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Ojos del Salado in Südamrika bezwungen: Zwei Hessen auf dem höchsten Vulkan der Welt

Er läuft regelmäßig im Kirberger Wald, ist im Taunus viel auf dem Rad unterwegs doch manchmal muss es etwas anderes sein, dann steigt Oliver Vitt aus Kirberg auf Berge. Den höchsten Vulkan der Erde und damit den zweithöchsten Berg Südamerikas, den fast 6900 Meter hohen Ojos del Salado hat er nun mit seinem Freund Andreas Hahn erklommen.
Oliver Vitt (links) und Andreas Hahn im Lager auf einer Höhe von 5200 Metern. Im Hintergrund erhebt sich ihr Ziel, der Ojos del Salado.	Foto: NNP Bilder > Oliver Vitt (links) und Andreas Hahn im Lager auf einer Höhe von 5200 Metern. Im Hintergrund erhebt sich ihr Ziel, der Ojos del Salado. Foto: NNP
Kirberg. 

„Vor meinem 30. Geburtstag habe ich mich gefragt, soll es ein Porsche sein oder der höchste Berg Europas“, erzählt Oliver Vitt. Das war vor zehn Jahren. Und die Entscheidung, die er vor einem Jahrzehnt traf, hat Folgen. Der Porsche steht immer noch auf der Wunschliste und es kann durchaus sein, dass der Wunsch unerfüllt bleibt. Hohe Berge hingegen hat er nun schon einige bezwungen. Von dem 6893 Meter hohen Ojos de Salado in Chile, dem höchsten Vulkan der Erde und dem zweihöchsten Berg Südamerikas, ist er gerade zurückgekehrt.

Mit dem Elbrus und seinen 5642 Meter hat er den höchsten Berg Europas längst abgearbeitet. Der höchste Berg Afrikas (Kilimandscharo 5895 Meter) folgte und dann sollte es auf den höchsten Berg Südamerikas gehen, auf den Aconcagua, der es immerhin auf 6962 Meter bringt. Doch den hat Oliver Vitt immer noch nicht bezwungen. Das hat gute Gründe.

Vor acht Jahren wollten Vitt und sein Freund Andreas Hahn aus Taunusstein auf den Aconcagua. Ein Schlechtwettereinbruch beendete den Versuch, der in diesem Jahr wiederholt werden sollte. Die Vorbereitung dazu war anstrengend, denn die fehlenden Höhenmeter sind durch Umfang beim Laufen und Radfahren ausgeglichen worden. Zum Fitnessprogramm gehörte auch die Teilnahme an Lauf-Wettbewerben. Material und Flugtickets waren besorgt – und dann kam es doch anders.

Hans Kammerlander

Inspiriert durch ein Buch des Extrembergsteigers Hans Kammerlander, den Vitt und Hahn zuvor auch schon bei einem Vortrag in Elz live erlebt hatten und von dem sie Tipps bekamen, wurde mit dem Ojos del Salado der zweithöchste Berg Südamerikas als Ziel auserkoren. „Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Berg ist weitaus weniger bekannt und somit weit weniger überlaufen wie der Aconcagua“, so Oliver Vitt. Echtes Abenteuer mit eigener Materialversorgung, Selbstverpflegung und Koordination anstatt Internet, medizinische Notversorgung und Küchenzelt.

Die Flüge waren schnell umgebucht, ein Geländewagen gemietet und Ende Januar ging es ab nach Chile. Startpunkt war dort Copiapo in der Atacamawüste. Von dort waren es noch 170 Kilometer bis zum Basislager auf einer Höhe von 4300 Meter. Nach dem heftigen Anstieg gönnten sich die beiden Bergsteiger in der dünnen Luft ein paar Tage zum Akklimatisieren. Nicht zum Ausruhen, sondern mit einem täglichen Pensum an Läufen und anderen Aktivitäten. Dann ging es weiter in Richtung Gipfel. Zwei weitere Nächte in einer Höhe von 5200 Meter folgten. Die letzte Nacht vor dem Anstieg auf den Gipfel wurde auf 5800 Meter verbracht und die Nacht war schon um 3 Uhr zu Ende.

Bilderstrecke Zwei Hessen auf dem höchsten Vulkan der Welt
Zwei Hessen auf der Spitze des Ojos: Oliver Vitt aus Kirberg und sein Freund Andreas Hahn haben den höchsten Vulkan der Erde und damit den zweithöchsten Berg Südamerikas, den fast 6900 Meter hohen Ojos del Salado bezwungen. In unserer Fotostrecke sehen Sie atemberaubende Bilder von der Tour. Alle Fotos: PrivatOliver Vitt und Andreas Hahn mit Steinmännchem im Basislager.Beeindruckende Landschaft auf dem Weg zum Gipfel.

„Windstill, um die Minus 20 Grad und sternenklar“, beschreibt Oliver Vitt die Voraussetzungen beim Start. Es ging steil nach oben und die Schritte wurden mit jedem Meter Höhe etwas kürzer. Das Ziel blieb fest im Blick, zumindest der Kraterrand sollte erreicht werden. Starke Schneefälle erschwerten den Aufstieg. Mehr als einmal kamen die beiden vom Weg ab und verloren Zeit. Doch immerhin schafften sie es bis Sonnenaufgang zum Kraterrand.

Hüfthoher Schnee

Bis zum Gipfel waren es noch ein ganzes Stück. Der Weg war mühsam und verlief durch hüfthohen Schnee direkt durch den Krater hindurch, ein Steilstück am Innenrand des Kraters hinauf und ganz zum Schluss noch eine Kletterpassage. Der Lohn der Mühen: Der Gipfel des höchsten Vulkans der Erde und eine Aussicht, die durch die Alleinlage des Bergs am Rand der Wüste ihresgleichen sucht. Kein Wunder, dass sich Oliver Vitt und Andreas Hahn in den Armen lagen.

Lange blieb ihnen der Gipfel nicht vergönnt, denn der Abstieg stand noch an. Und der zog sich hin. Erst nach 17 Uhr erreichten sie den Lagerplatz, von dem sie am Morgen aufgebrochen waren. Den Unterschlupf mit Verpflegung und Ausrüstung hatten sie beim Anmarsch noch gesehen, doch dann war er irgendwie verschwunden. Zur Suche in der beginnenden Dunkelheit hinter den einzelnen Hügeln am Lagerplatz trennten sich die beiden Bergsteiger. Schließlich fand Oliver Vitt den Unterschlupf und signalisierte seinem Freund, ihm zu folgen.

Der Kirberger ging voraus, um schon mal mit dem Packen anzufangen, denn eine Stunde Abstieg lag noch vor ihnen. Doch Andreas Hahn kam nicht in den Unterschlupf. Vitt kam der Gedanke, dass sein Freund schon den Weg in das tiefere Lager eingeschlagen hatte. Er selbst war zu schwach, um in der Dunkelheit noch weiterzugehen.

Erfrorene Zehen

Als Oliver Vitt am nächsten Morgen im tieferen Lager ankam, war sein Freund nicht da. Ungewissheit machte sich breit. Und die blieb bis in den Nachmittag hinein. Erst dann kam Andreas Hahn durch Sonne und Kälte gekennzeichnet den Berg hinunter. Seine Lippen waren gerissen, Zehen erforen, das Gesicht von der Sonne verbrannt – doch er war wieder da. Auf dem kurzen Stück im oberen Lager, als er zu seinem Freund in den Unterschlupf folgen wollte, hatte er sich verlaufen. „Im Gebirge und in solchen Höhen sollte man immer zusammenbleiben, selbst bei noch so kurzen Wegen“, lautet nach Angaben von Oliver Vitt eine der wichtigsten Regeln, die sie jedoch für eine kurze Zeit nicht beachteten.

Gemeinsam verstauten die beiden Männer die restlichen Sachen im Lager. Nachdem sie dann am Fuße des Bergs angekommen waren, ging es auf direktem Weg in ein Wellnesshotel, wo sich beide von den Strapazen erholten. Inzwischen sind sie wieder zu Hause in Taunusstein und Kirberg.

„Das Gefühl hält schon eine ganze Weile“, sagt Oliver Vitt über das Erlebnis, hohe Gipfel zu erreichen und dann runterzuschauen aus das, was unter einem liegt. Die nächste Tour reift schon in seinem Kopf. Und es gibt neben dem Porsche auch für den Bergsteiger noch große Herausforderungen. Der Mount Everest ist es nicht, aber der Nanga Parbat taucht in den Gedanken von Oliver Vitt immer wieder einmal auf. jl

 

Info: Der Ojos del Salado

Mit einer Höhe von 6893 Metern ist der Ojos del Salado der höchste Vulkan der Erde und der zweithöchste Berg von Amerika.

clearing

 

 

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