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Große Hilfe für die „Stadtjäger“

Von Die vier Stadtjäger, die am Rande der Wohngebiete auf die Pirsch gehen, können jetzt viel sicherer arbeiten: Sie sind mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet worden. Hilfsmittel für die Dunkelheit waren schon vor anderthalb Jahren gefordert worden.
Jäger, die abends und nachts in Schwanheim oder Goldstein auf Wildschweine ansitzen, können jetzt eine Wärmebildkamera zur Zielerkennung nutzen. Foto: Carsten Rehder (dpa) Jäger, die abends und nachts in Schwanheim oder Goldstein auf Wildschweine ansitzen, können jetzt eine Wärmebildkamera zur Zielerkennung nutzen.
Frankfurt. 

Ihr Revier ist nicht der tiefe Wald, sondern das Gebiet zwischen den Wohnblocks und Grünanlagen auf der einen und dem lichten Forst um die Strecke der Straßenbahnlinie 12 auf der anderen Seite: Dort, wo der Stadtwald in Wohnbebauung übergeht, häufen sich seit Jahren immer wieder die Klagen über Wildschweine, die auf der Suche nach Nahrung Parks, Spielplätze und Wiesen vor den Häusern umgraben. In Schwanheim und Goldstein legen die Schwarzkittel in der Dunkelheit dabei nicht selten Strecken von mehreren hundert Metern durch die Wohngebiete zurück. Handy-Videos von Wildschweinen vor dem Rewe-Markt in Goldstein kursieren im Netz; die Aufbrüche, die sie mit ihren Schnauzen und Hauern in die Erde pflügen, sind gerade im Winter und im Frühjahr sichtbar.

Jogger vor der Flinte

Das ist das Revier der Stadtjäger. Ihr besonderes Problem: Wenn sie auf Wildschweine anlegen, kann ihnen jederzeit in der Dunkelheit auch ein Jogger oder ein Gassigänger vor die Flinte laufen, und der Schatten, der sich auf dem Spielplatz in die Ecke drückt, kann auch ein Jugendlicher mit ein paar Joints sein. Deshalb wurde schon seit Längerem die Forderung laut, die Stadtjäger besser auszurüsten, damit sie in der Dunkelheit besser sehen. Das ist nun geschehen: Sie arbeiten jetzt mit einer Wärmebildkamera. „Sie ist nicht fest mit der Waffe verbunden, sondern kann unabhängig genutzt werden“, sagt Tina Baumann, die Leiterin des Stadtforsts. „So kann der Jäger, der im Gefahrenbereich der Stadt arbeitet, sein Gebiet sondieren und die Sicherheit erhöhen.“ Man könne über die Wärmebildkamera sehr gut zwischen Mensch und Wildschwein unterscheiden. Das Gerät sei seit einigen Wochen im Einsatz und habe sich bewährt: „Die Stadtjäger sind überzeugt und sagen, es sei eine große Hilfe“, berichtet Baumann.

Vier Mann sind im städtischen Bereich auf der Pirsch; einer kam im vorigen Jahr dazu. Sie bestreifen die waldnahen Wohngebiete und Waldränder, wo eigens Hochsitze für sie aufgestellt wurden. Noch bis zum 31. Januar läuft die Wildschwein-Jagdsaison. „Frischlinge und Überläufer dürfen aber das ganze Jahr über bejagt werden“, sagt Baumann. „Überläufer“ ist Jägerlatein für Schwarzwild beiderlei Geschlechts im zweiten Lebensjahr. Weibliche Überläufer bleiben in der Rotte beim Muttertier, männliche Überläufer werden mit dem Beginn der Geschlechtsreife aus der Rotte vertrieben und schließen sich zu Junggesellen-Clubs zusammen.

Die ganz kleinen Frischlinge – die im Streifen-Schlafanzug – werden von den Jägern verschont – man wartet, bis sie älter sind, und das nicht aus sentimentalen Gründen: „Das Wildfleisch wird in unserem Waldladen verkauft. Die gestreiften Frischlinge bringen noch nichts auf die Waage.“ Wenn die Streifen weg sind, geht es auch ihnen an den Kragen, denn die Population im Frankfurter Stadtwald ist noch immer viel zu groß.

Gesamtzahl dezimiert

„Die Tiere sind sehr vermehrungsfreudig, und durch die milden Winter der vergangenen Jahre haben sie auch immer genug zu fressen gefunden“, sagt Tina Baumann. Deshalb müsse ständig dezimiert werden. Im vergangenen Jahr seien im Stadtwald 210 Wildschweine zur Strecke gebracht worden, damit sei gelungen, die Gesamtzahl etwas zu dezimieren, sagt die Leiterin des Stadtforsts: „Wir sind bei einem geringeren Stand, weil wir intensiv bejagt haben und die Population somit zurückgegangen ist.“

Im Jagdjahr 2016 / 17 sind in ganz Deutschland etwa 590 000 Wildschweine erschossen worden, das sind so viele wie im Jagdjahr 2010/11. Im vorangegangenen Jagdjahr 2015/16 betrug die Strecke sogar 610 000 Tiere. Diese Zahlen stammen von Lovis Kauertz, dem Vorsitzenden von „Wildtierschutz Deutschland“. Er ist der Meinung, dass die Jagd nicht zielführend sei und „unsägliches Tierleid mit sich“ bringe.

Die „Pille für das Wildschwein“ hält Kauertz für eine tierschutzkonforme Option zur Regulierung der Wildschweinbestände in Problemzonen. Bevor man diese Verhütungsmaßnahme jedoch in größerem Umfang einsetzen könne, müsste eine etwa zwei- bis dreijährige Forschung Lösungen hinsichtlich einer optimalen Verabreichungsmethode erarbeiten. Durch die „Pille für das Wildschwein“ könnten insbesondere die Schwarzwildbestände in Problemzonen in Stadtrandgebieten und im Umkreis von Massentierhaltungen konstant gehalten und kontrolliert werden.

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