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Camp wandelt sich zu einer Dauereinrichtung: Zu wenig Wohnungen für Flüchtlinge

Das Zeltdorf für Flüchtlinge in Staffel war als kurzfristige Übergangseinrichtung geplant, nun wird es über den Winter bestehen bleiben. Das stellt an alle Beteiligten neue Herausforderungen.
Das Zeltdorf für Flüchtlinge in Staffel wird über den Winter bestehen bleiben. Foto: NNP Das Zeltdorf für Flüchtlinge in Staffel wird über den Winter bestehen bleiben.
Limburg. 

Ein Winter im Zelt, das ist keine angenehme Vorstellung. In der „Oase“, der Anlaufstelle der Stadt vor der Erstaufnahmeeinrichtung in Staffel, schilderten die Flüchtlinge ihre damit verbundenen Sorgen und Befürchtungen den ehrenamtlichen Helfern, mit denen sie unter anderem die ersten Kenntnisse der deutschen Sprache erwerben. „Und die Helfer haben dies dann der Leitung der Einrichtung mitgeteilt. Daraufhin gab es dann auch eine Information an die Flüchtlinge“, schilderte Nicole Roßberger (SPD) im Sozialausschuss der Stadt den Informationsweg.

Die Vorsitzende des Ausschusses ist auch aktive Helferin in der „Oase“ und nahe dran am Geschehen. Manche Informationswege sind eben lang. Aber ein Informationsfluss ist wichtig. Während die Öffentlichkeit schon in Kenntnis darüber gesetzt worden war, dass das Camp winterfest gemacht wird und Baracken in Leichtbauweise die Zelte ersetzen, wussten die Bewohner noch nichts von dieser Änderung. Auch die Stadt wird ihre „Oase“ winterfest machen. Dies soll in der kommenden Woche geschehen.

Info: Alles Gerüchte

Gerüchte begleiten die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Staffel seit ihrem Bestehen. Der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) berichtete von den jüngsten Gerüchten, die per whatsapp

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Das aus der zunächst als Übergangslösung geplanten Einrichtung etwas dauerhaftes wird, daran gibt es nach Einschätzung des Ersten Stadtrats Michael Stanke (CDU) keine Zweifel. Das ändere die Aufgabenstellung rund um das Camp und führe zu neuen Herausforderungen. Zum Beispiel in der ehrenamtlichen Betreuung. Nach Angaben von Werner Gläser, der im Rathaus die mit dem Camp verbundenen Aufgaben koordiniert, verfügt die Stadt und ihre Ehrenamtsagentur über 390 registrierte Helfer. Diese stehen aber nicht immer zur Verfügung, wenn Helfer gebraucht werden. Häufiger komme es vor, dass die aufgestellten Dienstpläne von den Helfern nicht eingehalten werden können, es gebe Verwechslungen und vieles mehr.

Dass es mit der Einrichtung dennoch relativ ruhig und gut verlaufe, sei vor allem ein Verdienst des ehrenamtlich Engaments, machte Stanke deutlich. „Die ,Oase’ hat Vorbildfunktion, da können wir uns von schreiben“, unterstrich Nicole Roßberger. Allerdings mahnte sie auch, dass die Kraft der ersten Helfer erlahmt und die erste Euphorie der Hilfe verflogen sei. „Wir müssen aus der Improvisation heraus“, sagte die Ausschussvorsitzende.

Info: Ohne Westbalkan-Flüchtlinge

Das Camp für die Flüchtlinge in Staffel läuft unter der Regie des Regierungspräsiums, gleichwohl sind verschiedene Einrichtungen und Firmen auf dem Gelände aktiv, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

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Die Unterstützung durch Institutionen und Privatspender ist nachwievor hoch, wie Gläser im Ausschuss verdeutliche. Kleider- und Sachspenden kommen nachwievor, ebenso Geldspenden. Die Geldspenden werden zum Beispiel auch dazu verwendet, Männerkleidung in Größe S und M zu kaufen. Denn diese Größen werden benötigt, sind in den Kleiderspenden jedoch nur wenig vertreten.

Das Thema Flüchtlinge geht nach Darstellung von Michael Stanke jedoch weit über die Erstaufnahmeeinrichtung hinaus. Die Flüchtlinge verlassen das Camp nach wenigen Wochen und kommen dann in sogenannte Gemeinschaftsunterkünfte. Die gibt es natürlich auch in Limburg. Angemietet werden diese vom Landkreis, der diese Einrichtung auch mit Flüchtlingen belegt. „Wir sind froh darüber, dass der Landkreis diese Aufgabe übernimmt und die Flüchtlinge nicht einfach nach einem festgelegten Schema auf die Kommunen verteilt“, sagte Stanke im Ausschuss. Wohnraum in jeglicher Form werde für die Gemeinschaftsunterkünfte gesucht, in denen die Flüchtlinge auf ihre Anerkennung als Asylbewerber warten.

Wenn sie anerkannt sind, müssen sie die Gemeinschaftsunterkünfte wieder verlassen, so Stanke weiter. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es oft anders aus, denn für diese Bevölkerungsgruppe gibt es zu wenig Wohnraum in Limburg und auch in anderen Kommunen. Sie bleiben deshalb oft länger in den Unterkünften. Wenn sie diese dann irgendwann doch verlassen müssen, droht Obdachlosigkeit. Und spätens dann ist die Stadt wieder in der Pflicht, Abhilfe zu leisten. „Das wird nicht einfach. Aber ich bin sicher, wir schaffen das“, sagte Stanke in Anlehnung an Bundeskanzlerin Angela Merkel. jl

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