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Prozess: Zehnjährige Haftstrafe für Totschlag der Freundin

Von Vor mehr als 15 Jahren hat ein heute 48-jähriger Mann aus Pakistan seine damalige Freundin erstochen und war anschließend in sein Heimatland geflohen. Das sieht das Gericht als erwiesen an und verurteilte ihn jetzt wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. Der Mann hatte die Tat bis zuletzt abgestritten.
Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/Archiv Die Statue Justizia.
Limburg. 

Die Tat ereignete sich am 2. November 2002 in der Wohnung des Opfers „Im Kissel“. Bereits in den vorangegangenen Monaten war der jetzt Verurteilte gegenüber seiner damals 34-jährigen Freundin mehrmals gewalttätig geworden. Die Schwester der Getöteten hatte im Prozess ausgesagt, dass sie ihre Schwester achtmal nach Übergriffen ihres Lebensgefährten ins Krankenhaus gefahren hatte. Von Strafanzeigen hatte das spätere Opfer allerdings abgesehen.

Am Tattag drang der Mann dann in die Wohnung seiner Freundin ein und erstach sie. Anschließend warf er seine Ausweispapiere in die Mülltonne und setzte sich über Frankreich in sein Heimatland ab. Dort gründete er eine Familie. Dass der Täter mehr als zehn Jahre später aufgespürt und schließlich nach Deutschland überstellt wurde, sei dem „unermüdlichen Einsatz von Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbeamten“ zu verdanken, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Janisch. Ein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Pakistan gibt es nicht. Es habe zäher und jahrelanger Verhandlungen bedurft, um den Mann nach Limburg bringen zu können, hatte der Sprecher der Staatsanwaltschaft vor Prozessbeginn mitgeteilt.

Mit dem jetzigen Urteil solle auch ein wichtiges Zeichen für die Angehörigen des Opfers gesetzt werden, sagte Richter Janisch: „Die Taten werden nicht vergessen“, auch nicht nach vielen Jahren. „Straftaten werden verfolgt.“ Nicht alle Details der Tat habe das Gericht aufklären können. Zudem habe die Kammer das Motiv nicht ermitteln können. Dass der heute 48-Jährige der Täter ist, stehe indes außer Frage.

In ihrer Anklageschrift war die Staatsanwältin zunächst von Mord ausgegangen. In ihrem Schlussvortrag hatte sie jedoch auf Totschlag plädiert und eine Haftstrafe von zehn Jahren gefordert.

Der Verteidiger hatte bereits seit den ersten Verhandlungstagen auf die seiner Meinung nach einseitige Ermittlung hingewiesen. Dass ein anderer, unbekannter Täter das Verbrechen begangen haben könnte, hätte das Gericht nicht in Betracht gezogen. Dies sei ein „Kunstfehler“, sagte er in seinem Plädoyer. Dass aber die Strafprozessordnung nur dann eingehalten würde, wenn sie für den Verfahrensverlauf förderlich ist, sei kein Kunstfehler mehr, sondern ein rechtsstaatlicher Mangel, sagte der Verteidiger.

In Pakistan ermittelt

Er hatte unter anderem angemahnt, dass der jetzt Verurteilte schon während seines Rücktransports aus Pakistan von Polizisten befragt worden wäre, ohne zuvor über seine Rechte aufgeklärt worden zu sein.

Der Verteidiger hatte denn auch bis zum letzten Prozesstag Anträge gestellt, um die Beweislage zu verändern. So hatte er den pakistanischen Botschafter in Paris vorladen lassen wollen, um die Rechtmäßigkeit der Ausweispapiere seines Mandanten zu beweisen. Auch hatte er eine Dienstreise nach Pakistan beantragt, um selbst die Hintergründe und Lebensumstände des jetzt Verurteilten zu ermitteln. Die Anträge waren allesamt zurückgewiesen worden.

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