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Platzverweis in Nied eskaliert: Betrunkener droht mit IS

Ein Mann droht Polizisten, die ihm in Nied einen Platzverweis erteilen, mit der Rache der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Vor Gericht hilft ihm ein Starverteidiger.
Foto: Peter Steffen (dpa)
Nied. 

„Gut, dass es den IS gibt, dank dem wird es ohnehin bald weniger von euch geben!“ Mit dieser schlimmen Drohung, gefolgt von Beleidigungen übelster Art, sahen sich Polizeibeamte am 30. April vergangenen Jahres konfrontiert, als sie einem stark alkoholisierten jungen Mann Handschellen anlegten – nachdem er nach Mitternacht einem Platzverweis an der Mainzer Landstraße nicht nachgekommen war.

Wegen Bedrohung in Tateinheit mit Beleidigung, Straßenverkehrsgefährdung und Widerstand gegen Vollstreckung – alles im Zustand verminderter Schuldfähigkeit – musste er sich jetzt vor dem Höchster Amtsgericht verantworten. Es tue ihm leid, beteuert der Angeklagte, ein deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Am allermeisten seine Aussage über den IS. „Ich bin überhaupt nicht religiös, habe damit nichts am Hut.“ Bei dem Prozess geht es um viel für ihn: 15 Straftaten weist das Bundeszentralregister auf, die meisten allerdings in Jugendjahren begangen. Eine vom Amtsgericht Höchst im Juni ausgesprochene Freiheitsstrafe hatte das Frankfurter Landgericht im Juli nachträglich zur Bewährung ausgesetzt aufgrund genauer Pläne, die der Frankfurter für seine Zukunft geschmiedet hatte. „Die hat er auch umgesetzt“, erklärt sein versierter Verteidiger Dr. Ulrich Endres. „Ich habe mein Leben komplett geändert“, bestätigt der Angeklagte.

Da der Angeklagte geständig sei, müssten keine Zeugen mehr verhört werden, erklärt der Richter und entlässt die fünf Polizeibeamten. Nicht jeder scheint – wie ein Kopfschütteln verrät – von der Läuterung des Angeklagten überzeugt. Für eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten plädiert die Staatsanwältin.

Verteidiger Endres betont noch einmal, wie ernst es seinem Mandanten sei, und schlägt vor, dass der Mann 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten solle. In seinem letzten Wort entschuldigt sich der Angeklagte bei den Polizisten und nimmt sein Urteil entgegen: Neun Monate Freiheitsstrafe, die aufgrund positiver Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt sind. Die Bewährungszeit beläuft sich auf fünf Jahre, er soll innerhalb von zwölf Monaten 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. „Aber denken Sie daran“, sagt der Richter, „wenn Sie sich nicht daran halten, platzt das alles – und Sie fahren richtig ein!“

(juwi)
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