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„Das Wasser steht uns bis zum Hals“

Flacht. 

„Sparen, reduzieren, verzichten, Gürtel enger schnallen“. Beim Antrittsbesuch des neuen SPD-Landtagsabgeordneten Jörg Denninghoff in Flacht sprach Orts-Bürgermeister Thomas Scheid Klartext. Denninghoff, der Nachfolger von Frank Puchtler, stellte sich nicht nur persönlich vor, sondern wollte sich vor allem über aktuelle Projekte und Vorhaben der Ortsgemeinde informieren.

Die Gemeinde könne keine großen Sprünge mehr machen, so Ortschef Scheid. „Unsere Maxime lautet seit drei bis vier Jahren bereits: Das Erschaffene versuchen, zu erhalten bei neuen Projekten auf das Notwendigste beschränken. „Denn das Wasser steht uns bis zum Hals.“ Die Gemeinde sei schon nicht mehr in der Lage, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen, ohne neue Schulden zu machen. Die laufenden Ausgaben überstiegen die Einnahmen bei weitem, und es gebe auch keine Lösungswege, diese Situation zu ändern.

Im Vergleich mit Nachbargemeinden besitze man in Flacht keine großen Gewerbesteuerzahler, und die Steuerabgaben der Bürger seien an den oberen Belastungsgrenzen. „Wir haben im Rat zum Beispiel bei der Grundsteuer oder den Friedhofsgebühren unsere Hausaufgaben gemacht und können den Bürger nicht noch weiter melken“, so Scheid. Und mit Blick „nach oben“ zu den gleichen finanziellen Problemen bei Verbandsgemeinde, Kreis und Land sprach Scheid von einem Teufelskreis. Gleichwohl forderte er in Mainz ein Umdenken, „in welcher Art und Weise auch immer“.

Es gehe nicht, Einsparungen und ausgeglichene Haushalte vom schwächsten Glied in der Kette zu fordern, wenn das Ende der Fahnenstange schon längst überschritten sei. „Ich habe keine Einsparpotenziale mehr“, klagte Scheid. Exemplarisch sprach das Ortsoberhaupt, das zum Besuch von Denninghoff seine beiden Beigeordneten Roswieta Werner und Timo Schneider hinzugezogen hatte, das 40 Jahre alte Kindertagesstätten-Gebäude an: „Das ist ein Fass ohne Boden.“ Kaum habe man Gelder investiert und etwas saniert, breche in einem anderen Bereich eine neue Baustelle auf. Und ohne die tatkräftige wie finanzielle Hilfe von ehrenamtlich tätigen Bürgern und Mitgliedern von Ortsvereinen sowie von Fördervereinen ginge schon gar nichts mehr.

Nach Meinung von Scheid bedeute dies, den Gürtel enger zu schnallen und zu sparen, wo es nur geht, und sich von der einen oder anderen lieben Gewohnheit zu verabschieden. „Ich denke, das sind wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen schuldig.“ Dem stünden aber auf der anderen Seite mit der dringend notwendigen Sanierung mehrerer Ortsstraßen weitere „Zukunftsaufgaben“ gegenüber. „Und dies mit einem leeren Gemeindesäckel. Irgendwann erleben wie einen Kollaps“, bilanzierte Scheid.

Eines war dem Ortsbürgermeister noch wichtig. Er wollte den Besuch nutzen, vielen Flachter Bürgern für ihr Engagement, das sie gegenüber ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, in der Führung der örtlichen Vereine, in der Betreuung von älteren Mitbürger, in den Gremien der Gemeinde und in vielerlei anderen Funktionen erbringen, zu danken. Ergänzend fügte er hinzu, dass eine intakte Gemeinschaft vom „Miteinander“ lebe.

(rpk)
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