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IHK-Umfrage zum Wirtschaftsstandort Bad Camberg: Zufriedene Unternehmen und das Ziel noch besser zu werden

Von Die Kurstadt punktet mit sehr guter Verkehrsanbindung, Kinderbetreuung, als Schulstandort, dem Faktor Natur. Besser werden sollte der innerörtliche Straßenverkehr, es gibt zu wenig qualifizierte Auszubildende – was bietet die IHK-Umfrage zum Wirtschaftsstandort noch?
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Bad Camberg. 

Womit kann eine Kommune werben, wenn sie Unternehmen ansiedeln will? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen? Welche Schwächen könnte man aufgreifen und zu Stärken machen? 19 Städte und Gemeinden gibt es im Landkreis. Die Industrie- und Handelskammer hat sich vorgenommen, eine nach der anderen näher zu betrachten, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Der Startschuss fiel in Bad Camberg, als nächstes ist Weilburg an der Reihe. Die Ergebnisse der Kurstadt liegen jetzt vor.

Eine naturverbundene, familienfreundliche Stadt – so der Gesamteindruck der Umfrage.

Die Infrastruktur (Verkehrsanbindung, Breitbandverfügbarkeit, Tagungs- und Übernachtungsangebot) hat unter den Gruppen der Standortfaktoren für die Unternehmen die höchste Bedeutung. Insgesamt errechnet sich hier eine Zufriedenheitsnote von 3,0.

TOP-Bewertung für Anbindung an das Fernstraßennetz (Note 1,48), an den Flughafen (1,84), an den Schienenverkehr (2,03).

Anbindung an ÖPNV (2,83) und Breitbandanbindung insgesamt (3,13) recht gut bewertet.

Schwächen bei Tagungs- und Übernachtungsangebot (3,97), baulichem Zustand der Verkehrsinfrastruktur (4,13), Leistungsfähigkeit des innerörtlichen Straßenverkehrs (4,38)

 

 


Die Umfrage liegt schon eine Zeit lang zurück: Im Juni hatte die IHK rund 300 ortsansässige Unternehmen angeschrieben und nach den Rahmenbedingungen befragt, die sie in Bad Camberg vorfinden. 50 Betriebe haben sich beteiligt. Zufriedenheitswerte wurden ermittelt und ausgewertet (siehe Grafik). IHK-Geschäftsführer Norbert Oestreicher und der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) sprachen jetzt im Rathaus über die Details.

Eine naturverbundene, familienfreundliche Stadt – so der Gesamteindruck der Umfrage.

Mit Emotionen/Werten wie „Natur“ (2,0), „Heimat“ (2,7), „Sicherheit“ (2,9) und „Familienfreundlichkeit“ (3,0) sieht man die Stadt stark verbunden.

Mit den Begriffen „Wirtschaftskraft“ (3,47), „Flair-Kreativität“ (3,5) „Zukunft“ (3,53) sieht etwa jedes zweite Unternehmen Bad Camberg verbunden.

Nur jedes dritte Unternehmen verbindet Bad Camberg mit „Innovationskraft“ (4,0).

45 Fragen

Norbert Oestreicher, Hauptgeschäftsführer der IHK Limburg, und der Bad Camberger Bürgermeister Jens Peter Vogel präsentieren die IHK-Umfrage zum Wirtschaftsstandort Bad Camberg. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Norbert Oestreicher, Hauptgeschäftsführer der IHK Limburg, und der Bad Camberger Bürgermeister Jens Peter Vogel präsentieren die IHK-Umfrage zum Wirtschaftsstandort Bad Camberg.

Insgesamt wurden 45 Fragen gestellt, die Unternehmen vergaben anonym Schulnoten. „Ich denke, wir haben ehrliche Antworten bekommen, und 2,7 ist gar nicht so schlecht als Schulnote“, wertete Oestreicher. „Wir wollen hier keine Kommune vorführen, sondern unsere Mitgliedsbetriebe fragen, was sie für gut oder weniger gut halten.“ Alfred Jung, für die IHK mit der Umfrage befasst, erklärte außerdem: „Mit den Faktoren Natur, Heimat, Sicherheit, Familienfreundlichkeit kann Bad Camberg in der Vermarktung schon jetzt werben und punkten. Bad Camberg steht aus Sicht der Befragten nicht für einen besonders wirtschaftsstarken Innovations- und Kreativstandort. Das heißt, damit zu werben wäre zurzeit für Bad Camberg unglaubwürdig. Aber man kann daran arbeiten, auch hier mehr zu punkten. Am besten in Zusammenarbeit mit den Unternehmen vor Ort.“ Ein Wunsch in diesem Zusammenhang, die Ansiedlung einer Fachhochschule, sei allerdings sicher nicht realistisch für eine Kommune dieser Größenordnung, sagte Norbert Oestreicher. Selbst die Kreisstadt Limburg hatte einige Zeit benötigt, um die dortige FH anzusiedeln.

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Kommentar Ansporn für nachhaltiges und effizientes Handeln

Ein Schnitt von 2,7 als Schulnote – für ein Medizinstudium wäre das zu wenig. Die Industrie- und Handelskammer wertet es als gut. „Man kann nicht für alles stehen“, sagt Geschäftsführer Norbert Oestreicher.

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Verwaltung und Wirtschaft

Für 69 Prozent der Befragten hatte das Themenfeld Wirtschaftsförderung/Verwaltung eine hohe bis sehr hohe Bedeutung, erläuterte Jung. In diesem Zusammenhang sei die Bewertung der Verwaltung (Erreichbarkeit, Bearbeitungsdauer, Transparenz) noch ausbaufähig. Allerdings: Die eher negative Bewertung entspreche der Einschätzung der Unternehmen insgesamt in der Zusammenarbeit mit den Kommunen im Kreisgebiet, verwies Norbert Oestreicher auf die bisherigen Erfahrungen. Alfred Jung erklärte das näher: Auf der Basis dieser Umfrage ließen sich keine konkreten Fälle beispielhaft darlegen, die zu den Bewertungen geführt haben. „Die zurückhaltenden Bewertungen könnten in einem restriktiven, abwägenden, strikt an Vorschriften gebundenen, absichernden Handeln der Stadtverwaltung begründet sein, welches für Unternehmen nicht immer nachvollziehbar ist.“ Hier sei Bad Camberg bereits am Ball, versicherte Bürgermeister Vogel und erinnerte an die aktuelle politische Diskussion in Sachen Wirtschaftsförderung. Unter anderem sei die Einrichtung der Funktion eines „Kümmerers“ bei der Stadtverwaltung für diese Fragen im Gespräch.

Für die Faktorengruppe „Wirtschaftsförderung und Verwaltung“ (Erreichbarkeit der Verwaltung, Reaktionsgeschwindigkeit, Bearbeitungsdauer, Transparenz, Verlässlichkeit, Wirtschaftsinteresse) gibt es insgesamt nur die Note 3,5 als Zufriedenheitswert.

Die Wertungen für generelle Erreichbarkeit der Verwaltung (3,0), Reaktionsgeschwindigkeit der Verwaltung (3,3), Bearbeitungsdauer von Anliegen und Verfahren (3,4) sind noch befriedigend.

Eher schwache Wertung für V erlässlichkeit bei Wirtschaftsfragen (3,8), Transparenz von Entscheidungen (3,8), bezüglich „Offenes Ohr“ der Verwaltung für Wirtschaftsfragen (3,8).

„42 Prozent der Unternehmen sind eher unzufrieden mit der Verfügbarkeit von Gewerbe-Immobilien und -Flächen. Besonders viele Unternehmen, nämlich 52 Prozent, sind mit dem vorhandenen Wohnungsangebot, ob zum Kauf oder zur Miete, eher nicht zufrieden“, ergänzte Jung. Letztere Einschätzung könnte auch an den vergleichsweise hohen Preisen liegen, machte Bürgermeister Vogel deutlich. Bad Camberg mit seiner direkten Anbindung an A 3 und Schienennetz sei doch schon sehr stark im Einzugsbereich des Rhein-Main-Gebiets. Dieses Manko auf der einen bedeutet ein dickes Plus auf der anderen Seite: Für besonders viele Unternehmen, nämlich 81 Prozent, hat die Infrastruktur eine hohe bis sehr hohe Bedeutung, so Alfred Jung. Dies gilt für die Verkehrsanbindung, die innerörtliche Belastung (Stichwort B-8-Umgehung), aber auch für Breitbandverfügbarkeit sowie das Tagungs- und Übernachtungsangebot, das verbessert werden könne.

Pilotkommune

Bad Camberg ist Pilotkommune, Anfang des kommen den Jahres sollten die Unternehmen in Weilburg befragt werden, so Oestreicher. Außerdem sei diese Befragung für jede einzelne Kommune keine Eintagsfliege: „In zwei bis drei Jahren werden wieder nachfragen: Was hat sich verändert, und wie ist es geworden?“

In der Faktorengruppe „Flächen und Standortkosten“ (Gewerbeimmobilien und -flächen, Kosten Wasser-Abwasser-Abfall, Personalkosten, Gewerbesteuer, Wohnimmobilien) erreicht Bad Camberg insgesamt eine Zufriedenheitsnote von 3,3.

Noch im befriedigenden Bereich die Wertungen bei Verfügbarkeit von Gewerbeimmobilien und -flächen (3,1), Miet-/Kaufpreise von Gewerbeimmobilien (3,2), Kosten Wasser, Abwasser, Abfall (3,2), Höhe der Personalkosten (3,3) und Gewerbesteuerhebesatz (3,4).

Verfügbarkeit von Wohnimmobilien (Miete/Kauf) wird am schlechtesten bewertet (3,5).

 

Bei „Arbeitsmarkt und Bildung“ (Nähe zu Berufs- und Hochschulen, Weiterbildungsangebot, Fachkräfte, Auszubildende) ergibt sich ein Zufriedenheitswert von nur 3,7.

Noch relativ befriedigende Noten insgesamt gibt es für das „Regionale Weiterbildungsangebot“ (3,5) und die „Nähe zu Berufsschulen“ (3,5).

Wenig zufrieden sind die Unternehmen mit der Verfügbarkeit von Fachkräften (3,7), der Nähe zu Hochschulen (3,7), der Verfügbarkeit von qualifizierten Auszubildenden (3,9).

 

Mit „weichen Standortfaktoren“ sind die Unternehmen zufrieden. Schulangebot, Betreuung, Gesundheit, Wohnen, Freizeit, Umwelt, Handel, Image, Gastronomie erhalten insgesamt die Zufriedenheitsnote 2,7.

Gute Noten für Schulangebot (2,34), Betreuungsangebot Ältere/Pflege (2,34), Gesundheitsversorgung (2,41) Betreuungsangebot für Kinder (2,52), Wohnqualität (2,55), Sport- und Freizeitangebot (2,59) und die Umwelt- und Lebensqualität (2,61).

Befriedigende Werte für Kulturangebot (2,90), Einzelhandelsangebot (3,07).

Schwache Werte für „Image der Kommune“ (3,40), gastronomisches Angebot (3,41).

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