellen Akzenten, die zweite, el Diamante, sehr rhythmisch, schneller und heller im Klang, sehr zauberisch, die dritte, el Congo, erinnerte an Trommeln, die zum Tanz geschlagen werden. Auf der keltischen Harfe brachte Tom Daun die „Variacion andina“ zu Gehör, die in ihren Melodien die Weite der Anden spürbar werden ließ, mit Zupfen und Streichen und virtuosen Läufen, Arpeggien und meditativen Phasen, die fast bis zur Trance führten.

Im „spanischen Teil“ des Konzerts erklang ein Saltarello aus dem 13. Jahrhundert, gekennzeichnet durch nur eine einzige Tonart. Ein virtuoses Stück, in dem eine Hand die Melodie spielte, die andere den Rhythmus in tieferer Lage „durchhielt“ – großartig. Anrührend die sephardischen Melodien unbekannter Komponisten, die aber den ganzen Zauber des Harfenspiels entfalteten. Als musikalische Kostbarkeit entpuppten sich die sechs Stücke aus der 1677 entstandenen Sammlung „Luz y Norte“, die der kastilische Edelmann Lucas Ruiz de Ribayez angelegt hat: Stücke zum Tanzen, Schreiten, mit Läufen, punktierten Melodien und immer unterschiedlichen Charakteren. Am schönsten vielleicht die kurze „Tarantella“, in der sich aus einzelnen Tönen nach und nach eine rhythmisch mitreißende, mehrstimmige Melodie formt, die immer schneller wird und abrupt endet. Nach langem, begeistertem Applaus gab Tom Daun zwei Zugaben: Die „Polka paraguayas“, eine Fahrt des Milchzugs lautmalerisch vom Land in die Hauptstadt schildernd, und ein Wiegenlied aus Galizien.

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