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Weihnachtskonzert in der Weilburger Schlosskirche: Zurück in die Renaissance

Musik aus der Renaissancezeit, als Weihnachtslieder quasi „das Laufen lernten“, erlebten Besucher des weihnachtlichen Festkonzertes im Weilburger Schloss.
Martina Kirchhof mit der Viola da Gamba, Sopranistin Magdalene Harer sowie Lutz Kirchhof mit der Laute (von links) entführten ihre Zuhörer in der Weilburger Schlosskirche musikalisch in die Epoche der Renaissance. Foto: Helmut Zimmermann Martina Kirchhof mit der Viola da Gamba, Sopranistin Magdalene Harer sowie Lutz Kirchhof mit der Laute (von links) entführten ihre Zuhörer in der Weilburger Schlosskirche musikalisch in die Epoche der Renaissance.
Weilburg. 

Eine weihnachtliche Sternstunde war das „Festkonzert zur Weihnacht“ der Alten Musik im Weilburger Schloss am zweiten Weihnachtstag in der gut besetzten Schlosskirche unter dem Titel „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.

Martina Kirchhof mit der Viola da Gamba, Lutz Kirchhof mit der Laute und die Sopranistin Magdalene Harer mit ihrer klaren, schönen Stimme entführten die Zuhörer in die Zeit der Renaissance, aus der sämtliche Stücke des Abends stammten. Mehr noch: Sie gaben gleichzeitig eine lebendige Vorstellung davon, wie man zu dieser Zeit musizierte, in der die Weihnachtslieder und nicht nur diese sozusagen „das Laufen lernten“.

Denn bis dahin wurde Musik praktisch nur an den Höfen des Adels und in den Kirchen ausgeübt. Aber durch fahrende Sänger, die durch ganz Europa reisten, und den aufkommenden Buchdruck durch Johannes Gutenberg fanden die Lieder und ihre Melodien Eingang ins bürgerliche, ins „normale“ Leben. Wie das aussah, ist, so Lutz Kirchhof auf vielen Gemälden der Zeit zu sehen, die zeigen, wie Familienmitglieder oder Freunde um einen Tisch gruppiert sind und aus den vor ihnen liegenden Noten singen. Dabei wurden sie von der Laute begleitet, zu der sich noch die Viola da Gamba gesellte.

Ganz leise mit einem kaum vernehmbares Klopfen mit der Hand auf die Viola da Gamba zusammen mit dem leisen Erklingen eines Tamburins begann das Konzert. Die eingängige, rhythmisch betonte Melodie schwoll langsam an, ehe sich die Laute dazugesellte und das Trio mit der „Pavane alla Venecia“ des Hans Judenkünig (um 1450–1526) aus Schwäbisch Gmünd den Abend einfühlsam einleitete. Von Hans Judenkünig stammten insgesamt sechs Stücke für Viola da Gamba und Laute, allesamt „weltlich“ angehaucht und nicht direkt weihnachtlich-spirituell. Es handelte sich meist um Tänze unterschiedlichen Charakters, beispielsweise um „Der hoff dantz“, ein flottes Stückchen, in dem die Viola da Gamba die Melodie in hohen Tönen gibt, die Laute unterschiedliche Begleitphrasen in tieferen Lagen beisteuert, ehe sich beide Instrumente gemeinsam dem Wirbel des Tanzens mit Drehen, Gehen, Hüpfen widmen.

Es war überhaupt eine schöne Idee, die spirituellen Weihnachtslieder mit solchen säkularen Stücken zu mischen, so hatten die „Weihnachtsweisen“ einen musikalischen Hintergrund, vor dem sie sich um so intensiver abheben konnten. Weitere Tänze gehörten zum Programm, wie „Rossina ain welcher dantz“, „Ein spaniyelischer hoff dantz“ oder „Ain niderlendisch runden dantz“, der aber eher nach orientalischen Weisen klang, bei dem man sich wohl Kamele der heiligen drei Könige vorstellen konnte, als niederländische Melodien.

Den unbezweifelbaren Höhepunkt aber stellten die bekannten und unbekannteren Stücke mit Gesang dar, die von verschiedenen Komponisten stammten, darunter zuerst von Esaias Reusner d. Älteren (1636-1679) „Nu komm der heyden Heiland“, „Uns ist ein Kindlein heut geborn“ und „Puer natus in Bethlehem“. Hier kam Magdalena Harers voller, klarer, runder Sopran mit dunklem Timbre auf’s Schönste zur Geltung. Besonders eindrücklich der refrainartige Ruf „Halleluja“ im „Puer natus“ mit heller Stimme, empathisch begleitet von Lutz Kirchhof an der Laute. Wunderbar klar und innig sang sie die bekannte Melodie „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Prätorius (1571–1621), sehr zu Herzen gehend.

Besonders war auch das melancholisch-schwermütige Wiegenlied der Gottesmutter Maria, die Jesus in den Schlaf zu singen versucht – Canzonatta spirituale sopra la nanna“ von Tarquino Merula (1594-1665). Dabei wird sie von einer Vision der künftigen Qualen, die Jesus erleiden wird auf seinem Passionsweg zum Kreuz überwältigt, so dass sie immer wieder in die Rufe „Dormir“, „Schlafe!“ ausbrach. Magdalene Harer verstand es meisterhaft; diese mütterlichen Qualen gesanglich zu gestalten, einfühlsam begleitet vom Lautenisten Lutz Kirchhof. Nach langer Stille großer Beifall für diese Darbietung, vielleicht die nachhaltigste des ganzen Abends.

Neben weiteren Weihnachtsliedern italienischer Komponisten folgten drei französische Lieder von Gabriel Bataille (nach 1600), in denen die solistische Kunst von Martina Kirchhof in verschiedenen Solopassagen zur Geltung kam, so beispielsweise in der Einleitung zu „Seigneur; helas! ne repren“. Auch in diesen Stücken kam es wieder zu einem sehr harmonischen Miteinandermusizieren von Laute, Viola da Gamba und Sopran.

Zum Schluss sang Magdalene Harer, begleitet von den beiden anderen Musikern, sehr klar, sehr überzeugend, mit voller Stimme und schlichtweg mitreißend, die drei bekannten Weihnachtslieder „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „In dulci jubilo“ und Joseph, lieber Joseph mein“. Der kaum enden wollende Beifall erzwang dann noch die Zugabe: „Vom Himmel hoch da komm ich her.“

(htz)
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