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Manege frei für die Niddaschule

Die Niddaschule steht Kopf: Seit Montag machen nicht mehr die Lehrer, sondern Artisten den Unterricht. Auf dem Stundenplan: Bodenturnen, Jonglieren und Trapez. Eine ganze Woche lang ist der Mitmach-Zirkus Oskani zu Gast in der Grundschule.
Der Körperschwerpunkt muss über dem belasteten Fuß sein: Zirkus-Mitarbeiterin Tereza Richter übt mit Semra aus der 3. Klasse der Niddaschule das Hochseillaufen. Foto: Maik Reuß Der Körperschwerpunkt muss über dem belasteten Fuß sein: Zirkus-Mitarbeiterin Tereza Richter übt mit Semra aus der 3. Klasse der Niddaschule das Hochseillaufen.
Nied. 

Vorsichtig balanciert Semra mit ausgestreckten Armen auf dem dünnen Seil, streckt ihr rechtes Bein aus und geht in die Knie. Fast wie ein Profi, dabei steht die Achtjährige erst zum zweiten Mal auf dem Seil. Seiltanz: Das wollte sie immer schon mal ausprobieren, seit sie einmal mit ihrer Familie im Zirkus war. Neben ihr üben ihre Seiltanzkollegen trocken. Ganz ohne Aufforderung von Trainerin Tereza Richter. Sie balancieren auf einer Linie, laufen rückwärts oder mit geschlossenen Augen.

„Die Kinder hören gar nicht mehr auf, vom Zirkus zu schwärmen, wenn sie in den Klassenraum zurückkommen“, erzählt Lehrerin Mona Abou Youssef. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Sarah Calakic und Sonja Ranostaj hat sie die Projektwoche organisiert. Sie weiß, dass sich die ungewöhnliche Arbeit lohnt: „Für die Kinder ist es etwas besonderes, ihren Eltern was präsentieren zu dürfen.“ Eine eigene Aufführung. Wie ein richtiger Zirkus, nur eben von Kindern gemacht. Und das ganz ohne Noten.

Für Lehrer verboten

Bis zur Vorstellung sind Lehrer und auch die Integrationshelfer streng verboten im Zirkuszelt auf dem Kerbeplatz direkt neben der Schule. „Die Kinder sollen sich frei entfalten können“, erklärt Lehrerin Mona Abou-Youssef. Alle 215 Kinder dürfen mitmachen. Integrationshelfer? Auch die Kinder, die gerade noch Deutsch lernen, machen mit. Sie schauen einfach schnell beim Nachbarn, wie die Übung geht. In der Manege sind alle gleich. Und plötzlich zeigen sich sonst auffällige Kinder von der besten Seite. Davon ist auch Zirkuschefin Marianne Richter immer wieder neu begeistert

Sie übt mit den Bodenturnern in der Manege. „Wisst ihr, was eine Kerze ist?“, fragt sie in die Runde. „Ja“, rufen die Kinder begeistert und strecken ihre Beine in die Höhe. Nicht alle können das gleich gut. Marianne Richter korrigiert, macht die Bewegung vor. Das ein oder andere Bewegungsdefizit – sie integriert es einfach.

Die vorletzte Übung: Die Brücke auf dem Teampartner. „Du schaffst das“, ruft Trainerin Jacqueline Richter einem Mädchen zu, das das Gewicht ihrer Partnerin ausbalancieren muss. Und es schafft die Übung. Schon nach zwei Tagen ist das Vertrauen der Kinder in die sechs Trainer groß. Aufgeregt ist Beyza aus Klasse 4 a trotzdem. „Hoffentlich klappt der 9er-Turm bei der Vorführung“, sagt sie. Noch wackelt der ganz schön.

Fliegender Wechsel

Dann gibt es den fliegenden Wechsel. Die Trapezgruppe steht schon vor dem Zirkuszelt und wärmt sich auf. 45 Minuten übt jede Gruppe am Tag, bis zur Aufführung. Vier Tage, dann muss die Choreographie sitzen. Dafür üben die Kinder jetzt auch schon die richtige Verbeugung. Dazu rufen die Bodenturner im Chor: „Wir sagen Dankeschön.“ Und: „Wir wollen Applaus.“

Die Kinder durften sich aussuchen, in welche der vielen Gruppen sie gehen. „Nur die Fakire, das mussten schon mutige Jungs sein“, erklärt Lehrerin Mona Abou Youssef. Am Donnerstag und Freitag hantieren sie mit echtem Feuer, laufen über Glasscherben und Nagelbretter. Für den nötigen Spaß gibt es Cowboys, Clowns und die Tiger. Hula-Hoop-Reifen und Trampolinspringer dürfen auch nicht fehlen.

Wer sich diese besondere Zirkusaufführung ansehen möchte: Am Donnerstag und am Freitag findet jeweils von 18 bis 20.30 Uhr eine Vorführung statt. Karten gibt es an der Abendkasse: 5 Euro für Kinder, 8 Euro für Erwachsene.

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