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Regionaltangente: Landwirte ziehen Klage in Betracht

Von Sie ist ein Mammutprojekt von 580 Millionen Euro. Die Regionaltangente ist ein extrem bedeutendes ÖPNV-Planungsvorhaben im Rhein-Main-Gebiet. Bei Eschborns Vierer-Koalition sorgt es für Trennlinien.
Ortslandwirt und CDU-Stadtrat Karlheinz Gritsch hockt in einem Getreidefeld im Osten von Eschborn. Irgendwo zwischen Gritsch und der Autobahn, die Eschborn von Frankfurt trennt, soll  die RTW-Trasse verlaufen. Vor allem Anbauflächen der Bauern sind betroffen. Foto: Knapp Ortslandwirt und CDU-Stadtrat Karlheinz Gritsch hockt in einem Getreidefeld im Osten von Eschborn. Irgendwo zwischen Gritsch und der Autobahn, die Eschborn von Frankfurt trennt, soll die RTW-Trasse verlaufen. Vor allem Anbauflächen der Bauern sind betroffen.

Karlheinz Gritschs Leben ist die Welt der Landwirtschaft. Er kennt sich aus mit Böden, Getreideanbausorten und den Tücken des Wetters. Der Kreislandwirt aus Eschborn ist fachkundig und auch wortgewandt genug, um alle Fragen rund ums Agrarwesen zu parieren. Gritsch kennt die Sorgen und Nöte seiner Gilde und ist ihr ein Fürsprecher und beliebter Ansprechpartner für die Presse, weil er der schreibenden Zunft offen und auskunftsfreudig zur Verfügung steht, ohne herumzueiern und zu dramatisieren. Zwar hat seine Partei, die CDU, inzwischen an Macht eingebüßt in Eschborn. Aber der 64-Jährige hat immer noch Einfluss, und sein Rat in landwirtschaftlichen Belangen ist gefragt und geschätzt.

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Kommentar

Herrschaftszeiten! Die Eschborner Politik-Welt ist doch immer wieder für bemerkenswerte Auftritte gut. Das beweist die jüngste Stadtverordnetenversammlung, vor der ich mehrfach hörte: „Lohnt es sich

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„Das trifft uns massiv“

Karlheinz Gritsch stellt sich unaufgeregt den Kreisblatt-Fragen zur Regionaltangente West (RTW), die noch nicht gebaut ist, aber den Süd-Osten der Eschborner Gemarkung durchschneiden soll. Gritsch sagt: „Da kommt noch einiges auf uns zu.“ Gritsch spricht nicht wutschnaubend, sondern glasklar, sachlich und ruhig. Er erwähnt, dass außerhalb Eschborns Klagen von Grundstücksbesitzern, Anwohnern und anderen Betroffenen „im Raum stehen“. Kommen rechtliche Schritte auch für Eschborns Bauern in Frage, die die geplante RTW-Trasse ablehnen? „Ich kann mir das vorstellen“, antwortet Gritsch, der in Eschborn einer von sieben hauptberuflichen Landwirten ist und „gravierenden Widerstand“ ankündigt. Die RTW, so gesteht er zu, sei „zum Großteil sinnvoll. Das sehen die Landwirte ein. Es besteht die Einsicht: Die RTW kann entlastend sein für Eschborn. Aber die Bauweise der Trasse trifft Eschborn massiv.“ Über den „dicken Daum gepeilt“, rechnet der Landwirt vor, fielen von 500 Hektar unbebauter Fläche in Eschborn rund 25 Hektar weg. Dies seien fünf Prozent des Geländes und bedeute „enormen Flächenverbrauch“. Nach Ansicht der Landwirte sollte die RTW-Trasse näher an die A 5 gelegt werden.

Gritschs Magistratskollege Adolf Kannengießer (SPD) entgegnet: „Die Verlegung der RTW-Trasse näher an die Autobahn ist während der Planungsphase in einer eigenen Variante schon untersucht worden. Dabei haben sich insbesondere drei Punkte ergeben, die dazu geführt haben, dass die Trasse nicht gewählt wurde. Zwar würde durch das Heranrücken an die Autobahn eine größere zusammenhängende landwirtschaftliche Fläche verbleiben. Allerdings könnte dann die verbleibende Fläche zwischen Trasse und Autobahn nicht mehr wirtschaftlich bearbeitet werden. Im Saldo ist deshalb der Verlust an bewirtschaftbarer Ackerfläche bei einer solchen Trasse größer als bei der gewählten Trasse.“ Der zweite Punkt betrifft planungsrechtliche Belange. Die nahe an der Autobahn liegende Trasse verlaufe durch die Wasserschutzgebiete und tangiere einen Brunnen des Wasserwerks Praunheim, „so dass der Brunnen aufzugeben und ein Ersatzbrunnen zu schaffen wäre“. Außerdem ergäben sich nach Kannengießers Angaben „höhere Kosten“.

SPD geht eigenen Weg

Diese zusätzlichen Ausgaben, so kontert Gritsch, fielen aber im Vergleich zu den Gesamtkosten des rund 580 Millionen teuren ÖPNV-Projektes kaum ins Gewicht.

Obwohl die Eschborner Stadtverordneten breite Zustimmung für die RTW signalisieren, ist ihnen unwohl, weil sie noch Antworten auf „offene Fragen“ zu dem Mammutvorhaben wünschen. Gritschs CDU regte deswegen an, ein Fachgutachten einzuholen. Das lehnten die vier Koalitionsfraktionen SPD, FDP, FWE und Linke im Bau- und Umweltausschuss geschlossen ab. In der Stadtverordnetenversammlung unterbrachen sie die Sitzung, um mit der CDU einen Kompromiss auszuarbeiten. Doch es blieb dabei: Ein Fachgutachten auf Kosten der Stadt Eschborn soll es nicht geben. Alle Fraktionen, mit Ausnahme der SPD, sowie Einzelkämpfer Dietmar Jerger (Bürgerliche) einigten sich aber darauf, „einen gemeinsamen Fragenkatalog zu entwickeln“. Von den RTW-Planern um Geschäftsführer Horst Amann wollen die Stadtverordneten wissen, welchen Einfluss der neu geplante Frankfurter Stadtteil dies- und jenseits der Autobahn auf das Vorhaben hat. Brennend sind sie zudem daran interessiert, etwas zu den Kosten zu hören, „die für die Stadt zu erwarten sind“, bezogen auf den RTW-Bau. Bau- und Planungsdezernent Kannengießer betont derweil: „Der Regierungspräsident wird im Verfahren prüfen, ob die RTW-Planungsgesellschaft die Alternativtrasse nahe der Autobahn zurecht verworfen und ob sie entsprechend der rechtlichen Vorgaben die Abwägung der Einwendungen der Eschborner Landwirte richtig vorgenommen hat. Er wird auf dieser Grundlage eine Entscheidung treffen.“ Die SPD-Fraktion will keine Verzögerungen: „Wir wollen die RTW jetzt aufs Gleis setzen.“

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