E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 16°C

Main-Taunus: Die Regionaltangente West führt bis nach Soden

Von Es ist ein Megaprojekt, es erscheint verkehrspolitisch sinnvoll: Mit rund einer halbe Milliarde Euro gehört die Regionaltangente West zu den größten Infrastrukturprojekten der Region. Sie geht frühestens 2024 in Betrieb. Eine Anbindung des Main-Taunus-Zentrums ist nicht vorgesehen. Das passt nicht ins Konzept.
Symbolbild Symbolbild
Main-Taunus. 

Elmar Bociek (CDU) ist ein höflicher Mensch. Der Sulzbacher Bürgermeister greift nicht korrigierend ein und sieht großzügig über den Irrtum hinweg. Er schmunzelt nur still in sich hinein, als Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) mehrmals von der „Stadt Sulzbach“ spricht. Nun hat der 7,85 Quadratkilometer große MTK-Ort mit seinen 8900 Einwohnern „nur“ den Rang einer Gemeinde. Aber das macht den Sulzbachern nichts aus. Sie sind deswegen nicht weniger selbstbewusst oder lokalpatriotisch als andere Kommunen im Frankfurter Umland.

In Sossenheim flügeln

Hoffentlich ist in den jetzt unterzeichneten Verträgen nicht von der „Stadt Sulzbach“ die Rede. Das wäre eine Blamage. Bociek und Oesterling trafen im Kultur-Bahnhof Bad Homburg aufeinander. Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung haben dort beschlossen, die Stadt Bad Soden und die Gemeinde Sulzbach in den Kreis der Gesellschafter der RTW-Planungsgesellschaft aufzunehmen. Das heißt: Soden und Sulzbach sollen an die Regionaltangente West (RTW) angeschlossen werden. Die Planer haben die Absicht, die Strecke an der Dunant-Siedlung in Frankfurt-Sossenheim zu flügeln. Ein Teil der Züge verkehrt nach Westen in Richtung Soden/Sulzbach. Der andere Teil fährt weiter nach Norden (Bad Homburg/Praunheim).

Kein Fantasiegebilde mehr

Die vorhandenen Gleise könnten genutzt werden, erläutern Aufsichtsratschef Oesterling und Horst Amann, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft. Es ist nicht nötig, neue Schienen zu verlegen. Das ist ein fester Grundsatz der RTW: Weitgehend sollen bestehende Bahnstrecken mitgenutzt und mit neu zu bauenden Teilabschnitten verknüpft werden. Das Verhältnis ist etwa 50:50. Die RTW soll eines Tages den Hochtaunuskreis (Bad Homburg, Oberursel und Steinbach) mit dem Flughafen Frankfurt und dem Kreis Offenbach (Neu-Isenburg und Dreieich) verbinden. Sie führt durch den Main-Taunus-Kreis (Eschborn und Sulzbach). Noch immer gibt es kritisch-skeptische Stimmen, die sagen: Die RTW kommt nicht. Doch Klaus Oesterling untermauert gegenüber der Presse: „Die RTW ist aus dem Stadium reiner Fantasie herausgetreten.“ Baurecht besteht noch nicht. Für den 17 Kilometer langen Abschnitt Nord (Bad Homburg/Praunheim bis Sossenheim) stehe nach dem Sommer der Erörterungstermin an. Die Planfeststellung für den Mittelabschnitt (bis Kelsterbach) schwappt nach Amanns Worten „ins Jahr 2019“. Für den Süd-Abschnitt, den die Planer zweigeteilt haben, liege das Projekt ebenfalls „gut im Zeitplan“. Wann geht’s los? Wann rollen Bagger und Züge? Oesterling und Amann sagen, Prognosen seien schwierig, weil es noch Unwägbarkeiten gibt und weitere Beschlüsse erforderlich sind. Amann nennt mit aller Vorsicht das Jahr 2024 als Termin für eine Inbetriebnahme – eine grobe Schätzung. Nun wird über die RTW schon seit dem vergangenen Jahrhundert diskutiert. Aber Soden und Sulzbach klinken sich erst jetzt ein. Reichlich spät, oder? Nein, entgegnet Horst Amann. Er finde nicht, „dass es zu spät ist“. Die Planungen hätten sich eben über lange Zeit hinweg immer weiter entwickelt. Inzwischen herrscht die Erkenntnis vor, dass es Sinn ergibt, Soden und Sulzbach einzubinden. Sodens Bürgermeister Frank Blasch (CDU) sagt, das sternförmig auf Frankfurt ausgerichtete Netz könne „die Verkehrsströme nicht mehr bewältigen“. Deswegen begrüßt er eine Nord-Süd-Verbindung, die im Grenzbereich der Landkreise und Frankfurts entlangführt. Blaschs Sulzbacher Amtskollege Elmar Bociek sieht in der RTW „einen wichtigen Bestandteil“ fürs ÖPNV-Netz der Region.

Horst Amann (links), Chef der Planungsgesellschaft, und Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Oesterling (Zweiter von rechts) freuen sich mit den Bürgermeistern Elmar Bociek (Sulzbach, rechts) und Frank Blasch (Bad Soden). Sulzbach und Soden sind jetzt RTW-Gesellschafter. Bild-Zoom
Horst Amann (links), Chef der Planungsgesellschaft, und Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Oesterling (Zweiter von rechts) freuen sich mit den Bürgermeistern Elmar Bociek (Sulzbach, rechts) und Frank Blasch (Bad Soden). Sulzbach und Soden sind jetzt RTW-Gesellschafter.

Die Planer spüren Gegenwind. In Eschborn haben die Landwirte Einwände erhoben, im Frankfurter Westen gehen Privatleute auf die Barrikade, weil die Strecke vor ihrer Nase entlangführen soll. Doch in diesem Teil habe sein Haus teilweise „die Planung grundlegend überarbeitet“, hebt Amann hervor. Zurzeit wird auch eine neue Nutzen-Kostenrechung erstellt, die Ende 2018 fertig sein soll.

Kammer gibt Kanzlei Recht

Der Geschäftsführer weiß aber, „dass wir vor Klagen nicht gefeit sind“. Ohnehin haben die RTW-Planer ein juristisches Gefecht laufen. Es geht um eine Ausschreibung für Rechtsberatungen. Die auf Vergabe-, Bau- und Immobilienrecht spezialisierte Kanzlei MBK Legal aus Frankfurt monierte die Ausschreibungsbedingungen. Sie schaltete die im Regierungspräsidium (RP) ansässige Vergabekammer Hessen ein. MBK-Anwalt Thomas Mösinger teilte gestern mit: „Nach mündlicher Verhandlung am Donnerstag letzter Woche teilte die Vorsitzende der Vergabekammer die Bedenken der Kanzlei vollumfänglich und gab bekannt, dass der Nachprüfungsantrag erfolgreich sein würde.“ Kurz und gut: Die RTW müsse neu ausschreiben. Was steckt dahinter? Nach Mösingers Aussage war die Ausschreibung so eng und spezifisch formuliert, dass sie im Grunde zwangsläufig auf eine bestimmte Kanzlei, einen Mitbewerber, hinauslief. Das Kreisblatt legte die MBK-Stellungnahme gestern der RTW-Gesellschaft und dem RP schriftlich vor, bekam aber bis Redaktionsschluss kein Echo. Nach Angaben von Thomas Mösinger geht es um ein Auftragsvolumen von rund 3,5 Millionen Euro.

Eine Anbindung des Sulzbacher Main-Taunus-Zentrums an die RTW ist übrigens nicht vorgesehen. Dazu sei die RTW ungeeignet, sagen die Planer. Denn dann müsste die Strecke einen Bogen schlagen, der die Fahrzeit Richtung Flughafen verlängern und die RTW unattraktiver machen würde. „Da müssen wir nach anderen Lösungen suchen“, betont Oesterling. Er erwähnt eine mögliche Verlängerung der Straßenbahn-Linie, die derzeit an der Zuckschwerdtstraße in Höchst endet. Der Regionalverband hatte kürzlich vorgeschlagen, rund ums MTZ ein Wohngebiet zu entwickeln. Weite Teile der Sulzbacher Politik lehnen das ab.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen